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Hilfe für Nepal: In Nepal lebt Silkes Liebe weiter

Von Über ihren selbst gegründeten Verein „Sahaya – Hilfe für Nepal“ hat die 33-jährige Silke Szymura aus Okarben schon öfter berichtet. Seit 2011 reist sie regelmäßig nach Pokhara nahe der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Doch nicht nur der Pflegefamilie wegen, die sie dort unterstützt. Sondern auch an den Ort, an dem vor fast drei Jahren ihr Lebenspartner Julian urplötzlich verstarb.
Lange traurig sein kann Silke bei der Pflegefamilie nie, dann kommen die Kinder – wie auch am Todestag von Julian im März 2014.	Repros: Sperling Lange traurig sein kann Silke bei der Pflegefamilie nie, dann kommen die Kinder – wie auch am Todestag von Julian im März 2014. Repros: Sperling
Karben. 

„Ich möchte von Julian erzählen, weil er für mich in gewisser Weise immer noch da ist“, beginnt Silke Szymura ihre Erinnerungen an den Tag im März 2013, „an dem er von jetzt auf gleich voll da war und dann voll weg.“

Am Vormittag waren sie und ihr ein Jahr jüngerer, kerngesunder und fröhlicher Partner Julian im Urlaub aufgebrochen, um von einem Hügel außerhalb vom etwa 800 Meter hoch gelegenen Ort Pokhara die Aussicht auf die nepalesischen Berge und Täler zu genießen.

„Ich lief ein wenig versetzt vor ihm und hörte ihn nur sagen, dass er sich wohl mal hinsetzen müsse“, erinnert sich Silke Szymura. Dazu kam es nicht mehr. Knapp schildert sie: „Er fiel einfach um.“

Drei ukrainische Touristen seien sofort zur Stelle gewesen, ebenso ein Krankenwagen, der den 29-Jährigen in die Notaufnahme brachte. „Es haben sich alle sofort um ihn und mich gekümmert. Aber jede Hilfe kam zu spät“, schildert Szymura. Die Ursache für den Tod konnte auch nach einer Obduktion nicht festgestellt werden. „Ich lag dann einfach im Krankenhaus da und habe gedacht, ich bleibe hier liegen, bis ich auch sterbe“, schildert Szymura ihren Schock.

„Sofort kam meine ganze nepalesische Familie zur Hilfe“, erzählt die Vereinsgründerin weiter. Die 20-köpfige Pflegefamilie, welche Silke Szymura seit 2012 durch Spenden unterstützt, war ebenso fassungslos und bestürzt.

Mutter Rekha ist mir nicht mehr von der Seite gewichen“, ist Silke Szymura noch heute froh und dankbar. Auch Vater Dan Bahadur habe ihr sehr geholfen. „Am Montag ist Julian gestorben, und am Dienstag wurde er bereits verbrannt“, berichtet die Trauernde.

Alles plötzlich belanglos

Sabine, ebenfalls Touristin aus dem Kleinwalsertal, welche Silke Szymura in der Woche zuvor erst kennengelernt hatte, kümmerte sich um sie ebenso wie Silkes Schulfreundin Natalie, die noch am Montagabend einen Flug von Kassel nach Nepal gebucht hatte und nach 15 Stunden Kathmandu erreichte.

Am Karfreitag flog Silke Szymura mit der Freundin zurück nach Deutschland.

„Ich habe eigenhändig die Urne meines Lebenspartners zur Botschaft gebracht“, sagt Szymura traurig. Beigesetzt wurde diese schließlich in Deutschland.

Silke Szymura ist es wichtig, ihre Geschichte mitzuteilen. „Der Umgang mit dem Tod in Deutschland stört mich“, betont sie. Ihr ganzes Leben hat sie in den vergangenen drei Jahren umgekrempelt. „Dieses Erlebnis hat alles für mich verändert. Auf einmal war so vieles völlig belanglos.“

Von Frankfurt ist die gelernte IT-Expertin zurück ins elterliche Haus nach Okarben gezogen, hat gekündigt und studiert inzwischen im ersten Semester Psychologie in Gießen. „Vielleicht schreibe ich auch mal ein Buch“, überlegt sie, wie sie weiter mit ihrer tiefen Traurigkeit umgehen soll.

In psychologischer Behandlung ist sie, erhielt Hilfe durch eine Trauerbegleitung und beim Verein „Jung verwitwet“. Dort engagiert sich die zupackende junge Frau seither, organisiert mit der Selbsthilfegruppenleiterin Treffen für die Mitglieder.

Am Jahrestag im Kloster

Nebenbei macht Szymura seit März 2015 selbst eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin. „Ich glaube, ich möchte einfach dem Ganzen noch einen Sinn geben, wenn man das so formulieren kann“, so ihr Erklärungsversuch für ihr Streben.

ZUM THEMA 40 Mitglieder

40 Mitglieder hat der von Silke Szymura 2012 gegründete Verein „Sahaya – Hilfe für Nepal“. Spendengelder gehen direkt an die in Pokhara lebende 20-köpfige Pflegefamilie von Mutter Rekha und Familienoberhaupt

clearing

Auch in Nepal war Silke Szymura seither regelmäßig. „Ich hatte es nicht für möglich gehalten, aber ich bin mit meiner Freundin tatsächlich am ersten Todestag von Julian im Kloster seiner Beerdigung gewesen, und dort gab es eine ganz wunderbare Trauerfeier“, erinnert sie sich.

Den buddhistischen Umgang mit dem Tod findet die Psychologiestudentin weitaus versöhnlicher als die Verdrängung, die hierzulande stattfinde. Eine Tradition etwa sei es, nach dem Tod eines geliebten Menschen Dochte zu flechten und diese später als Lichter auf einen Fluss zu setzen.

„In unserem Garten wehen diese farbenfrohen tibetischen Gebetsfahnen“, beschreibt Silke Szymura mit einem Lächeln. Als täglicher Gruß aus dem geliebten Nepal helfen ihr auch diese, mit dem Schmerz und ihrer Trauer umgehen zu können.

Und vielleicht schon im März möchte sie wieder nach Pokhara reisen. „Wenn ich bei der Familie bin, kann ich nicht lange traurig sein“, gesteht sie. „Dann springen sofort mindestens fünf Kinder lachend auf mich. Und das, obwohl sie nach dem Erdbeben so viele eigene Probleme haben.“

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