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RMV plant Ausbau der Strecke: Niddertalbahn soll bald elektrisch fahren

Von Mit der S-Bahn-Linie S6 alle halbe Stunde von Frankfurt nach Stockheim? Das könnte 2028 Realität sein. In einer Machbarkeitsstudie klopft der Rhein-Main-Verkehrsverbund die Zukunftsperspektiven für die Niddertalbahn ab. Die zentrale Investition dafür sieht der RMV schon als ausgemacht an.
Ein Zug der Niddertalbahn zwischen Ober- und Niederdorfelden: Ab 2028 sollen die Bahnen unter Oberleitung statt mit Diesel fahren. Diesem Ziel der Kommunen schließt sich der Rhein-Main-Verkehrsverbund an. Nächstes Jahr soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen. Ein Zug der Niddertalbahn zwischen Ober- und Niederdorfelden: Ab 2028 sollen die Bahnen unter Oberleitung statt mit Diesel fahren. Diesem Ziel der Kommunen schließt sich der Rhein-Main-Verkehrsverbund an. Nächstes Jahr soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen.
Bad Vilbel. 

Das Unmögliche müsse man fordern, um das Mögliche zu erreichen. Ein gutes Jahr ist es her, dass Matthias Zach (Grüne), Verkehrsdezernent im Main-Kinzig-Kreis und ehemaliger Bürgermeister von Niederdorfelden, mit dieser Beinahe-Entschuldigung die Elektrifizierung der Niddertalbahn forderte. Das Unmögliche scheint nun möglich zu werden.

„Wir wollen die Niddertalbahn elektrifizieren“, sagt RMV-Geschäftsführer André Kavai bei einem Gespräch in der Bad Vilbeler FNP-Redaktion. „Das ist die beste Lösung.“ Sie sei nicht nur umweltfreundlicher, sondern ermögliche auch einen wirtschaftlicheren Verkehr. „Wünschenswert“ sei, dass die Oberleitung bis zum Beginn des nächsten Verkehrsvertrages hängt. Das ist 2028 soweit: Bis dahin gilt der aktuelle Vertrag mit der Deutschen Bahn.

Erläutern die Pläne für die Niddertalbahn (von rechts): André Kavai, Peter Forst und Maximilian Meyer vom RMV im Gespräch mit Deliah Eckhardt und Dennis Pfeiffer-Goldmann in der Bad Vilbeler Redaktion der Frankfurter Neuen Presse.
Ausbau: Es geht um Minuten

Mit „kleinen, intelligenten Einzellösungen“ will der RMV die Niddertalbahn ausbauen. In der aktuellen Machbarkeitsstudie wird demnach geprüft, ob weitere Kreuzungsbahnhöfe helfen, schnellere

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Dessen Zustandekommen war für den Verkehrsverbund ein dunkler Moment. Denn auf die Ausschreibung für den Verkehr auf der Strecke von Stockheim über Altenstadt, Nidderau, Schöneck, Niederdorfelden und Bad Vilbel bis Frankfurt blieb 2010 der Briefkasten leer: Kein Eisenbahnunternehmen wollte den teuren Inselbetrieb mit Dieseltriebwagen und vier Doppelstockzügen samt Dieselloks übernehmen. Erst nach Zugeständnissen des RMV, etwa dass die Triebwagen gebraucht sein durften, sagte die Bahn Ja.

Der Betrieb der Strecke ist dennoch enorm teuer. „Die Doppelstockgarnituren stehen 22 Stunden am Tag herum“, seufzt Peter Forst, Planer beim RMV.

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Die Weichen stellen

Die Politiker aus dem Niddertal können dies als Erfolg verbuchen: Der Rhein-Main-Verkehrsverbund stellt sich an ihre Spitze, um den Ausbau des Stockheimer Lieschens möglich zu machen.

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Doch gehe es nicht ohne sie, da die Kapazität morgens und nachmittags in der Stoßzeit gebraucht werde. Immerhin seien so viele Menschen auf der Strecke zwischen dem Niddertal und Frankfurt unterwegs wie innerhalb des Niddertals. Die Züge nutzen mehr als 6000 Fahrgäste tagtäglich.

S6-Ausbau vorher nötig

Nicht nur aus finanziellen Gründen sucht der RMV mit einer Machbarkeitsstudie nach Alternativen. Die Arbeit hat nun begonnen, 2017 soll es Ergebnisse geben, kündigt André Kavai an. Gefordert haben diese Studie die Niddertal-Anrainer und die beiden Kreise. Die Straßen in der Region könnten das Wachstum in den nächsten Dekaden nicht verkraften, hatten Politiker von Bad Vilbel bis Glauburg von CDU über SPD bis Grüne unisono im vergangenen Jahr gewarnt (die FNP berichtete). Nur das Stockheimer Lieschen könne die Region retten.

