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Schmerz zu spielen, ist harte Arbeit: Schauspielerin April Hailer liebt ihren Beruf

Was aussieht wie der Abgrund des Lebens, ist harte schauspielerische Arbeit. April Hailer, die im Musical „Sunset Boulevard“ die aus der Realität abtauchende Hollywood-Ikone Norma Desmond spielt, verrät, wie sie diesen Charakter lebt und überlebt. Das Wohlfühlklima der Bad Vilbeler Burgfestspiele stärkt sie auch für eine ganz andere Herausforderung: die Hilfe für notleidende Südtiroler Bergbauern.
Für April Hailer ist die Treppe in der Burg auch ein Symbol für das Auf und Ab im Leben, dem Thema ihres Musicals „Sunset Boulevard“. Für April Hailer ist die Treppe in der Burg auch ein Symbol für das Auf und Ab im Leben, dem Thema ihres Musicals „Sunset Boulevard“.
Bad Vilbel. 

Für die Zuschauer ist es nur ein überzeugender Moment, aber für einen Schauspieler bedeutet es intensive Vorbereitung und höchste Konzentration. Die Gestik und Mimik, die in ein Zittern der Hand mündet oder in ein Weinen, das will hart erarbeitet sein, erzählt Schauspielerin April Hailer im Burg-Palas. Da trennten sich auch die Kollegen in Spreu und Weizen.

Andrea Pagani, ihr Kollege, der in „Sunset Boulevard“ den untergetauchten Joe, das Liebesobjekt der Norma Desmond, spielt, ist „ein absolut verlässlicher Partner, in seinen Augen sehe ich fachliche Unterstützung, kein Ego-Problem“, betont sie. Aber sie hat schon mit Schauspielern zusammengearbeitet, die haben die sensiblen Bühnen-Momente einfach geklaut. Abgekupfert von anderen Auftritten, weil das „cool“ sei, aber am Ende merke das Publikum, wenn etwas weniger authentisch sei.

Hier gibt’s Karten

„Sunset Boulevard“ ist noch neun Mal bei den Burgfestspielen zu sehen, das nächste Mal am Samstag, 19. August, 20.15 Uhr. Karten gibt es im Kartenbüro, Klaus-Havenstein-Weg 1, Telefon (0 61 01)

clearing

Den Bad Vilbeler Zuschauern gefallen „Sunset“ und die dominante Hauptdarstellerin offenbar sehr. Nicht nur, dass das große Musical in der Wasserburg über weite Strecken als Kammerspiel funktioniert, „da kann man eine Stecknadel fallen hören“, auch die zeitlosen Motive des Stückes kommen an. Da gehe es um ums Altern, um die Frage, was Liebe eigentlich ist, aber vor allem um eine Grauzone: „Wo hört die Hingabe auf, wo fängt die Selbstaufgabe an?“

Treppe ist ein Symbol

Die enge Beziehung von Norma zu ihrem früheren Regisseur, Ehemann und Butler Max lässt sich auch auf das Beziehungsgeflecht pflegender Angehöriger übertragen. Vor allem Frauen haben sie nach den Vorstellungen angesprochen, erzählt Hailer. Sie seien begeistert, aber auch ergriffen gewesen: „Wir verstehen Sie so gut.“ Doch dieses Lob ist eine Medaille mit zwei Seiten. Damit Hailer ihre Norma so lebendig darstellen kann, muss sie selbst jedes Mal neu in deren psychische Tiefen hinabsteigen. Die große Hollywood-Showtreppe auf der Bühne ist ein Symbol für die Auf- und Abgänge des Lebens.

Immerhin 25 Vorstellungen sind zu absolvieren. Dafür hat Hailer in 35 Berufsjahren schauspielerisches Handwerk angehäuft, auch werden die Abläufe, die Auf- und Abgänge in den engen Gängen oberhalb der Bühne, das Umziehen, zur Routine. Doch die Momente auf der Bühne sind jeden Abend neu zu gestalten: der Schmerz etwa. „Das ist eine Frage der Konzentration“, sagt Hailer. „Man muss sich fokussieren, wie bei Meditation.“

Nach den Proben beginnt die eigentliche Feinarbeit an ihrer Rolle, schildert April Hailer. Die Premiere ist „nicht unbedingt die beste Vorstellung“. Danach werden die Auftritte selbstverständlicher, auch was das Drumherum angeht: Umzüge, technische Abläufe. Der Fokus kann also noch mehr auf dem Spiel liegen. „Das wird im Idealfall differenzierter, dichter, es ’tanzt’“.

Das Bild der Inszenierung wird im Lauf der Zeit viel schärfer, detailgetreuer, intensiver, aber es bleibt dasselbe Motiv, derselbe fiktive Ausschnitt. „Die Figuren entwickeln sich dabei nicht aus dem Konstrukt des Stück hinaus, haben im Lauf der Zeit keine anderen Charaktereigenschaften, kein Mehr an Information“, so Hailer. Negative Tendenzen könnten also auch entstehen: „Man wird ungenau, spult ab oder neigt dazu, im Lauf der Zeit alles in eine Figur zu legen, was man sonst noch so ,drauf hat’“. Dadurch verwischten die Konturen der Charaktere. Deshalb gibt es bei lange laufenden Stücken immer wieder Korrekturen seitens der Regie.

Und immer bleibt etwas zurück, denn „die Psyche weiß nicht, ob dieses Gefühl des Schmerzes nur gespielt oder wirklich empfunden wird.“ Ganz so dramatisch wird Hailers nächster Auftritt nicht, sie wird in Duisburg im Musical „Addams Family“ die Verwandlung einer biederen Hausfrau in einen Vamp darstellen.

Familie ist Heimat

Und dann gibt es noch eine Anfrage des „sehr schönen“ Landestheaters Linz für „Betty Blue Eyes“, die Musical-Version der skurrilen Filmkomödie „Magere Zeiten“. Hailer mag den britischen Humor des Dramatikers Alan Bennett, aber sie kennt auch die Wirklichkeit. Dass es in Familien Suchtprobleme gibt, etwa. Oder auch, dass die Südtiroler Bergbauernwelt weit entfernt von einer Idylle ist. Direkt nach der Burgfestspielsaison geht sie für die Hilfsorganisation „Bergbauern in Not“ als Helferin auf die Höfe, um ausgefallene Familienmitglieder zu ersetzen: „Da heißt es um 5 Uhr aufstehen und anpacken“, weiß sie.

Dafür könne sie sich jetzt in Bad Vilbel stärken, „diese Stadt tut mir sehr gut“, lobt sie. Es sei eine Kleinstadt mit „wohltuendem bürgerlichem Selbstverständnis, wo die Bürger ein Interesse daran haben, dass es läuft und lebenswert ist“.

„Mein Beruf ist auch Leidenschaft“, betont Hailer, doch die hat einen Preis: das ständige Unterwegssein. „Da bleibt eine Frage offen: Wo gehör’ ich hin?“, sagt die Schauspielerin, die in Köln eine Wohnung auf Höhe eines Kastanienbaums hat – „das ist mein Vogelnest“. Heimat bedeutet für sie das soziale Miteinander, „der Umgang mit meiner Familie ist mir sehr wichtig“. Sie wisse nicht, ob sie jemals ein Haus haben werde – und eine berufliche Auszeit ist auch nicht geplant.

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