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Astrid Lindgrens Klassiker: Pippi Langstrumpf begeistert bei den Burgfestspielen

Von 1945 erstmals erschienen, bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen nun erfrischend leicht inszeniert: Mit Pippi Langstrumpf hat am Sonntag ein Klassiker Premiere gefeiert und dem Untertitel „Familientheater“ dabei besondere Ehre gemacht.
Armdrücken mit Kapitän Langstrumpf (Martin Bringmann): Pippi (Laura Bleimund) lässt die Muskeln spielen. Bilder > Armdrücken mit Kapitän Langstrumpf (Martin Bringmann): Pippi (Laura Bleimund) lässt die Muskeln spielen.
Bad Vilbel. 

Schon das Bühnenbild macht Eindruck. „Die Treppe ist ja ganz bunt“, stellt die grinsende Louisa (4) auf den ersten Blick fest und fängt an zu kichern. „Orange, grün, blau, rot, weiß. Warum ist das so?“ Die zwei Mädchen in der Reihe hinter ihr haben sofort eine Antwort parat: Immerhin handelt es sich um die Villa Kunterbunt – das Zuhause von Pippi Langstrumpf, fantasievoll auf die Bad Vilbeler Bühne gebracht: mit neongelbem Holzgestell, in dem es sich hervorragend turnen lässt, mit Rutschen, Treppen und Leitern. Und das Beste: Das kunterbunte Haus ist noch dazu drehbar, was den Spaßfaktor für Zuschauer noch erhöht.

Das Bühnenbild von Claus Stump, der in diesem Jahr auch die Gestaltung von „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ übernommen hat, wird damit zur gelungenen Kulisse für einen Frechdachs, der trotz seines Alters – 1945 hat Astrid Lindgren ihre Geschichte erstmals veröffentlicht – auch heute noch passt: Pippi Langstrumpf, fabelhaft gespielt von Laura Bleimund, die dem Lindgren-Klassiker mit kindlicher Freude am Tollen und einem frechen, ansteckenden Grinsen einen ganz modernen Anstrich verpasst.

Nächste Vorstellung schon am Dienstag

Die nächsten Auftritte von Pippi Langstrumpf sind morgen (Dienstag) und Mittwoch sowie am 24. und 25. Mai (Donnerstag und Freitag), Beginn jeweils um 10 Uhr, am Freitag zusätzlich um 15 Uhr.

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Dass die Geschichte des Mädchens, die mit gerade einmal neun Jahren in die Villa Kunterbunt einzieht, so bekannt ist, macht das Stück nicht nur zum bislang beliebtesten Kinderstück der diesjährigen Festspiele.

Sondern macht es auch für alle Altersklassen geeignet. So summt die vierjährige Louisa bei der Premiere begeistert, doch zögerlich die bekannten Lieder mit, während die beiden Freundinnen hinter ihr, neun und zehn Jahre alt und damit quasi in Pippis Jahrgang, ganze Sätze mitsprechen. „Ich bin schon so gespannt, wie wohl Pippi aussehen wird“, sagen sie vor der Vorstellung fachmännisch. „Hoffentlich nicht so doof wie bei den typischen Faschingskostümen.“

Weder die Kostüme noch die Umsetzung zweier wichtiger, wenn auch verzwickter Nebenrollen enttäuschen bei der Inszenierung von Regisseurin Kirsten Uttendorf nicht: Gerade der Umgang mit dem Äffchen Herr Nielson und Pferd Kleiner Onkel ist toll gelöst. So ist es die Interaktion mit dem Menschen, der Kuscheltiere und bunt bemaltem Papp-Pferd Leben einhaucht.

Im Kanon gesungen

Leben eingehaucht wird übrigens auch dem Publikum: Wenn etwa schon beim ersten Erklingen der charakteristischen Titelmelodie alle anfangen zu klatschen oder beim vom Lehrer angestimmten „Froh zu sein bedarf es wenig“ schließlich Publikum und Pippi im Kanon singen. Nicht zu vergessen das empörte Raunen, als Frau Prysselius (Britta Hübel), die Pippi lieber heute als morgen im Kinderheim sehen würde, beim Kaffeekränzchen streng sagt: „Kleine Kinder soll man sehen, aber nicht hören.“ Und auch in zum Teil ein wenig ins Alberne abdriftenden Szenen, wenn etwa die beiden Ganoven Blom (John Wesley Zielmann) und Donner-Karlsson (Felix Lampert) hinter Pippis Goldschatz her sind oder das freche Mädchen den starken Adolf (Martin Bringmann) besiegt, halten sich nicht nur die jüngeren Zuschauer den Bauch vor Lachen.

Dabei ist es gerade Pippis ungestüme Art, die bei der Premiere nicht nur zum Lachen bringt, sondern gleichsam auch zum Nachdenken anregt. „Erziehen, wie du zu sein hast“? Dieses Angebot lehnt sie dankend ab – und hangelt sich lieber, geleitet von ihren kindlichen Gefühlen, durchs Leben.

Gemeinsame Erlebnisse

Dass die Freundschaft dabei ein hohes Gut ist, lehren sie auf heitere Art und Weise Annika (Alice von Lindenau) und Tommy (Alexander Tröger). Letztlich ist es nicht nur die Villa Kunterbunt an sich, sondern die gemeinsamen Erlebnisse der Freunde in dem Haus, die die vielleicht wichtigste Nachricht des über zweistündigen Theater-Vergnügens transportieren: „Es ist das Beste für ein Kind, ein Zuhause zu haben“, spürt Pippi am Ende, „eine Villa Kunterbunt eben“.

Das nehmen an diesem Sonntag sicherlich alle mit – von den begleitenden Großeltern der Generation des 1945 erschienen Klassikers bis hin zu den vielen Mädchen in Pippis Alter. Das zeigt nicht zuletzt das Summen, das Louisa auch noch beim Rausgehen – nach langem und donnerndem Applaus für das Ensemble – begleitet: „Ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt…“

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