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Kasernen-Entwicklung: „Meine Pläne wurden kopiert“

Von Die Kaserne gehört zu den wichtigsten Entwicklungsprojekten der Stadt Friedberg. Doch als Michael Bender erstmals das Konzept der Stadt für das Areal sah, platzte ihm beinahe der Kragen. Er glaubt, dass der Inhalt bei ihm abgekupfert wurde. Noch-Bürgermeister Michael Keller (SPD) dementiert das.
Michael Bender erarbeitete für seine Diplomarbeit vor zehn Jahren ein Konzept für die Kaserne. Foto: Petra Ihm-Fahle Michael Bender erarbeitete für seine Diplomarbeit vor zehn Jahren ein Konzept für die Kaserne.
Friedberg. 

Michael Bender, der in der Kreisstadt Friedberg als Architekt tätig ist, hat für seine Diplomarbeit im Jahr 2008 ein Nutzungskonzept für die Kaserne in Friedberg erabeitet. Und er glaubt, in den Entwürfen der Stadt seine Ideen zu erkennen. „Vor zehn Jahren wollte man nicht anerkennen, dass mein Konzept zukunftsfähig ist“, ärgert sich der 41-Jährige.

Berühmter Soldat

Der berühmteste GI in der Kaserne Friedberg war Elvis Presley, der zwischen 1958 und 1960 seinen Wehrdienst in Deutschland leistete. Elvis war damals schon ein weltberühmter Star.

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Im Gespräch mit dieser Zeitung erinnert er sich zurück: Als das amerikanische Militär 2005/06 mitteilte, die Kaserne Friedberg aufgeben zu wollen, ging er mit diesen Informationen zu seinem Professor für Städtebau an der Bauhaus-Uni in Weimar. Jener fand dies interessant, auch, weil Elvis Presley dort GI gewesen war. „Er schlug mir vor, das Thema in meiner Diplomarbeit zu bearbeiten.“ 75 Hektar Fläche: Bender hatte noch nie so ein großes Gelände bearbeitet. Er holte sich eine Genehmigung bei der amerikanischen Truppenverwaltung, durfte auf dem abgeschotteten Areal fotografieren. 185 Gebäude.

„Ich überlegte, was für Nutzungen um die Kaserne herum schon vorhanden sind und was dazu passen würde“, erinnert er sich. Der erste Gedanke Benders zielte auf das Wohnen, weil der nördliche Teil der Kaserne einen schönen Blick auf die Umrisslinie von Frankfurt bietet. Nächste Überlegung richteten sich auf die Technische Hochschule Mittelhessen (THM), die in den 30er-Jahren einzelne Gebäude der Kaserne genutzt hatte. „Ich wusste, dass die Hochschule beengt ist, dass es dort Erweiterungsbedarf gibt.“

Zur Verfügung gestellt

Weitere Ideen waren ein Gewerbemischgebiet, Kindergärten und eine Grundschule. Im Zuge der Diplomarbeit begann er, das Thema auch unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zu betrachten. Seiner Ansicht nach waren die Hauptgebäude erhaltenswert, was er dem Denkmalamt in Wiesbaden denn auch mitteilte. Mit Erfolg.

Nachdem Bender sein Diplom abgelegt hatte, sei er seitens der Stadt gebeten worden, ein Exemplar zur Verfügung zu stellen. Es hieß: Bei anderen studentischen Arbeiten, die mit Unterstützung des Stadtbauamtes entstünden seien, sei dies bislang ebenfalls so geschehen. Denn Bender hatte zu Beginn seiner Arbeit ein ausführliches Gespräch mit dem Stadtbauamt gehabt, erhielt einige Kartenunterlagen. „Man bot mir nun an, die Kosten für Papier und Bindung des Exemplars in Höhe von 400 Euro zu zahlen.“

Bender sagte zu, wies aber auf seine Urheberrechte hin. Die Stadt hatte seinen Worten zufolge damals noch kein Konzept für die Kaserne, aber externe Planer beauftragt. An diese Büros habe der damalige Bauamtsleiter seine Arbeit weiterreichen wollen. Doch Bender wollte nach eigener Aussage verhindern, dass fremde Planer auf Basis seiner Arbeit hohe Beraterhonorare verdienen, während er leer ausgeht. „Der Bauamtsleiter sagte dann, dass er das nicht unterschreiben könne.“

Und dann der Aha-Effekt, jedenfalls für Bender: Als die Planer ihre Ideen 2011 bei einer Bürgerversammlung vorstellten, meinte er, gewisse Ähnlichkeiten zu erkennen. Bei einer weiteren Präsentation der Stadt 2015 seien diese Ähnlichkeiten noch wesentlich stärker ausgeprägt gewesen. „Es war auf einmal sehr ähnlich. Ein schmales Gewerbeband, viel Wohnen, ein Mischgebiet. Ich hatte ein durchgängiges Grünband mit zwei Quartierparks geplant, einen hat die Stadt jetzt auch, und der liegt an der gleichen Stelle.“

Doch am augenfälligsten ist für ihn das Wohn-Konzept: „Für mich ist es eine Kopie“, sagt Bender. Er finde das nicht in Ordnung: „Man sollte sich daran erinnern, wer einmal diese gute Idee hatte und das dann auch erwähnen.“ Stolz sei er trotzdem, zum einen, weil das Denkmalamt die Sache mit dem Denkmalschutz so sehe wie er, zum anderen, weil seine Ideen offenbar gut waren.

Kritische Überlegung

Noch-Bürgermeister Michael Keller (SPD) widerspricht den Vorwürfen jedoch. In Sachen Kaserne bestehe eine lang angedachte und sich ständig konkretisierende Entwicklung mit Wohnen, Arbeiten und Bildung.

Denn aufgrund der relativ eindeutigen städtebaulichen, verkehrlichen und planungsrechtlichen Rahmenbedingungen kämen dort nur bestimmte neue Nutzungen in Frage. „Dass dies auf einer studentischen Arbeit beruhen soll, hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun“, unterstreicht Keller.

Zum Thema Denkmalschutz erklärt er: „In weiten Teilen können wir mit der Entscheidung des Landesdenkmalamtes arbeiten.“ Man könne sich allerdings kritische Überlegungen stellen: „Wo liegt der Erhaltungswert einer NS-Kaserne? Und wäre es nicht sinnvoller, sich von dieser historisch belasteten und kulturgeschichtlichen ’Dutzendware’ zu trennen, um bezahlbaren Wohnraum und Bildungseinrichtungen zu bauen?“

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