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Carola Bauer: Sie ist das Bindeglied zur Justiz

Von Sie hilft bei Beglaubigungen und gibt Hilfestellungen bei Patientenverfügungen. Carola Bauer ist Ortsgerichtsvorsteherin in Kilianstädten und Oberdorfelden und damit Bindeglied zwischen Justiz und Bürgern. Mit diesem Ehrenamt tritt sie in die Fußstapfen ihres Vaters, der zuvor lange Jahre als Ortsgerichtsvorsteher aktiv war.
Carola Bauer ist bis 2020 als Ortsgerichtsvorsteherin gewählt. Danach möchte sie das Ehrenamt fortsetzen, „solange es geht“. Carola Bauer ist bis 2020 als Ortsgerichtsvorsteherin gewählt. Danach möchte sie das Ehrenamt fortsetzen, „solange es geht“.
Schöneck. 

Es ist der Umgang mit den Menschen, der Carola Bauer viel Spaß macht. Die 60-Jährige übernimmt gerne Verantwortung, weswegen sie sich entschied, 2010 das Amt als Vorsteherin für das Ortsgericht I zu übernehmen. Ihr zur Seite stehen dabei vier Schöffen, mit denen Bauer zusammenarbeitet.

Jede Gemeinde in Hessen verfügt über ein Ortsgericht. Die Ortsgerichte haben den Status von Hilfsbehörden der Justiz. Dienstaufsichtsbehörde ist das jeweilige Amtsgericht. Für die Gemeinde Schöneck gibt es zwei Ortsgerichte. Die gebürtige Frankfurterin ist seit dem Jahr 2010 Vorsteherin des Ortsgerichtes I und damit für Kilianstädten und Oberdorfelden zuständig.

Für das Ehrenamt als Ortsgerichtsvorsteherin diente Carola Bauer ein familiäres Vorbild. „Mein damals 79-jähriger Vater Kurt Lotz legte 2010 aus Altersgründen sein Ehrenamt nieder“, erzählt Bauer, die seit 1988 mit Unterbrechungen in Kilianstädten wohnt. 24 Jahre war der Vater Ortsgerichtsvorsteher in Schöneck. Er habe eigentlich schon fünf Jahre früher aufhören wollen, doch sie riet ihm zum Durchhalten, „weil es wichtig ist, in diesem Alter noch einen Fuß im Leben zu haben“.

Lange Bedenkzeit

Carola Bauer arbeitete von 1971 bis 1975 als Angestellte in der Buchhaltung beim Postscheckamt Frankfurt und ab 1975 bis zu ihrem Ruhestand 2004 im Beamtenverhältnis. Nach langer Bedenkzeit stimmte sie im November 2009 zu, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Die inzwischen 60-Jährige wurde in einer Sitzung der Gemeindevertretung gewählt und dem Amtsgericht Hanau für das Ehrenamt vorgeschlagen. Ihre Vereidigung und zugleich die Verabschiedung ihres Vaters erfolgte im Mai 2010 im Amtsgericht. Sie ist zunächst für zehn Jahre gewählt.

Einen ersten Einblick in die umfangreichen Aufgaben einer Ortsgerichtsvorsteherin erhielt sie, als sie vier Wochen im Büro ihres Vaters hospitierte und ihn bei einer Schätzung und Nachlasssicherung begleitete. Damit sie beim Aufzählen ihrer Tätigkeiten keine Aufgabe vergisst, schlägt sie im hessischen Ortsgerichtsgesetz vom 6. Juli 1952 nach. „Ich versende Sterbefallanzeigen an Hinterbliebene, beglaubige Unterschriften, bin mit Schöffen bei Gebäudeschätzungen im Rahmen von Erb- oder Steuerangelegenheiten dabei oder kümmere mich um die Nachlasssicherung“, berichtet Bauer und ergänzt eine weitere Tätigkeit. Sie ist auch für Erbausschlagungen zuständig. „Wenn der Nachlass verschuldet ist, kann das Erbe abgelehnt werden“, erklärt sie.

Über ihre ehrenamtliche Tätigkeit führt Bauer ein Tagebuch. Darin vermerkt sind die Beschreibung der Tätigkeit, der jeweilige Antragsteller, mitwirkende Ortsgerichtsmitglieder sowie anfallende Gebühren und Auslagen. Die Angaben werden im fünfjährigen Turnus vom zuständigen Amtsgericht geprüft. Immer mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr bietet sie eine Sprechstunde im Technischen Rathaus in Kilianstädten an. Beglaubigungen und Hilfestellung bei Patientenverfügungen sind die Hauptanliegen der Ratsuchenden. Kommt die Rede auf nachbarschaftliche Streits, hält sie sich zurück. „Dafür gibt es eine Schiedsfrau“, sagt Bauer.

Auch Hausbesuche

Wenn jemand aus zeitlichen Gründen nicht in die Sprechstunde kommen kann, darf er Bauer nach telefonischer Absprache auch zu Hause besuchen. Für ältere Menschen oder Gehbehinderte bietet die Ortsgerichtsvorsteherin darüber hinaus auch Hausbesuche an.

Nach Angaben von Bauer nimmt ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Ortsgerichtsvorsteherin ungefähr 20 Stunden pro Monat in Anspruch. „Es gibt nichts, was ich am liebsten mache. Mir gefällt der Kontakt mit Menschen“, erzählt sie. Die Angestellten der Gemeinde gäben ihr das Gefühl, dazu zu gehören. Hilfesuchende bedankten sich manchmal mit Süßigkeiten. „Ein älterer Herr schenkte mir nach einer Hausbesichtigung eine Tortenplatte“, berichtet sie.

Carola Bauer bezeichnet sich selbst als Familienmensch, sie hat fünf Geschwister, drei Kinder und drei Enkel. Sie bastelt gerne, fährt Ski und wandert. Ein weiteres Ehrenamt begleitet sie als Vorstandsmitglied der Turngemeinde Kilianstädten.

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