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Zukunft ungewiss: Kuwaiter arbeitet seit eineinhalb Jahren für den Heldenberger Landwirt Holger Weiß

Von Seit zweieinhalb Jahren ist Ahmad Al Shamari nun in Deutschland. Und seit anderthalb Jahren arbeitet er fest bei der Heldenberger „Apfelbiene“. Ahmad ist genau der Mitarbeiter, den sich Holger Weiß für seinen Familienbetrieb immer gewünscht hat: fachlich kompetent, hochgradig zuverlässig und voller Engagement. Und trotzdem steht eine Zukunft in Deutschland für Al Shamari in den Sternen.
Ahmad Al Shamari inmitten der Schafe und Lämmer, die er betreut. Die Tiere suchen vertrauensvoll seine Nähe. Ahmad Al Shamari inmitten der Schafe und Lämmer, die er betreut. Die Tiere suchen vertrauensvoll seine Nähe.
Nidderau. 

Ahmad Al Shamari hat seinen Fuß noch gar nicht wirklich auf die Wiese gesetzt, da kommen sie schon alle an, die Schäfchen und Lämmer. Drängelnd umringen sie ihn, schmiegen sich vertrauensvoll an seine Beine. Der 46-jährige Kuwaiter steht beglückt inmitten. Die Tiere fühlen sich wohl bei ihm und er sich mit ihnen – so viel ist klar.

Ahmad, dessen Familie ursprünglich aus dem Irak kommt und der Ethnie der Berber angehört, hat Zeit seines Lebens schon mit Schafen zu tun gehabt. „Er hat eine unheimlich tolle Tierbeobachtung!“, schwärmt sein Arbeitgeber Holger Weiß. „Wenn er bei einem Schaf ein Problem entdeckt, schickt er mir sofort ein Bild“, berichtet der Imker und Obstbauer weiter.

Einen Zuwachs von 40 Lämmern gab es jüngst bei der „Apfelbiene“, dem auf Streuobst-Äpfel und Imkerei spezialisierten Landwirtschaftsbetrieb von Familie Weiß. Darunter auch Drillinge und Vierlinge, somit einige Problemlämmchen. Manch eines musste mit der Flasche aufgezogen werden. „Ohne Ahmad wäre ich aufgeschmissen gewesen“, erzählt Holger Weiß. „Er hatte einfach alles im Griff.“ Zehn Stunden die Woche arbeitet Al Shamari bei der „Apfelbiene“. Stets ist er pünktlich, arbeitet immer gewissenhaft und laut Holger Weiß eher zu viel als zu wenig. „Manchmal sage ich ihm, er soll doch endlich mal eine Pause machen.“

Kaum Geld bleibt übrig

Dabei bringt sein Engagement den Migranten wirtschaftlich nicht einmal wirklich vorwärts. Von den 330 Euro, die er monatlich in der „Apfelbiene“ erwirtschaftet, darf er lediglich 100 Euro behalten. Der Rest wird ihm von seiner Migrationshilfe weggekürzt. Ein Grund, warum viele von Al Shamaris Mitbewohnern aus der Sammelunterkunft sein Engagement nicht nachvollziehen können. „Warum arbeitest du so viel, wenn du hinterher doch nicht mehr Geld zur Verfügung hast?“ wird er immer wieder gefragt. Zu Recht.

Und doch: Al Shamari ist beflügelt von seiner Arbeit. Er möchte nicht herumsitzen und nichts tun. Er möchte sich einbringen, dort wo er etwas leisten kann. „Kompetente Kräfte wie Ahmad benötigen wir dringend in der deutschen Landwirtschaft“, stellt Holger Weiß fest. Er macht sich stark dafür, dass Ahmad in Deutschland bleiben kann. Doch das ist nicht so einfach.

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Mehr Infos zur Situation der Flüchtlinge in der Region gibt es im Netz.

Sein Asylantrag wurde bereits abgelehnt. Al Shamaris Migrationsgründe sind den Deutschen Behörden nicht dringlich genug. Immerhin ist Kuwait ja kein Kriegsgebiet.

Aber Ahmad Al Shamaris Problem ist ein anderes, ein menschliches und seelisches: Als Berber hat er keine Rechte in Kuwait. Er bekommt dort keinen Pass, darf nicht einmal heiraten. Kein Pass in Kuwait, kein Asyl in Deutschland. Derzeit ist Al Shamari staatenlos. Für ihn ein bedrückendes Gefühl.

Holger Weiß möchte seinen Mitarbeiter unterstützen. Derzeit versucht er, gemeinsam mit ihm einen Aufenthaltsstatus zu erwirken.

Vermieter wollen nicht

Den Kampf durch den Behördendschungel würde Al Shamari alleine niemals bewältigen können. Seitenweise gilt es Formulare mit Beamtendeutsch zu durchforsten. Für Al Shamari, der weder eine Schule besucht hat, noch der deutschen Sprache mächtig ist, ein großes Problem. Doch Holger Weiß steht ihm zur Seite, möchte ihn auch darin unterstützen, eine eigene Wohnung zu bekommen.

„Das ist schon schwierig. Bei dem Wort Flüchtling zucken die meisten Vermieter sofort zusammen“, berichtet Weiß resigniert. Dabei halte der Kuwaiter sein Zimmer im Migrantenheim top in Schuss, so Weiß. Selbstständig leben in Deutschland, von seinem eigenen Geld in seiner eigenen Wohnung – davon träumt Ahmad Al Shamari. Und tut alles, um diesen Traum zu verwirklichen.

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