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Wiedereröffnung: Neue Chance fürs Jugendhaus Hubertus im Wald

Seit fünf Monaten steht das Kreisjugendheim Hubertus in Butzbach leer. Was soll mit dem drei Hektar großen Areal geschehen? Die Kreisverwaltung warnt vor den Kosten einer Wiedereröffnung. Die sollte man trotzdem anstreben, beschloss der Jugendhilfeausschuss. Und entwickelte Ideen.
Seit fünf Monaten steht das Kreisjugendheim Hubertus leer. Das wollen Politiker und Verbände ändern. Seit fünf Monaten steht das Kreisjugendheim Hubertus leer. Das wollen Politiker und Verbände ändern.
Butzbach. 

Die Wetterauer Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) fehlte beim Ortstermin, also besichtigten mehr als 30 Politiker und Vertreter von Jugend-Verbänden das traditionsreiche Haus im großen Wald zwischen den Butzbacher Stadtteilen Münster und Bodenrod ohne die Landratskandidatin. Viele von ihnen waren überrascht, wie gut das 1949 eröffnete und 1989 erweiterte Landschulheim noch aussieht. „Es funktioniert zu 100 Prozent – alles tiptop“, sagte der für die Immobilie zuständige Mitarbeiter der Kreisverwaltung.

Das hat Folgen. Jetzt will nicht nur Wolfgang Dittrich vom Referat für Gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirche das Jugendheim wieder öffnen. Er hatte im November den Ausschuss eingeschaltet, um das in Vergessenheit geratene Jugendheim zu retten. Hubertus müsse wieder für die Jugendarbeit genutzt werden, beschloss vor wenigen Tagen auch der 25-köpfige Jugendhilfe-Ausschuss bei zwei Enthaltungen und sechs Gegenstimmen. Die Sozialdezernentin bekam den Auftrag, beim Staatlichen Schulamt und Jugendverbänden zu erforschen, ob und welcher Bedarf an Jugendfreizeiten im Wald besteht.

Flüchtlinge untergebracht

Falls die Kreisverwaltung einen Käufer für das Heim hat, muss der zuvor sein Betreiber-Konzept vorlegen. Und möglichst bald will der Ausschuss erkunden, wie der Kreis Groß-Gerau sein Landschulheim in Ober-Seemen so erfolgreich gemacht hat. Es ist etwa doppelt so groß wie Hubertus und häufig ausgebucht. Der SPD-Landrat Herbert Rüfer hatte vor knapp 30 Jahren die millionenschwere Erweiterung des ehemaligen Jagd- und Gasthauses für Jugendfreizeiten durchgesetzt. Bis 2015 kamen Gruppen, zuletzt waren es rund 8300 Übernachtungen pro Jahr.

Danach brachte der Kreis minderjährige Flüchtlinge in den mehr als 80 Betten von Hubertus unter. Eine halbe Million Euro hatte der Kreis für Brandschutz und anderes investiert. Seit September 2017 steht das Haus leer, und im November ließen die Chefs im Landratsamt auf Anfrage kein Interesse erkennen, Hubertus wieder für Jugendgruppen zu öffnen.

Der Betrieb von Hubertus koste etwa 250 000 Euro im Jahr, heißt es in einem Faktenpapier aus der Kreisverwaltung. Zusätzlich würde eine Wiederinbetriebnahme rund 400 000 Euro kosten. Weiteres Geld würde gebraucht, um die sechs veralteten Nurdachhäuser abzureißen und die verbleibenden Zimmer mit eigenen Nasszellen auszustatten.

Eine Begegnungsstätte

Jugendarbeit koste immer Geld, konterte beim Ortstermin Tatjana Brüggemann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Der Kreis könne dafür Zuschussgeber suchen. Er müsste sich nach Kooperationspartnern umsehen, meinte der Antragsteller Wolfgang Dittrich. An einem Jugendhaus zur naturkundlichen Bildung hätten zum Beispiel auch der Naturschutzbund und der Staatsbetrieb Hessenforst großes Interesse. Reimund Becker (SPD) meinte: Eventuell könnte eine Beschäftigungsgesellschaft einsteigen. Auch Erwachsenenbildung könne man auf Hubertus betreiben. „Vielleicht wird das Haus auch eine Familienbildungsstätte.“ Der Wetteraukreis müsse nicht unbedingt der Betreiber sein.

Im Nachhinein sei es ein Fehler gewesen, dass sich der Wetteraukreis von seinen Jugendhäusern im österreichischen Leogang und am Hoherodskopf getrennt habe. Letzteres muss von Grundschulklassen mittlerweile zwei Jahre im Voraus gebucht werden, erzählte der Polizei-Vertreter und Vater Wolfgang Schulz.

„Ich würde das Haus zu einer internationalen Begegnungsstätte machen“, sagte Bernd Vogeler vom Gesamtpersonalrat des Staatlichen Schulamtes. Der Lehrer glaubt, dass vor allem Grundschulklassen ein paar Tage auf Hubertus verbringen könnten. Auf jeden Fall sei es zu schade, das Haus einfach dichtzumachen.

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