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Inszenierung von „Der Name der Rose“: Provokante Reise in den Irrsinn

Von Dass nicht alle Stücke bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen leicht verdauliche und gefällige Kost sind, dürfte den meisten Besuchern bekannt sein. Doch was Regisseur Malte Kreutzfeld mit dem „Namen der Rose“ im historischen Burg-Rund abliefert, dürfte zu den provokantesten Inszenierungen gehören, die dort jemals gezeigt wurden. Aber vielleicht auch zu den besten, wenn man hart im Nehmen ist.
Wie soll man Wahnsinn begegnen? William von Baskerville (Thomas Dehler, sitzend) und sein Adlatus Adson (Oliver Seidel, rechts) sind in einem Labyrinth aus religiösem Eifer und Fanatismus gefangen, bei dem selbst für Mönche Mord ein Mittel zum Zweck sein kann. Regisseur Malte Kreuzfeldt hat „Der Name der Rose“ in einen visionären Rausch verwandelt. Bilder > Wie soll man Wahnsinn begegnen? William von Baskerville (Thomas Dehler, sitzend) und sein Adlatus Adson (Oliver Seidel, rechts) sind in einem Labyrinth aus religiösem Eifer und Fanatismus gefangen, bei dem selbst für Mönche Mord ein Mittel zum Zweck sein kann. Regisseur Malte Kreuzfeldt hat „Der Name der Rose“ in einen visionären Rausch verwandelt.
Bad Vilbel. 

Als sich die Schauspieler nach dem letzten Satz des Stückes „Der Name der Rose“ auf der Bühne versammeln, ist es still im Publikum. Aber nur ganz kurz. Dann gibt es tosenden Beifall und „Bravo!“-Rufe für die zurückliegenden rund zwei Stunden Spielzeit. Und für die Leistungen der Schauspieler, die bis in ihr Äußerstes gegangen sind und eine Leistung bieten, die sie selbst an die Grenzen der gesundheitlichen Gefährdung führt.

Ein visionärer Rausch

Bei dieser Inszenierung von unartig zu sprechen, kommt einer Untertreibung gleich. Regisseur Malte Kreutzfeldt schafft eine Welt des düstersten Mittelalters und gleichzeitig eine dystopische Gesellschaft voller Sünden und den Verlockungen, ihnen nachzugeben. Verblendeter und apokalyptischer Katholizismus trifft dabei auf die ersten zarten Blüten der Aufklärung.

Zum Weltbestseller aus der Feder des 2016 verstorbenen Literatur-Genies Umberto Eco noch etwas zu sagen, ist müßig. Nicht nur beim Buch, spätestens beim Film taucht der Konsument in eine farbenprächtige mittelalterliche Welt ein, deren Widersätze nicht zu übersehen sind. Doch wie packt man die Ermittlungen des Franziskaner-Mönches William von Baskerville und seines Adlatus Adson von Melk – gespielt von Thomas Dehler und Oliver Seidel – in einem Benediktiner-Kloster im italienischen Bergland auf eine Bühne?

Kreutzfeldt geht neue Wege – und mutet den Darstellern viel zu. Denn die bewegen sich fast ausschließlich auf einer Schräge. Nicht das einzige, das nicht im Lot erscheint im Kloster. Morde werden verübt, der Antichrist geht um. „Die Angst ist die gütigste aller Gaben, das Lachen eine Sünde“, bringt der blinde Mönch Jorge (Heinrich Cuipers) die Stimmung des Stückes auf einen Punkt.

Zusammenhängende Szenen reißt Kreutzfeldt räumlich auseinander, um das innere Empfinden seiner Protagonisten in den Fokus zu rücken. Und so den Kern der Geschichte in den Mittelpunkt zu stellen. So hört man William von Baskerville im Hintergrund mit seinem Adlatus Adson sprechen, während der sich im Fokus der Bühne in einem visionären Rausch – nicht nur mit der Rose (Alice von Lindenau) – befindet, die an Bilder von Hieronymus Bosch erinnern.

Ritualisierte Morde

Schon an dieser Szene wird ersichtlich, wie sehr sich die Schauspieler auf ihren Auftritt vorbereitet haben. Kreutzfeldt arbeitet mit eindrucksvollen Metaphern und setzt diese auf der Bühne, die mit wenigen Hilfsmitteln auskommt, in starken Bildern um. Der Fokus des Besuchers wechselt oft im Sekundentakt, um das Stakkato der bildlichen Vergleiche von Sündenfall, Loslösung und Verfall zu verfolgen.

19 Mal bis 4. September

„Der Name der Rose“ ist bereits am heutigen Montag um 20.15 Uhr erneut zu sehen und läuft bis zum 4. September noch insgesamt 19 Mal. Karten kosten zwischen 25,80 und 39,80 Euro, ermäßigt gibt

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Die Akteure erscheinen nackt, liegen minutenlang in Dreck und Schlamm und spiegeln so die hintersinnige Zeichenmystik von Umberto Eco wider. Es wird gespuckt und gekämpft, Morde werden ritualisiert, sexuelle Begierden auf der Bühne bis zum Rande der Konventionen eines bunt durchsetzten Publikums ausgelebt.

Wahnsinn, religiöser Eifer, Todesangst, Fanatismus, kirchlicher Prunk, sexuelles Verlangen – und dazwischen William von Baskerville, der versucht, hinter die starren Fassaden jener Abtei zu kommen, die ein großes Geheimnis hütet: Regisseur Malte Kreutzfeldt bildet ein Labyrinth der menschlichen Irrungen und Wirrungen ab, dem sich der Zuschauer schwer entziehen kann.

Das Stück weicht weit von bisherigen Inszenierungen historischer Werke ab. Doch gerade das macht es spannend. Auch wenn einige Besucher sich sicherlich das klassische Detektivspiel des Sean Connery aus dem Film gewünscht hätten, ist das hier Präsentierte ein Stück, für das man den Mut der Verantwortlichen loben muss.

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