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Vorsichtsmaßnahmen: So reagieren regionale Schweinehalter auf die Afrikanische Schweinepest

Von Die Afrikanische Schweinepest sorgt aktuell in bundesweiten Medien für Furore. Die Jägervereinigung Oberhessen hat deshalb in einem offenen Brief aus Sicht der Jäger Forderungen an die Politik formuliert. Auch regionale Schweinehalter reagieren auf die neue Bedrohung. Die FNP fragte nach, wie die Stimmung auf landwirtschaftlichen Höfen ist und welche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.
Landwirtschaftsmeister und Bio-Landbauer Sebastian Mager trägt auf dem Bioland-Magerhof in Klein-Karben die Verantwortung für 50 Schweine. Hier sieht man Mager mit einigen Tieren im Auslauf des Schweinestalles. Bilder > Landwirtschaftsmeister und Bio-Landbauer Sebastian Mager trägt auf dem Bioland-Magerhof in Klein-Karben die Verantwortung für 50 Schweine. Hier sieht man Mager mit einigen Tieren im Auslauf des Schweinestalles.
Karben/Nidderau/Friedberg. 

Landwirtschaftsmeister und Bio-Landbauer Sebastian Mager trägt auf dem Bioland-Magerhof in Klein-Karben die Verantwortung für 50 Schweine, 850 Legehennen, 20 Burenziegen und 50 Gänse. „Wenn unsere Tiere von der Afrikanischen Schweinepest betroffen wären, wäre das ein herber Einschnitt. Aufgrund von verschiedenen Standbeinen wäre es jedoch nicht existenziell“, sagt der 40-Jährige.

Laut Mager werden jede Woche zwei Schweine aus dem Bestand des Hofes geschlachtet. Wären seine Tiere betroffen, könnte er je nach Seuchenverlauf für eine gewisse Zeit keine Schweine einstallen. Außerdem vergingen bei der Neueinstallung von 25 Kilogramm schweren Ferkel sechs Monate bis zur Schlachtreife. Mager könnte über einen längeren Zeitraum keine Erzeugnisse vermarkten und keinen Metzger beschäftigen.

Tödliche Gefahr – Impfungen gibt es nicht

2017 sind im Baltikum, Polen, Tschechien, Rumänien und der Ukraine 4140 Fälle der Schweinepest offiziell registriert worden. In den ersten drei Wochen 2018 kamen dem

clearing

Doppelt umzäumt

Der Bio-Landbauer macht deutlich, dass auch Metzgereien, der Fleisch- sowie der Groß- und Einzelhandel von Umsatzeinbußen betroffen wären. Um dem Horrorszenario im Schweinestall vorzubeugen, wechselt Mager die Arbeitskleidung und die Schuhe, bevor er den Stall betritt. Auch Desinfektionsmatten vor den Ställen kommen zum Einsatz.

Der Buchwaldhof in Nidderau verfügt über 200 Schweinemastplätze. Die Schweine werden laut Silke Vogel im Stall gehalten und haben einen nicht überdachten Auslauf. Vogel berichtet von Hygienekleidung, speziellen Stiefeln und weiteren Vorsichtsmaßnahmen: „Wir lagern den Jahresvorrat an Stroh an erhöhter Stelle auf einem zweiten Boden im Stall, so dass er für Wildschweine nicht zugänglich ist.“ Mitarbeiter werden in Gesprächen sensibilisiert und aufgefordert, nicht mit dem Schuhen, mit denen sie Waldboden betreten haben, in die Ställe zu gehen. Auch Kraftfahrzeuge werden nicht direkt vor den Ställen geparkt.

Die Ställe des Buchwaldhofes sind doppelt umzäunt, Publikumsverkehr ist nicht erlaubt. Vogel erinnert sich an die Folgen der Rinderseuche BSE im Jahr 2000/2001. „Bei BSE hatten wir selbst keinen Seuchenfall, jedoch einen Kollateralschaden in Höhe einer sechsstelligen Summe“, sagt sie. Doch noch besteht kein Grund zur Besorgnis. „Es gibt derzeit keine Fälle von Schweinepest in Deutschland“, bestätigt Dr. Veronika Ibrahim, Fachstellenleiterin Lebensmittelüberwachung und stellvertretende Fachstellenleiterin Veterinärwesen des Wetteraukreises.

Sie erzählt von einem Ausbruch des ASP-Erregers in Tschechien durch falsch entsorgte aus der Ukraine stammenden Speckreste. Wildschweine hätten sich so mit dem Erreger infiziert. Bei einem Verdacht in einem Schweinestall gehen laut Ibrahim zunächst Proben und ein totes Tier zum hessischen Landeslabor nach Gießen. Erst, wenn sich das Ergebnis bestätigt, erfolgt die endgültige Sperre des betroffenen Betriebes mit Tötungsanordnung aller Schweine des Betriebes. Ibrahim spricht in diesem Fall von einem Sperrbezirk im Radius von drei Kilometern um den betroffenen Hof.

Immer mehr Wildschweine

Noch ist sie zuversichtlich. Sie bestätigt, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) bereits 2017 prognostiziert, aber in Deutschland nicht angekommen sei. Für die Verbraucher ist ASP unbedenklich.

Das erklärt auch Hans Herrmann, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Nidderau, Hammersbach, Bruchköbel: „ASP wird nur von Wild- auf Hausschweine übertragen, nicht auf den Menschen.“ Die Ausbreitung in östlichen Teil der Europäischen Union ist seit anderthalb Jahren bekannt. Nach einer Jagd werden immer wieder Blutproben von getöteten Wildschweinen aus verschiedenen Revieren an das hessische Landeslabor in Kassel geschickt.

Laut Herrmann steigen die Wildschweinstrecken, obwohl die Bejagung des Schwarzwildes aufgrund von Störungen durch Freizeitsportler, größere landwirtschaftlichen Flächen und zahlreichen undurchdringlichen Dickungen im Wald immer schwieriger wird. Zudem dürfen Bachen und Keiler ab 1. Februar bis 15. Juni nicht geschossen werden.

In einem offenen Brief fordern die Jäger ein Einfuhrverbot für Schwarzwildfleisch aus Ländern, in denen bereits die Afrikanische Schweinepest grassiert, Aufwandsentschädigungen, kostenlose Untersuchungen, mehr Aufklärung. Doch sie wollen auch härtere Strafen für Menschen, die die Jagd stören oder mit „Unwahrheiten über die Gefahren der Seuche Menschen gegen die Jagdausübung verhetzen“. Auch sollen Wildschweine wesentlich stärker bejagt werden dürfen.

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