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Neue Schiedsleute: Sie schlichten, damit schnell wieder Frieden einkehrt

Von Äste, die über den Zaun hängen, Beleidigung. Die Liste der Streitigkeiten unter Bürgern ist lang. Um sich zu einigen, können sich Betroffene bei einem Schiedsamt helfen lassen, auch in Niederdorfelden. Die FNP hat die neuen Schiedsleute Carola Rebholz und Uwe Spieckermann getroffen.
Carola Rebholz und Uwe Spieckermann, hier im Büro des Bürgerhauses, haben ihr Tätigkeit als Schiedsleute in Niederdorfelden begonnen. Foto: Petra Ihm-Fahle Carola Rebholz und Uwe Spieckermann, hier im Büro des Bürgerhauses, haben ihr Tätigkeit als Schiedsleute in Niederdorfelden begonnen.
Niederdorfelden. 

Ruhestörung, lästige Gerüche. Der Nachbar parkt ständig die Einfahrt halb zu. Über solche und ähnliche Dinge regen sich Bürger durchaus mal auf. Im Idealfall landet aber nicht alles gleich vor Gericht. Etwa, weil Gemeinden die Möglichkeit einer Schlichtung anbieten, so auch in Niederdorfelden. Dort sind Carola Rebholz und Uwe Spieckermann neue Schiedsleute. Rebholz ist Schiedsfrau, Spieckermann ist Stellvertreter. Beide tun dies ehrenamtlich.

Info: Amtszeit für neue Schiedsleute beträgt fünf Jahre

Am 18. Juni wurden Carola Rebholz und Uwe Spieckermann offiziell in ihr Amt eingeführt und vereidigt. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, Ort war das Amtsgericht Hanau.

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Die 53-Jährige arbeitet beruflich in einem Krankenhaus in Frankfurt. „Als Assistentin der Pflegedirektorin“, erläutert Rebholz. Spieckermann war Service-Leiter in einem mittelständischen Unternehmen in Altenstadt. „Ich bin seit Mai im vorgezogenen Ruhestand“, erzählt der 63-Jährige. Fingerspitzengefühl, Geschick im Umgang mit Menschen: Das gehörte für beide in der Ausbildung, im Job oder Ehrenamt bislang schon dazu. Denn Rebholz ist nicht nur Betriebswirtin im Gesundheitswesen. Sie ist auch ausgebildet als Mediatorin, Coach und Lern-Coach. Auch machte sie eine Weiterbildung in Hippo-Therapie: der Krankengymnastik am Pferd.

Es geht auch um Heilung

Heilung ist mithin ein wichtiges Thema – und somit passt es zu ihr, auch Streitigkeiten zu heilen. Er: „Als Vertriebler im Service-Bereich hatte ich mit Menschen verschiedener Couleur zu tun.“ Den anderen ernst nehmen, auf das Gegenüber zugehen. Das Richtige hinterfragen. Einfühlsam sein, gleichzeitig aber sich durchsetzen können. „Das war das A und O in meinem Beruf, gegenüber den Kunden und den Mitarbeitern.“ Zudem ist Spieckermann seit zwei Jahren Vorsitzender des Ortsverbands des VdK Niederdorfelden. Und seit März stellvertretender Kreisvorsitzender des Verbandes Hanau.

Zur neuen Aufgabe kam er, weil ihn die Gemeinde ansprach. „Ich habe gesagt: Okay, aber als Stellvertreter.“ Sie: „Mein Ziel ist es, zur Rente schauend, dass ich mich als Coach selbstständig machen will.“ Schon in Berlin, wo sie lange lebte, habe sie gecoacht, sagt die 53-Jährige. „Und dann habe ich gedacht, ich bewerbe mich. Es stand in der Zeitung.“ Die Mutter machte sie darauf aufmerksam.

Gerichte umgehen

Mit welchen Fällen könnten es die beiden zu tun bekommen? Wenn jemand den Abstand zur Grundstücksgrenze nicht wahrt, beispielsweise. Oder einer will, dass sich der andere entschuldigt. Doch der macht es vielleicht nicht. Wenn jemand einfach einen fremden Brief geöffnet hat, oder einer den anderen geschubst hat. Doch was für den einen Drama ist, ist für das Gericht eventuell nur eine Bagatelle. „Deshalb gibt es Schiedsleute, um so etwas zu umgehen“, erklärt Rebholz. Zudem sei der Gang zum Anwalt für manchen eine Kostenfrage – beim Schiedsamt sind durchschnittlich 70 Euro zu zahlen.

Vereidigt wurden die beiden im Juni. Sie hatten bisher noch keinen Fall, aber haben alte Fälle angeschaut. In Niederdorfelden sei deren Zahl überschaubar. „Es ist schön, wenn das Zusammenleben in einer Gemeinde so funktioniert“, sagt Spieckermann. Rebholz beschreibt die Vorgehensweise: „Bei Konflikten müssen wir hinterfragen: Wieso ist es dem anderen wichtig? Wir müssen die Leute miteinander ins Gespräch bringen.“

Die eigene Meinung der Schiedsleute dürfe dabei nicht einfließen. Nur Fakten dürfen sie benennen, beispielsweise: „Erst ab soundso viel Meter Abstand zum Grundstück darfst du Hecken und Bäume pflanzen. Das sagt der Gesetzgeber.“ Das Hauptziel sei es, einen Kompromiss zu finden, erklärt Spieckermann. Um sich vorzubereiten, sind die beiden die letzten Fälle mit ihrer Vorgängerin Elli Markloff zusammen durchgegangen.

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