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Naturschutz: Ulrike Loos zieht sich nach 30 Jahren aus dem BUND-Vorstand zurück

Von Ulrike Loos (71) war mehr als 30 Jahre lang die streitbare Stimme des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Karben (BUND). Jetzt hat sie die Vorstandsarbeit beendet. Sie wird aber weiter ihren Verband mit Rat und Tat unterstützen.
Grüne Welle: Ulrike Loos im Garten vor ihrem Haus in Karben. Bilder > Foto: Anne-Rose Dostalek Grüne Welle: Ulrike Loos im Garten vor ihrem Haus in Karben.
Karben. 

Der Blick von Uli Loos wandert über ihren Garten, wo sich das erste zarte Grün zeigt, ein Birnbaum seine Äste reckt und Narzissen blühen. Es ist ein Hausgarten mit Sträuchern, Stauden, Teich und Obstgehölzen, dem man ansieht, dass er über viele Jahre mit besonderer Liebe zur Natur angelegt worden ist. Doch dass Loos nicht das Idyll pflegt, weder zu Hause noch woanders, zeigt sich an ihren Worten: „Naturschutz ist keine Schönwetterangelegenheit und kein Wohlfühlkissen, sondern bedeutet harte Arbeit. Dazu muss man bereit sein.“ Ganz ruhig und sachlich sagt sie das, mit viel Nachdruck, so wie es ihre Art ist. Mehr als drei Jahrzehnte lang und damit ungefähr die Hälfte ihres Lebens hat sie das vorgelebt und umgesetzt als Sprecherin im Vorstand des BUND in Karben.

„Uli Loos wird uns sehr, sehr fehlen“, bedauert Sylvia Neitzel, Vorstandsmitglied im BUND-Ortsverband Karben-Niddatal. Kaum zu schaffen sei es, den BUND so zu führen, wie es Loos über mehr als drei Jahrzehnte getan habe. Sie sei so gut vernetzt gewesen, habe unzählige Veranstaltungen organisiert, Projekte initiiert und stets hart verhandelt für den Umwelt- und Naturschutz. „Sie war sicher vielen ein unbequemer Gesprächspartner“, betont Neitzel. Doch wenn man nur lieb und freundlich sei, komme man auch nicht weiter. „Sie wird uns mit ihrer Sachkenntnis und Erfahrung weiter beratend zur Seite stehen“, erwartet Neitzel.

Von Haus aus mitgebracht

1986 ist Loos von ihrem Heimatort Idstein nach Karben gezogen. Ihren Arbeitsplatz hatte sie bis zur Pensionierung vor einigen Jahren in Frankfurt an einem Gymnasium, an dem sie Sport und Englisch unterrichtete. Die Liebe zur Natur hat sie von zu Hause mitgebracht. Vertraut war ihr die abwechslungsreiche Rheingau-Taunuslandschaft mit vielen kleinen Bauernhöfen. Von der Wetterau mit ihren riesigen Feldern und der Monokultur war sie entsetzt. „Hier ist absolut etwas nicht in Ordnung“, sagte sie sich und suchte auf lokaler Ebene Mitstreiter für den Umweltschutz. Das Waldsterben sei damals auch ein wichtiges Thema gewesen, erinnert sie sich. Mit dem damaligen Karbener Förster Hans Fleischhauer seien regelmäßig Waldspaziergänge gemacht und der Lehrpfad im Karbener Wald angelegt worden. Aber das war längst nicht alles. „Wenn wir heute Büsche und Bäume zwischen den Feldern sehen, Blühstreifen und Feldholzinseln, dann ist das „made by BUND“, sagt Loos selbstbewusst.

In den Gremien der Stadt Karben hätten die Vertreter der Naturschutzverbände damals „geneigte Ohren“ gefunden. Hochzeitshaine wurden angelegt und Streuobstwiesen, die ein Hort und Genpool werden für alte Obstbaumsorten und für Kleintiere. Die Biotopvernetzung in der Karbener Gemarkung ging voran. Jeder Stadtteil habe davon profitiert und Menschen hätten sich aktiv beteiligt. „Schade, dass so viel in den letzten Jahren zurückgefahren wurde und Sachkenntnis verloren ging“, bedauert Loos und kreidet das der aktuellen Stadtregierung an. Sobald es um neue Baugebiete gehe, würden selbst die damals angelegten Streuobstwiesen ohne großes Federlesen plattgemacht. Die bestehenden Biotope würden nicht genügend gepflegt.

Vorträge, Exkursionen und Umweltschutzprojekte

Den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gibt es seit 1975. Er hat seine Wurzeln im klassischen Naturschutz und den kämpferischen Umweltschutzinitiativen der damaligen Zeit.

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Sachverhalte zu beschönigen, ist nicht die Art von Ulrike Loos. „Es braucht eine kritisch-begleitende Stimme“, sagt sie und hat diese Rolle drei Jahrzehnte lang als Sprecherin des BUND innegehabt. „Ich war sicher keine bequemer Gesprächspartnerin, “, sagt sie von sich selber. Es sei ihr aber nie um das Recht-Haben gegangen, sondern immer um die Sache. Als Beispiele nennt sie den Streit um die Frischluftschneisen und Grünzüge , die Nidda-Renaturierung und Auswirkung neuer Baugebiete auf die Umwelt. Andere wegweisende Projekte, die Loos Handschrift tragen und bei denen sie stets dabei war, sind die Müllsammelaktion, das Kelterfest im Oktober, der Wettbewerb der Apfelweinkelterer und der Blumenmarkt im Frühjahr.

Über Wochen gepflanzt

Gerne erinnert Loos sich an die Renaturierung des Heitzhöfer Baches, die 1995 begonnen wurde. „Die Planung dafür wurde vom BUND entwickelt und mit rund einer Million Fördergeld vom Land Hessen umgesetzt “, sagt sie . Die Mitglieder des BUND hätten über Wochen Hunderte von Pflanzen gesetzt. Naturschutz als harte Arbeit ist bei Loos wortwörtlich zu verstehen und nicht nur als Metapher für ehrenamtliches Engagement. „Ich weiß gar nicht, wie viele Spaten und Grab-Gabeln ich über die Jahre gekauft , zerbrochen oder verbogen habe“, sagt Loos und seufzt ein wenig. Beiseite legen wird sie diese nicht, aber sich etwas mehr private Zeit gönnen – für sich und ihrem Ehemann Holger Stegmann. „Wir reisen gerne“, sagt sie. Und in der Flüchtlingshilfe sei sie nach wie vor engagiert.

Den BUND weiß sie in guten Händen, die Nachfolge ist geregelt. Die drei Frauen Kerstin Bach (Schatzmeisterin), Sylvia Neitzel (Sprecherin), Birgit Scharnagl (Sprecherin) wurden auf der Mitgliederversammlung im März in den Vorstand gewählt.

Blumenmarkt im Mai

Nächstes Treffen des BUND ist am 24. April ab 20 Uhr im Mütter- und Familienzentrum (Müze) Burg-Gräfenrode, Berliner Straße12 . Blumenmarkt mit Pflanzenbörse am 5. Mai von 8 bis 13 Uhr auf dem Wochenmarkt Klein-Karben, Karbener Weg.

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