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Kunstwerke aus der Dose: Teilnehmer eines Graffiti-Kurses des Jugendzentrums verschönen Bahnhofswand

Als Verschandelung und Verschmutzung werden Graffiti oft aufgefasst. Dass hinter dem „Geschmiere“ eine traditionsreiche Kunst steckt, will das Dortelweiler Jugendzentrum Efzet durch Workshops gerade älteren Menschen durch freies Ausprobieren vermitteln.
Kursteilnehmerin Nicole Laymit ist stolz auf ihr fertiges Kunstwerk. Foto: LEIF PLATH Kursteilnehmerin Nicole Laymit ist stolz auf ihr fertiges Kunstwerk.
Bad Vilbel. 

In zwei Tagen den Umgang mit der Sprühdose erlernen und sich ausprobieren: Das war das Ziel des Workshops, den das Dortelweiler Jugendzentrum Efzet angeboten hat. Am zweiten Tag des Workshops sollte dann die Rückseite der „Pilsstube“ am Südbahnhof verschönert werden.

Ab 14 Uhr zeichneten und sprühten am Efzet in Dortelweil nicht nur Jugendliche ab zwölf Jahren, sondern beispielsweise auch die 42-jährige Nicole Lay, die die Gelegenheit voll ausnutzt. Stolz präsentiert sie nach einigen Stunden ihr erstes fertiges Bild, eine phantasiereiche Planetenanordnung in satten Farben und mit komplexen Strudeln, die sie durch kreative Techniken mit Deckeln und Abdeckungen auf die Leinwand gebracht hat. Beigebracht hat sie sich all das zu Hause, mit Hilfe des Videoportals Youtube und Übung auf Papier.

Lisa Stacke und Kristofer Streck organisieren Veranstaltungen wie diese. Bild-Zoom Foto: LEIF PLATH
Lisa Stacke und Kristofer Streck organisieren Veranstaltungen wie diese.

Inspiriert wurde sie vor allem durch das Künstlerduo Herakut, dessen Werke in ganz Bad Vilbel zu bewundern sind – und sogar ihren 89-jährigen Vater begeistere, wie sie lachend erzählt. Sie sprüht an diesem Tag erst zum zweiten Mal, der letzte Workshop, den sie besuchte, fiel „buchstäblich ins Wasser“. Heute freut sie sich umso mehr, die vielen, sonst recht teuren Farben nutzen zu können.

Kristofer Streck (34) ist schon seit einigen Jahren fester Bestandteil des Teams im Jugendzentrum und betreut zusammen mit seinen Kollegen viele Veranstaltungen und Workshops wie diesen, die über das ganze Jahr verteilt stattfinden. Erstmals steht das Graffitisprühen diesmal unter dem Motto der Generationenverknüpfung: Die Idee kam dem Team durch die vielen älteren Besucher in den vergangenen Jahren.

Einstieg über Youtube

Ihm sei es wichtig, „den Konflikt zwischen Generationen anzugehen und zu beweisen, dass neben den manchmal leider illegalen Beschmutzungen eine vielfältige Mischkunst stattfinde“. Sie trete als einfache Schönheit, als Protest oder auch als weltweite Identifikationsmöglichkeit auf. Lange bestehende Sprayer-Gruppierungen wie „1 Up“ seien mit ihren Symbolen in verschiedensten Ländern vertreten.

Zusammen mit den Sozialarbeiterinnen Lisa Stacke (29) und Laura Fingerhut (22) hilft Streck den angehenden Sprühern mit den Dosen und Motiven. Auch Luca Sindel (13) ist von der Aktion sichtlich angetan: Er hat vor zwei Jahren angefangen, Graffitimotive zu malen und wurde dann durch die Zeitung auf die Veranstaltung aufmerksam. Auch Lara Henneboh (12) ist froh über die Gelegenheit. Auch sie fand ihren Einstieg über Youtube. Mittlerweile hat sie mit Freunden eine eigene Gruppierung namens „Vamp“ ins Leben gerufen, die sich gemeinsam schon auf vielen legalen Flächen kreativ ausgetobt hat.

Abseits von Angeboten wie dem der Jugendzentren Bad Vilbel gibt es wenige legale Flächen, auf denen die Sprayer sich ausprobieren können. Dagegen will Berufskünstler Sebastian Stehr (42) angehen. Er ist bei dem Seminar als Meister vom Fach für Tipps und Erklärungen vor Ort, als freischaffender Maler und Sprüher verdient er seit seiner Jugend seinen Lebensunterhalt. Bereits mit 18 Jahren zeigte er seine erste eigene Ausstellung – und gewann vor Kurzem durch ein Ausschreiben sogar Fördergelder.

Diese will er nun einsetzen, um im Oktober eine Graffitischule innerhalb der Kunstschule Bad Vilbel zu eröffnen. Es soll noch mehr legale Flächen zum besprühen und sogar Wettkämpfe geben. Damit will er die Sprayer-Szene so gut unterstützen wie nur möglich. Auf jeden Fall soll die Kunstschule einen eigens auf Graffiti ausgerichteten Raum bekommen.

Ergebnis bestaunen

Auch im Efzet-Zentrum in Dortelweil ist seine Kunst im ersten Stock vertreten, sogar das Jugendzentrum in der Saalburgstraße trägt noch Arbeiten von ihm, wenn diese mittlerweile fast völlig überstrichen sind. Gesprüht hat Stehr diese bei seinem ersten offiziellen Auftrag – mit gerade einmal 14 Jahren. „Bad Vilbel kann sich an einigen Stellen noch etwas verjüngen“, findet er. Deshalb will er den Nachwuchs fördern.

Das farbenfrohe Ergebnis des generationenübergreifenden Graffitikurses lässt sich ab sofort am Bad Vilbeler Südbahnhof bestaunen. Trotz nicht optimaler Wetterverhältnisse erlebten die Teilnehmer einen authentischen Einblick in das Hobby der Graffitikunst – und konnten sicher auch einige neue Erkenntnisse mit nach Hause nehmen.

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