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Hintergrund: Straße erinnert an frühere Ziegelei am Rande von Ostheim

Wieso trägt eine Straße ihren Namen? Bei der FNP-Serie zu den Hintergründen von Straßennamen geht es im heutigen Teil um die Straße Alte Ziegelei im Nidderauer Stadtteil Ostheim.
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Nidderau. 

Die tonhaltige Erde in der Nidder-auer Gemarkung machte es möglich: Einige Landwirte betrieben früher in der Gegend neben Ackerbau und Viehzucht auch noch sogenannte Feldbrennereien, in denen sie Ziegelsteine fertigten. Ein reiches Vorkommen an Ton fand man auch zwischen den Ortschaften Ostheim und Windecken. Die erschlossene Grube existierte schon vor dem Jahr 1858 und diente der Firma Altvater als Abbaufläche für die Ziegelei. Von dem Werksgelände sind eine Abbau-Wand und der ungefähr 70 Jahre alte Ziegelweiher erhalten geblieben.

Die Firma Burger und Söhne aus der Schweiz, die eher für die Herstellung von Zigarren bekannt war, besaß das Ziegelwerk Ostheim bis Anfang der 70er Jahre. 1970 brannten die Gebäude nieder. Die Schweizer versuchten das Gelände daraufhin gewinnbringend zu verwerten und schlossen 1986, nach jahrelangen Verhandlungen, einen Vertrag mit der Stadt Nidder-au.

Der „Wohnpark am Ziegelweiher“ Ostheim war beschlossene Sache, aber erst 1999 wurden die ersten Baugrundstücke veräußert. Passend zur Vergangenheit des Areals legte man die Straßennamen fest: Alte Ziegelei, Am Ziegelweiher. Stadthistoriker Heinrich Quillmann erinnert sich noch, dass in der alten Ziegelei von 1943 bis Kriegsende russische Zwangsarbeiter untergebracht waren.

Sie seien im Waschhaus eingepfercht gewesen, 50 Männer und 49 Frauen an der Zahl. „Der Bäcker Unger musste Brot für sie backen und sein Geselle hat es dann mit dem Handwagen hingeschafft“, erzählt Quillmann. „Seltsam war, dass sie nicht rund um die Uhr bewacht waren. Das Betriebsgelände haben sie trotzdem nie verlassen.“

In der Ziegelei wurden außerdem die Geologen fündig: Sie entdeckten den 40 000 Jahre alten Oberschenkelknochen eines Mädchens, das während der Zwischeneiszeit dort gelebt haben muss. Gründe gab es also genug, das Gelände als kulturhistorisches Landschaftselement zu erfassen.

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