Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Bad Vilbel 8°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Dortelweiler sorgen sich um ihr Brunnencenter: Sie bekämpfen den Leerstand

Von Schwierige Zeiten für das Dortelweiler Brunnencenter: Dem Nahversorgungszentrum gehen die Geschäfte aus. Aktuell sind fünf der 20 Geschäfte geschlossen. Händler klagen über zu hohe Mieten und rückläufige Kundschaft. Doch das Centermanagement verweist auf millionenschwere Investitionen. Der Standort soll durch Gastronomie und Nahversorger aufgewertet werden.
Mariya Neufeld, die Centermanagerin des Brunnencenters, und Rüdiger Engelhardt von der Werbegemeinschaft Brunnencenter wollen die Attraktivität des Standorts steigern. Mariya Neufeld, die Centermanagerin des Brunnencenters, und Rüdiger Engelhardt von der Werbegemeinschaft Brunnencenter wollen die Attraktivität des Standorts steigern.
Bad Vilbel. 

Teure Hochglanzfotos suggerieren im Dortelweiler Brunnencenter das Interieur eines schicken Schuhgeschäftes, wo schon vor Jahren ein Spielzeugladen dicht machte. Schaufensterpuppen illustrieren die Schaufensterscheibe einer längst verschwundenen Schlecker-Filiale. Eine junge Frau rauft sich auf einem Plakat die Haare: „Geht ihr wirklich weg?“ „Nein, nur woanders hin“, entgegnet es ihr dort, wo sich bis vor wenigen Tagen der Friseursalon Horinek befand. Auch ein Kindermodeladen ist schon lange dicht, vor wenigen Tagen schloss auch der Kleiderladen „Mister Lady“.

Für Friseurmeister Thomas Horinek war es das Ziehen der Notbremse, sein Mietvertrag ist gerade ausgelaufen. Obwohl das Geschäft zuletzt gut lief, waren ihm die 4000 Euro Warmmiete für 98 Quadratmeter mit allein 16 Euro Nebenkosten pro Quadratmeter zu viel, denn die Frequenz des Brunnencenters ist zurückgegangen, hat er beobachtet. Dabei war Horinek einer der ersten Mieter, als das Center vor 17 Jahren öffnete. Allerdings mit einer fatalen Weichenstellung. Ursprünglich sollte das Center 60 000 Quadratmeter groß werden, doch der Bad Vilbeler Gewerbering klagte erfolgreich gegen die Konkurrenz. Nun sind es 12 000 Quadratmeter.

Edeka-Markt bleibt

Eine Ursache der Entwicklung sei, dass das Brunnencenter inzwischen dem Immobilienfonds der Deutschen Bank, der „RREEF Investment GmbH“ gehöre – und die, so sieht es Horinek, habe „nur Interesse an der zu erwartenden Miete“, die den Anliegern versprochen werde. Wenn es tatsächlich viel weniger sind, „hat der Anlieger ein Problem“. Das trifft immerhin nicht auf Horineks Mitarbeiter zu. Sie werden alle auf die Filialen in Bad Vilbel und Dortelweil verteilt.

Verwaiste Ladenflächen im Dortelweiler Brunnencenter: Ende August war auch für das Geschäft „Mister Lady“ Schluss. Bild-Zoom
Verwaiste Ladenflächen im Dortelweiler Brunnencenter: Ende August war auch für das Geschäft „Mister Lady“ Schluss.

Längst kursieren in Dortelweil viele Gerüchte, Edeka verlasse das Center, ihm drohe gar die Schließung, weswegen sich auch der Dortelweiler Ortsvorsteher Herbert Anders (CDU) schon erkundigt hat. Dem Gerücht widerspricht Florian Kramm, der als Geschäftsführer der Melsunger „Rheika-Delta Warenhandelsgesellschaft“ auch für die Herkules-Märkte zuständig ist.

Es sei nicht daran gedacht, den Edeka im Brunnencenter aufzugeben, zumal dort gerade einiges investiert worden sei. Allerdings wollte sich Kramm explizit nur zu dem Lebensmittelmarkt äußern – aber nicht zu der Zukunft der Herkules-Technik- und Sportgeschäfte nebenan.

Auf neue Impulse hofft Rüdiger Engelhardt, Sprecher der Werbegemeinschaft des Brunnencenters. Auch er ist seit 2000 mit seiner „Geschenkekiste“ dabei. Fünf der 20 Geschäfte stehen derzeit leer, doch sei noch größerer Leerstand durch Besitzerwechsel vermieden worden: Die „Buchtruhe“ wurde durch die „Lesezeit“ ersetzt, auch ein Beauty Salon ist neu eingezogen in die Räume von „Pam’s Boutique“. Und ab Januar komme der Ableger einer gefragten Imbisskette, der „Best Worscht in Town“, aber nur auf einer Teilfläche des früheren Kindermodeladens. Auch für „Mister Lady“ gebe es wohl Verhandlungen mit Nachfolgern, sagt Engelhardt.

Im Oktober 2000 eröffnet

Mit dem Bau des Brunnencenters wurde am 29. November 1999 begonnen, am 26. Oktober 2000 wurde es eröffnet. Das Center war ursprünglich zur Versorgung des gesamten Stadtteils Dortelweil erdacht worden.

clearing

Die Geschäftsflaute hat für den Sprecher der Ladeninhaber mehrere Gründe. Da sei das Internet, das vor allem kleineren Händlern Konkurrenz mache. Und da sind die höheren Mietkosten, die ein Center wegen der Infrastruktur von der kostenlosen Tiefgarage über Rolltreppen bis zum Putzen und dem Center-Management habe. Immerhin: Bis 2012 sei das Center profitabel gewesen, so Engelhardt. Doch seit drei Jahren gebe es das Hauptproblem mit dem Eigentümer, der RREEF. Dort habe man kein Interesse, sich um Center und Nachmieter zu kümmern. Da werde ein Milliardenkapital verwaltet, die zehn Millionen des Brunnencenters zählten da nicht.

Kostenfreies W-Lan

Engelhardt hofft nun auch auf mehr Interesse seitens der Stadt. Gerade in Alt-Dortelweil kursierten längst Gerüchte, das ganze Center stehe vor der Schließung. Jene Alt-Dortelweiler, die kein Auto hätten, sorgten sich um ihre einzige fußläufig erreichbare Einkaufsgelegenheit. Nun müsse die Stadt Engagement zeigen – etwa, indem sie die Deutsche-Bank-Tochter um ein Gespräch über die weitere Entwicklung des Brunnencenters bitte, appelliert Engelhardt. „Sie können gerne auch an mich herantreten“, merkt er an.

Eine positive Entwicklung sieht Mariya Neufeld, seit 2015 Centermanagerin. Die Vermietungsquote liege bei 90 Prozent, auch wenn es in nahezu allen 480 deutschen Centern Leerstände gebe. Das liege an der wachsenden Online-Konkurrenz und neuen Wettbewerbern, etwa in Bad Vilbels Neuer Mitte. Doch das IPH Centermanagement, der Verwalter der Immobilie, setze weiter auf den Standort, gerade werde eine siebenstellige Summe in den technischen Umbau des Brunnencenters investiert. Nahversorgung und Gastronomie sollen gestärkt werden. Auch soll es ab diesem Monat kostenloses WLAN geben.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse