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Weihnachten: Karbener Ehepaar hilft 30 Flüchtlingen als Paten

Von Unser Weihnachten, Euer Weihnachten: Wenn Kulturen zueinander finden, kann das für alle bereichernd sein. Die Karbener Eheleute Rosenkranz wissen das – und helfen aus Nächstenliebe 30 Flüchtlingen als Paten.
Die weihnachtliche Atmosphäre vereint die Ehepaare aus Karben und Eritrea (von links): Ellta (22) und Degol (26) sind zu Besuch bei ihren Paten, während Heide und Johann Rosenkranz die letzten Handgriffe für die Feiertage machen. Die weihnachtliche Atmosphäre vereint die Ehepaare aus Karben und Eritrea (von links): Ellta (22) und Degol (26) sind zu Besuch bei ihren Paten, während Heide und Johann Rosenkranz die letzten Handgriffe für die Feiertage machen.
Karben. 

Der zweite Weihnachtsfeiertag ist für Degol und Ellta ein ganz besonderer Tag. Vor genau einem Jahr war das Ehepaar aus Eritrea wieder vereint – in Karben, nachdem beide auf verschiedenen Routen aus der Heimat geflüchtet waren und sich monatelang nicht gesehen hatten. „Am 26. Dezember haben wir uns dann wieder gesehen“, erinnert sich Ehemann Degol ganz genau. Der 29-Jährige ist bereits seit zwei Jahren in Deutschland.

Und auch für Heide und Johann Rosenkranz war der Tag des Wiedersehens ein ganz besonderer: Denn die Klein-Karbener haben bei der Zusammenführung der beiden eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Seit seiner Ankunft in Karben haben sie Degol auf der Suche nach seiner Frau unterstützt. Degol und Ellta sind zwei der rund 30 Flüchtlinge, die das Karbener Ehepaar auf ihrem Weg in ein neues Leben begleitet. „Der Bedarf ist groß, wir könnten sogar noch mehr helfen“, erklärt Johann Rosenkranz (76) das außerordentliche Engagement der beiden. Vor zwei Jahren haben er und seine Frau begonnen, sich in der Karbener Flüchtlingshilfe zu engagieren, anfangs war es eine syrische Familie mit vier Brüdern, heute sind es junge Familien und Einzelpersonen aus Eritrea, Syrien und dem Irak.

Weiter im Kontakt

Aus der anfänglichen Hilfestellung entstehen in vielen Fällen „Ersatzfamilien“: Noch heute stehen die Rosenkranz in Kontakt mit ihren ersten Schützlingen, der WhatsApp-Chatverlauf ist voll mit Nachrichten der verschiedenen Flüchtlinge. „Egal, welches Problem wir haben, Herr und Frau Rosenkranz helfen uns weiter“, sagt auch Degol dankbar. „Sie sind wie unsere deutschen Eltern.“ Die Fragen, die an die beiden herangetragen werden, sind dabei vielfältig: Rechtsfragen rund um das Bleiberecht, aber auch einfache Hilfen im Alltag oder bei Krankheit. Degol etwa muss im Februar an den Trommelfellen operiert werden – ein langwieriger Prozess, wer die Kosten übernimmt.

Viele gehören christlich-othodoxen Glaubensgemeinschaften an

  Das Weihnachtsfest ist auch für viele der Flüchtlinge in Deutschland ein wichtiges Fest. So sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Syrien und ein weitaus höherer Teil unter den in Deutschland lebenden Syrern Christen.

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In der Weihnachtszeit beschäftigt die vier in diesem Jahr ein besonders dramatisches Problem: Ellta (22) soll – nach dem sogenannten Dublin-Verfahren, nachdem Flüchtlinge dort das Asylverfahren durchlaufen sollen, wo sie erstmals registriert wurden – zurück nach Italien, und Degol soll zurück nach Eritrea. „Das kann doch nicht sein“, sagt Johann Rosenkranz kopfschüttelnd. Gerade erst sei Degols Bruder aus Italien nach Deutschland gekommen. „Da ist die Familie erstmals wieder vereint, und jetzt das.“ Er bereitet deswegen das Schreiben an den Rechtsanwalt vor, will gegen die Bescheide vorgehen.

Dabei sind diese Rechtsfragen auch für die beiden Rentner ein neues Gebiet. „Wir müssen uns auch einarbeiten oder Hilfe suchen“, sagt Heide Rosenkranz (71). Dass sie diese Mühe aber auf sich nehmen, steht für die beiden außer Frage. Es ist ihr christlicher Glaube, der sie motiviert. „Das ist für uns Nächstenliebe“, erklären die Eheleute. Sie seien überzeugte Christen, und das habe nicht in erster Linie etwas mit Kirchgängen, sondern mit Hilfe zu tun. Und: Anders als viele andere Deutsche hätten sie keine Berührungsängste, betont Johann Rosenkranz. Als Direktor eines Maschinenbauunternehmens hatte er immer wieder Kontakt mit anderen Kulturen, gemeinsam mit seiner Frau lebte er lange in Südafrika, die beiden haben dort sogar geheiratet. „Wir wünschen uns, dass mehr Menschen ihre Berührungsängste abbauen würden.“

Probleme jetzt lösen

Doch Johann Rosenkranz traut sich auch, eine Art Eigennutz in seinem Engagement zu erklären: Das Ehepaar hat selber Kinder, denkt deswegen sehr an die kommenden Generationen. „Wir haben jetzt die Chance, das Problem zu lösen“, erklärt er. „Wie wir jetzt mit Fragen der Integration umgehen, bestimmt die Zukunft.“ Bedenklich findet er, dass in Politik und Verwaltung offenbar Verunsicherung herrsche – was für ihn auch in den unterschiedlichen Bescheiden für Degol und Ellta sichtbar wird. „In vielen Behörden fehlt qualitativ ausgebildetes Personal, viele scheinen überlastet zu sein“, beobachtet er. Im schlimmsten Fall sorge das dafür, dass Behörden und Ehrenamtler gegeneinander arbeiteten.

Die Karbener Eheleute wollen sich dafür auch im neuen Jahr weiter einsetzen. Nun genießen sie jedoch zunächst die Weihnachtsfeiertage – mit der eigenen Familie. Denn Degol und Ellta feiern ihr Weihnachten erst am 7. Januar. Bis dahin genießen sie bei ihren Besuchen bei ihren „deutschen Eltern“ die Atmosphäre. „Wir schmücken normalerweise auch. In diesem Jahr fehlt uns dafür leider das Geld“, sagt Degol. „Aber Weihnachten feiern wir trotzdem.“ Er und seine Frau hoffen nun auf ein Weihnachten 2018 in einer ersten gemeinsamen, weihnachtlich geschmückten Wohnung, vereint in Karben – mit Johann und Heide Rosenkranz an ihrer Seite.

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