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Chorlieder, afrikanische Rhythmen und Schlager zum Mitsingen: Musik kennt keine Grenzen: Bühne der Kulturen lockt Hunderte

Von Partystimmung auf dem Niddaplatz verbreitet die Bühne der Kulturen. Von traditionellen vietnamesischen Tänzen bis zu afrikanischen Rhythmen, vom Schüler-Musical bis zum Breakdance von Flüchtlingen und obendrauf Hans Albers’ „Reeperbahn“ ist für alle Generationen etwas zum Mitsingen dabei.
Bühne der Kulturen: Das Duo Basnko aus Gambia und Senegal unterhält mit traditionellen afrikanischen Rhythmen Foto: Dieter Deul Bühne der Kulturen: Das Duo Basnko aus Gambia und Senegal unterhält mit traditionellen afrikanischen Rhythmen
Bad Vilbel. 

Erst zum zweiten Mal gibt es dieses Jahr die Bühne der Kulturen auf dem Niddaplatz, doch scheint es, als gehöre sie schon immer zum Quellenfest dazu. Während des sechsstündigen Programms gibt es auf den Sitzbänken nahezu keine freien Plätze, obwohl das Programm unterschiedlicher kaum sein könnte. Doch eines verbindet – die befreiende, belebende Kraft der Musik, die in allen Auftritten zu spüren ist.

Im Auftritt des Bad Vilbeler Chores Zwischentöne ebenso wie in den in kräftigen roten Gewändern zelebrierten formvollendeten traditionellen Tänzen des Vietnamesischen Kulturvereins Rhein-Main und – ganz anders – im Breakdance, den der syrische Flüchtling Hassan Nazeri auch in einem Kurs der Christuskirchengemeinde unterrichtet. Nazeri und seine Freunde freuen sich aber nicht nur über ihren eigenen Auftritt, sondern klatschen kräftig mit, als später Tom Jet zum „Rudel-Sing-Sang“ einlädt und neben Volksliedern auch Heavy Metal-Songs anschlägt.

Blick auf die Welt

Auf etwa 400 bis 500 Menschen schätzt Erika Roßner vom Stadtmarketing die Zuschauermenge – das seien deutlich mehr als im vergangenen Jahr mit kühlerem Wetter. Diesmal aber herrscht auf dem Platz eine richtige Partystimmung. Ursprünglich, so Roßner, war die Idee, mit dieser zusätzlichen Bühne auch den Bad Vilbeler Vereinen eine Plattform zu bieten. Aber der Blick sollte auf die ganze Welt geweitet werden, nicht nur mit den Flüchtlingen. Diesmal kommen Töne aus Afrika und Cuba hinzu. Die Gruppe Banko aus Gambia und dem Senegal lässt aufhorchen durch melodische Rhythmen traditioneller afrikanischen Musik.

Extra: 170 Mitglieder

Der Flüchtlingshilfe-Verein in Bad Vilbel wurde im Herbst 2015 gegründet und zählte im März 2016 über 170 Mitglieder. Aktuell leben in Bad Vilbel 450 Flüchtlinge und Asylsuchende.

clearing

Die Schüler der Europäischen Schule stellen ihre Musical-Inszenierung von „Grease“ vor, wobei sie das Stück als rasante Unterhaltungs-Show zeigen. Die Tanzschule Bäppler-Wolf lässt neben den Tanzgruppen auch Profis im Partnertanz auftreten, deren ebenso rasche wie elegante Schrittfolgen das Publikum beeindrucken. Umgekehrt packt es Tom Jet an. Der Alleinunterhalter und sein Partner Dieter Schmidt am Bass machen ihr Publikum selbst zum Star. Eigentlich reist der gebürtige Offenbacher Tom Jeutter 15 Mal im Monat quer durch das Rhein-Main-Gebiet mit seinem „Rudel-Sing-Sang“ – Mitsingabende ohne Angst vor falschen Tönen.

Jet hat seiner einiger Zeit auch viele Vilbeler Fans für seine Auftritte im Haus der Begegnung. Auf den Plätzen liegen Liedtextblätter aus, denn Jet duldet alles – nur nicht den stillschweigenden Musikgenuss. Vom Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen“, das schon der frühere Bundespräsident Scheel schmetterte, geht es abrupt weiter mit dem Hit „The Lion sleeps tonight“, zu dem Jet „die Männer mit sehr hoher Stimme – oder einer Oktave untendrunter“ auffordert.

Im Takt: Bei den Darbietungen der Bühne der Kulturen wird am Ende das Publikum selbst zum Star. Bild-Zoom Foto: Dieter Deul
Im Takt: Bei den Darbietungen der Bühne der Kulturen wird am Ende das Publikum selbst zum Star.

Und beim Hans-Albers-Klassiker „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ hat Jet die Vilbeler endgültig im Griff. Der Aufforderung, „Leute, einhängen bei den Nachbarn“ hätte es nicht bedurft.

Im Schichtbetrieb

Derweil geht es auch bei der Restauration interkulturell zu. Auch Aktive der Flüchtlingshilfe sind im Schichtbetrieb dabei, frischen Minztee und arabischen Kaffee auszuschenken – zwei Drittel davon selbst Flüchtlinge, berichtet Susanne Förster, die städtische Flüchtlingskoordinatorin. Dass hier so viele Kulturen zu Wort kommen, findet sie einfach schön. Aber sie hat auch einen Wunsch: „Wir suchen Wohnungen für die anerkannten Flüchtlinge. Viele wollen hier bleiben, sind gut integriert, die Kinder gehen hier zur Schule.“ Aber es gibt kaum Angebote.

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