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Karben: So retten zwei 16-Jährige und ein Hotelgast einer Hotelchefin das Leben

Von Daniela Kinory arbeitet als Geschäftsführerin an der Rezeption des Hotels „Stadt Karben“. Es ist der 7. März 2017. Um 15 Uhr verlässt die 29-Jährige ihren Arbeitsplatz, um in ihrem vor dem Hotel geparkten Auto etwas zu holen. Dann: Herzstillstand. Doch sie wird gerettet.
Hier ist es passiert: Daniela Kinory öffnet wie damals die Autotür, Sekunden später brach sie bewusstlos zusammen. Hier ist es passiert: Daniela Kinory öffnet wie damals die Autotür, Sekunden später brach sie bewusstlos zusammen.
Karben.  Die Karbenerin Daniela Kinory geht zu ihrem Auto, einer Mercedes-A-Klasse, und öffnet die Fahrertür. Plötzlich fällt sie um. Ihr Körper kommt auf dem Trottoir vor dem Hotel „Stadt Karben“, in dem sie arbeitet, zum Liegen. Ihr bleibt keine Zeit, um einen Notruf abzusetzen oder um Hilfe zu rufen. Ihr Herz hat von einer Sekunde auf die andere aufgehört zu schlagen.

Feline Hornof und Marie Reinhard (beide 16) befinden sich zu diesem Zeitpunkt nicht sehr weit entfernt. Als sie sich dem Hotel nähern, wird Marie stutzig, weil sie eine geöffnete Autotür entdeckt, aber keine zugehörige Person erkennen kann. „Wir haben uns darüber unterhalten, unsere Schritte beschleunigt und die bewusstlose Frau gefunden“, erinnern sie sich heute.

Feline läuft sofort in das Hotel, um Hilfe zu holen, Marie bleibt währenddessen bei Kinory, versucht sie anzusprechen. Erfolglos. Unterdessen trifft Feline auf Sabbatino Persichetti, der sich im Empfangsbereich des Hotels die Übertragung eines Fußballspiels ansieht. Er rennt sofort auf die Straße, stellt weder einen Puls noch eine Atmung bei Daniela Kinory fest.

Die Rettung hat sie verbunden (von links): Daniela Kinory, Marie Reinhard und Feline Hornof.

Sanitäter sind schockiert

Sofort alarmiert er den Rettungsdienst und Danielas Mutter Susan Kinory. Die Retter, von Marie auf der Hauptstraße eingewiesen, sind nur wenige Minuten später vor Ort. Ihnen bietet sich ein dramatisches Bild: Die linke Seite der jungen Frau ist blau angelaufen. „Der Notarzt ist sofort aus dem Rettungswagen gesprungen und hat ,Ach, du Scheiße‘ gesagt“, berichtet Persichetti.

Er erinnert sich an die vielen Notfallgeräte auf der Straße, die Reanimation der Retter vor dem Hotel, seine Ohnmacht und Fassungslosigkeit. Als Mutter Susan Kinory aufgelöst im Hotel erscheint, sieht sie Persichetti und die beiden Mädchen, die kreidebleich und in Tränen aufgelöst sind. Persichetti erinnert sich an den Satz der Rettungskräfte, der wie aus dichtem Nebel zu ihm dringt: „Eine Minute später und wir hätten sie nicht mehr reanimieren können.“

Info: Sofortiges Handeln bei Herzstillstand

Ein Herzstillstand erfordert umgehende Hilfe. Zuerst muss der Notruf abgesetzt werden. Im Anschluss muss der Ersthelfer 30 Mal eine Herzdruckmassage durchführen.

clearing

Zu einem späteren Zeitpunkt bringen die behandelnden Ärzte eine verschleppte Muskelentzündung mit dem Herzstillstand in Verbindung. Daniela Kinory liegt zwei Tage lang auf der Intensivstation der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim im Koma und zwei weitere Wochen stationär in der Klinik. Ihr wird ein Defibrillator als Schutz implantiert. Doch die Sonde des Gerätes gibt kein Signal ab, der Defibrillator muss ersetzt werden. Wieder aus der Klinik entlassen, bekommt Kinory Schmerzen unter der Brust. Sie nehmen an Vehemenz derart zu, dass sie vor Schmerzen schreit und weint. Das in einer Klinik verabreichte Morphium hilft nichts.

„Ich habe fünf Tage nicht geschlafen und nichts gegessen“, sagt Kinory heute. Nach einem schrecklichen Leidensweg wird festgestellt, dass sich die zu tief befestigte Sonde in die Herzspitze gebohrt hat. Sie wird operativ und gerade noch rechtzeitig entfernt, um Kinorys Leben ein zweites Mal zu retten.

„Meine Tochter ist von den Mädchen und Persichetti gerettet worden, wäre aber durch diesen Fehler fast gestorben“, sagt Susan Kinory.

Sieben Monate später sitzt sie im Rathaus der Stadt Karben, sucht das Gespräch mit den drei Lebensrettern und Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Sie und ihre Tochter möchten das Engagement der Lebensretter würdigen. Rahn überreicht Blumensträuße und Gutscheine.

Eine Reihe von Zufällen

Daniela Kinory umarmt die Mädchen, die laut der Rettungskräfte „alles richtig gemacht haben“. Doch die Erinnerung wirkt nach. „Wir haben im Hotel nach dem Gesundheitszustand von Daniela Kinory gefragt“, sagt Marie, die derzeit ihre Jugendleiter-Ausbildung beim DRK absolviert. Wenn Susan Kinory von dem Ereignis spricht, weint sie heute noch.

Rückblickend scheint alles an eine Reihe von Zufällen geknüpft: Hätten Feline und Marie wie geplant einen anderen Weg gewählt oder nur eine Minute länger gewartet, hätte Sabbatino Persichetti nicht so schnell und beherzt die Hilfsorganisation des Arbeiter-Samariter-Bundes alarmieren können. Und wäre der Rettungswagen nicht so schnell vor Ort gewesen, wäre Daniela Kinory, die Mutter zweier Töcher, nicht mehr am Leben.

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