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Barsche auf einem Gärtnereigelände: In Wöllstadt werden bald Fische gezüchtet

Von Im ländlichen Nieder-Wöllstadt ist ein innovatives Projekt geplant: Deutschlands erstes Kompetenzzentrum für Indoor-Farming. Die Initiatoren wollen vermitteln, wie die Ernährung von Menschen in 30 Jahren sichergestellt werden kann.
Auf den aktuell nicht genutzten Produktionsflächen der Gärtnerei Claussen soll die Aqua- und Hydroponik-Anlage entstehen. Foto: Petra Ihm-Fahle Auf den aktuell nicht genutzten Produktionsflächen der Gärtnerei Claussen soll die Aqua- und Hydroponik-Anlage entstehen.
Wöllstadt. 

Der Weg zur Gärtnerei Claussen in Nieder-Wöllstadt, dem geplanten Indoor Farming Competence Center Wetterau (IFCCW), ist mit viel Grün bestanden. Gärtnerei-Inhaberin Claudia Claussen und Ingenieur Andreas Wöll warten schon, er im gelben T-Shirt, sie in gelber Jacke. Andreas Wöll ist Geschäftsführer des Unternehmens ANSI Culture Consultants in Bad Nauheim, Claussen ist normalerweise beruflich für Bürobegrünung in Frankfurt unterwegs.

Ladenverkauf in ihrer Gärtnerei in Nieder-Wöllstadt wird nicht mehr vollzogen, weshalb das Gelände etwas Verwunschenes, Ruhiges hat. Doch bald wird sich das wieder ändern, denn Wöll als Initiator und Claussen – beide kennen sich noch aus Schülertagen –, kooperieren auf den Flächen im Rahmen eines innovativen Betriebs: Es geht um Gemüseanbau im Inneren von Gebäuden, bekannt als Indoor-Farming, bei gleichzeitiger Zucht von Speisefischen.

Andreas Wöll und Claudia Claussen setzen auf ein modernes landwirtschaftliches Konzept. Bild-Zoom Foto: Petra Ihm-Fahle
Andreas Wöll und Claudia Claussen setzen auf ein modernes landwirtschaftliches Konzept.

Dafür gibt es zwei Fachausdrücke: Aquaponik und Hydroponik, die Wöll erklärt: „Aquaponik ist die Verbindung von Aquakultur zur Produktion von Fisch in Verbindung mit Hydroponik. Das wiederum ist die Produktion von Grünpflanzen in einem Wasser geführten System.“

In Nieder-Wöllstadt ist laut dem Ingenieur eine Speisefisch-Art namens „Tilapia“ vorgesehen, ein Barsch. „Über deren Ausscheidungen im Wasser werden die Pflanzen, die sich im gleichen Wasserkreislauf befinden, mit Nährstoffen versorgt.“ Gedacht ist an die Aufzucht verschiedener Sorten Salat, Gemüsen, Kräutern und Heilpflanzen auf einer Produktionsfläche von 400 Quadratmetern.

Info: Vilbeler Grüne sind angetan

Kürzlich war eine Abordnung der Bad Vilbeler Grünen zu Besuch im geplanten „Indoor Farming Competence Center Wetterau“in Nieder-Wöllstadt, darunter auch die Bundestagskandidatin Kathrin Anders (Bad

clearing

Gleichwohl ist es nicht Ziel des Kompetenzzentrums, eine bestimmte Pflanze großflächig kommerziell anzubauen, sondern vielmehr, Öffentlichkeitsarbeit für Indoor-Farming zu machen. Das sei wichtig, um die Fehler nicht zu wiederholen, die im Rahmen der Einführung der Erneuerbaren Energien gemacht worden seien, erklärt der Bad Nauheimer, der seit 25 Jahren auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien unterwegs ist.

Blick in die Zukunft

„Wir wollen hier anschaulich machen, wie die Ernährungsversorgung der Menschen 2050 aussehen könnte“, sagt Wöll. Denn wie sich am Beispiel Wetterau zeige, schrumpfen die landwirtschaftlichen Flächen. Gleichzeitig nehme die Bevölkerungszahl zu. „Man muss versuchen, auf einer kleineren Fläche das Gleiche darzustellen“, konstatiert Andreas Wöll.

Das sei in den Wasser geführten Innen-Systemen machbar, denn es gehe schneller und man könne das gesamte Jahr über produzieren. „Indoor-Farming“ sei hygienisch und wassersparend, außerdem müsse nicht gespritzt werden. „Keine Pestizid- und Schadstoff-Belastung, man ist unabhängig von Wetterkapriolen, und die Produktion ist bedarfsgerecht“, zählt Wöll die Vorteile des Systems auf.

Dem Leitsatz „Aus der Region für die Region“ werde entsprochen, wobei auch die Vielfalt zum Tragen kommt. „Basilikum wird viel genutzt“, nennt Claussen ein Beispiel, könne in Deutschland aber nicht großflächig angebaut werden. Mit einem Hydroponik-System werde das anders, erläutert die Friedbergerin.

Ein Eins-zu-eins-Ersatz von Äckern sei allerdings nicht das Anliegen, vielmehr gehe es um eine Ergänzung. Zielgruppe der „Show-Anlage“ in Nieder-Wöllstadt sind einerseits Schulen und öffentliche Einrichtungen, zum anderen sollen Konferenzen, Schulungen für potenzielle Anlagenbetreiber sowie entwicklungspolitische Arbeit angeboten werden.

Fördermittel beantragt

Andreas Wöll fungiert als Berater und Ausbilder, wird zudem Netzwerke pflegen und Vermarktung betreiben. Claudia Claussen ist für den Betrieb und die landwirtschaftliche Seite zuständig.

Bis Ende des Jahres soll modernisiert und umgebaut sein. Dafür wird laut der Initiatoren ein hoher sechsstelliger Betrag fällig, den zum Großteil Wölls Unternehmen ANSI übernimmt. Fördermittel sind beantragt. Anschließend kann es mit „Deutschlands erstem Kompetenzzentrum für Indoor-Farming und Hessens erster Aquaponik-Anlage“ losgehen, freut sich Wöll.

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