Regionalbahn? S-Bahn? U-Bahn?

In der Machbarkeitsstudie überprüft der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ganz konkret drei Optionen für den künftigen Betrieb auf der Niddertalbahn.

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Mit drei bis dreieinhalb Prozent Nachfragewachstum pro Jahr kalkulieren die Planer – entsprechend der erwarteten Bevölkerungsentwicklung. „Aus Frankfurt kommt ja das klare Signal, dass die Stadt das Wachstum nicht alleine bewältigen kann und deshalb die Region mitziehen muss“, erinnert Peter Forst. Im Umland gebe es die größten Wachstumsmöglichkeiten nordöstlich der Metropole, erinnert RMV-Sprecher Maximilan Meyer. Eben im Einzugsgebiet der Niddertalbahn.

Obwohl diese mit 31 Kilometern überschaubar kurz ist, ist ein besseres Angebot auf der Strecke dennoch nicht einfach hinzubekommen. „Der Ausbau der S-Bahn zwischen Frankfurt und Bad Vilbel ist dafür zwingend notwendig“, mahnt André Kavai. Sonst fehlten auf diesem Abschnitt schlicht die Kapazitäten.

Bis 2022 will das Land auf diesem Abschnitt zwei eigene Gleise für die S6 fertig haben. Doch Anwohner aus Frankfurt klagen bereits zum zweiten Mal gegen das Projekt.

Der Zeitplan bis 2028

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie Niddertalbahn will der RMV 2017 vorlegen. Dann soll die Region zwei Jahre Zeit haben, um zu diskutieren, bevor 2019 die Entscheidung fällt.

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Einfach wird es auch im Niddertal selbst nicht. „Die Infrastruktur legt enge Barrieren auf“, sagt Planer Forst. Durch die Topografie und die Kreuzungsbahnhöfe seien heutige Fahrzeiten faktisch vorgeben.

Die Machbarkeitsstudie untersucht deshalb, welche baulichen Erweiterungen nötig sind. „Ein Komplettausbau auf zwei Gleise ist ein Luftschlösschen“, bremst RMV-Chef Kavai die Euphorie. Für die Maximalwünsche Fördermittel des Bundes zu erhalten – er finanziert voraussichtlich drei Viertel des Ausbaus –, sei illusorisch.

Deshalb fokussieren die Planer auf viele „kleine, intelligente Einzellösungen“, sagt Planer Forst (siehe „Ausbau: Es geht um Minuten“). In der Studie werden die Varianten konkret anhand möglicher Fahrplänen analysiert. Neben den weiter nötigen Verstärkerzügen für die Pendler spielen die Planer drei Basisangebote durch: mit Regionalzügen, als S-Bahn oder als U-Bahn mit Zweisystemfahrzeugen (siehe „Regionalbahn? S-Bahn? U-Bahn?“). „Ergebnisoffen“ werde das geprüft, sagt André Kavai. Doch steht für die Planer schon so gut wie außer Frage, dass sich die Elektrifizierung rechnen wird.

Nicht nur sei die Oberleitung für Nebenstrecke in Rhein-Main ohnehin eine Vorgabe des Nahverkehrsplans, erinnert der RMV-Geschäftsführer. Gerade steht ein vergleichbares Projekt zur Realisierung an: die Elektrifizierung der Taunusbahn, damit die S5 nach Usingen verlängert werden kann.

Kosten sollen stark sinken

Vor allem erhofft sich der RMV durch den Fahrdraht im Niddertal langfristig erheblich sinkende Kosten bei den Verkehrsverträgen. Seit 2012 zahlen RMV, Wetterau- und Main-Kinzig-Kreis jährlich 1,7 Millionen Euro allein für Abend- und Wochenendverkehr sowie den Stundentakt nach Frankfurt. Plus 1,5 Prozent jedes Jahr.

Mit Oberleitung sei es möglich, dass Betreiber künftig Triebzüge, Loks und Wagen flexibel auch auf anderen Strecken einsetzen können, erklärt Planer Forst. Eisenbahnfirmen könnten Fahrzeuge von der Stange nutzen, etwa Doppelstock-Elektrotriebzüge. „Dann wird der Fahrzeugeinsatz erheblich wirtschaftlicher“, ist André Kavai überzeugt. Was die Preise der Angebote merklich drücken dürfte. Beziehungsweise: Was dafür sorgen soll, dass das Stockheimer Lieschen bei der nächsten Ausschreibung nicht erneut komplett den Anschluss verpasst.

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