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Geschichtsverein: Neuer Heimatblätter-Band rekonstruiert Lebensweg des Juden Siegfried Wechsler

Von Sehr informativ, gut lesbar und mit historischen Fotos sowie aussagekräftigen Dokumenten versehen ist die Recherche über den Lebensweg des „Vilbeler Bürgers und Mineralbrunnenbesitzers“ Siegfried Wechsler (1892 – 1942). Stefan Kunz hat sie nun als Band 55 der vom örtlichen Geschichtsverein herausgegebenen „Bad Vilbeler Heimatblätter“ veröffentlicht.
Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann und Autor Stefan Kunz stellen den neusten Band der „Bad Vilbeler Heimatblätter“ vor. Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann und Autor Stefan Kunz stellen den neusten Band der „Bad Vilbeler Heimatblätter“ vor.
Bad Vilbel. 

Stefan Kunz ist Getränke-Ingenieur und bei Hassia Mineralquellen beschäftigt. Ausschlag für seine Berufswahl könnte sein bereits als Jugendlicher aufkeimendes Interesse für die Geschichte seiner Heimatstadt gewesen sein, die bekanntlich sehr von der Brunnenindustrie geprägt ist.

Die Geschichte der Siegfried-Quelle und die ihres Gründers Siegfried Wechsler ist eine ganz besondere. Wechsler war Jude und kam als Opfer der mörderischen nationalsozialistischen Rassenpolitik ums Leben. Für seine Recherche sichtete Kunz seit 2013 die Bestände des Stadtarchivs sowie die der hessischen Staatsarchive. Er wertete Akten der Devisenstelle und der Gerichtsverfahren zur „Wiedergutmachung“ aus und ging Hinweisen nach, die aus dem Umkreis der Familie Wechsler kamen.

Sohn eines Bäckers

Der 1892 geborene Siegfried Wechsler nahm als deutscher Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Danach arbeitete der gelernte Kaufmann im Betrieb seines Vaters, der als „Gebr. Wechsler – Bäckerei, Mehl und Landesprodukte“ in der Frankfurter Straße 20 und 55 firmierte. 1928 meldete er als zusätzliches Gewerbe einen Mineralbrunnenbetrieb an und bohrte auf seinem Grundstück einen Brunnen. Er lässt den Namen Siegfried-Quelle schützen und fügt ihm eine Bildmarke hinzu, die den Nibelungenhelden Siegfried im Kampf mit einem Drachen zeigt. Diese Bildmarke musste später geändert werden, da ein Jude nicht mit einem germanischen Symbol werben sollte.

Detailliert beschreibt der Autor die Plünderungen und Zerstörungen während der Pogromnacht am 10. November 1938. Auch in der Quellenstadt überfiel ein mit Knüppeln und Äxten bewaffneter Mob die Synagoge und die Geschäfte und Wohnungen der jüdischen Nachbarn. Simon Wechsler, der damals bereits 82-jährige Vater von Siegfried, rief aus dem Fenster vergebens um Hilfe.

Im KZ gestorben

Er und seine Frau Betty werden später von Angehörigen stöhnend und verletzt auf dem Boden liegend aufgefunden. Simon Wechsler starb knapp drei Wochen später. Betty Wechsler wurde ins Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort an den Folgen der brutalen Haftbedingungen.

Nicht rekonstruieren konnte Kunz Zeitpunkt und Umstände des Todes von Siegfried Wechsler und dessen Ehefrau Henny. Sie wurden vermutlich im Sommer 1942 von Frankfurt aus in die Vernichtungslager im Osten deportiert und ermordet – er wahrscheinlich in Majdanek, sie in Sobibor.

 

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