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Geschichte spannend erzählt: Historiker Erhard Bus wird mit Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises geehrt

Nur wenige dürften sich in der Geschichte der Rhein-Main-Region so gut auskennen wie der Historiker Erhard Bus aus Windecken. Mit seinen Chroniken, Vortragsreihen und Ausstellungsprojekten hat er sich in den vergangenen drei Jahrzehnten einen Namen gemacht. Jetzt wird er für sein Wirken mit dem Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises ausgezeichnet.
Verdienste um die Geschichtsschreibung:  Der Historiker Erhard Bus mit zwei seiner Chroniken, die er in den vergangenen Jahren veröffentlicht hat. Verdienste um die Geschichtsschreibung: Der Historiker Erhard Bus mit zwei seiner Chroniken, die er in den vergangenen Jahren veröffentlicht hat.
Nidderau. 

Was hat ein Bild von der Ausrufung des deutschen Kaiserreichs 1871 in der Chronik einer Hanauer Rechtsanwaltskanzlei zu suchen? Oder ein Gemälde von der Erstürmung der Bastille in Paris, was 1789 den Beginn der Französischen Revolution markierte? Sehr viel, sagt der Historiker Erhard Bus, unter dessen Schriftleitung jene Chronik entstanden ist. Es reiche nicht aus, nur die Geschichte eines Ortes oder einer einzelnen Einrichtung unter die Lupe zu nehmen: „Sondern Sie müssen auch den größeren Kontext verstehen. Allein der Blick auf den Kirchturm genügt nicht.“

Und so ist die 336 Seiten dicke Publikation über die 1817 gegründete Sozietät Ludwig Wollweber Bansch in Hanau denn auch viel mehr als nur die Historie einer der ältesten Kanzleien Deutschlands. Vielmehr werden darin auch die wichtigsten Stationen der deutschen Anwaltsgeschichte in den vergangenen 200 Jahren beleuchtet. Die Vielschichtigkeit des Rechts in Hanau und Kurhessen.

Wichtige Figuren

Und vor allem der Kanzleigründer Bernhard Eberhard, als erster Hanauer Oberbürgermeister und späterer Minister eine der wichtigsten Figuren der hessischen Geschichte im frühen 19. Jahrhundert. Diese Arbeitsweise ist typisch für Erhard Bus, der als freiberuflicher Historiker in Windecken lebt und für seine Arbeit in der Lokal- und Regionalgeschichte jetzt mit dem Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises ausgezeichnet wird. Er wolle einordnen, Zusammenhänge deutlich machen, sagt er. Dass man etwa die Ereignisse im 19. Jahrhundert nur dann nachvollziehen könne, wenn man auch die Ideen der Französischen Revolution 1789 kenne. Dass die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 nur vor dem Hintergrund der Massenarbeitslosigkeit in den frühen 1930er-Jahren zu erklären sei.

Info: Preisverleihung am 13. November

Der Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises wird seit 1977 für herausragende kulturelle Leistungen vergeben. In diesem Jahr geht er an den Historiker Erhard Bus und an die Fotografin Maria Dorn aus

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Chronisten, die bei ihrer Arbeit nicht über die Ortsgrenze hinausschauen, sondern stattdessen verklärte Blicke in eine vermeintlich gute alte Zeit werfen, sieht er kritisch. Viele idealisierten die Vergangenheit, rügt er: „Unbewusst ist das eine Respektlosigkeit vor dem schweren Leben der Vorfahren.“ Bei seiner Arbeit sammelt er nicht nur akribisch Dokumente und Literatur zu seinem jeweiligen Thema, sondern ordnet sie ein, erläutert die Hintergründe. Auf diese Weise vermittle er Geschichte „als vielschichtigen spannenden Prozess mit oft weitreichenden Konsequenzen bis hinein in unseren Alltag“, lobte die Kulturpreis-Jury.

Zum Beispiel in seinen geschichtlichen Darstellungen über die Sparkasse Hanau, den Arbeiter-Samariter-Bund Mittelhessen und andere Einrichtungen. Oder in den Orts-Chroniken von Kleinostheim und Klein-Auheim. Oder in den Ausstellungen, die er kuratierte. Nicht zu vergessen auch all die zahlreichen Vorträge, die der 64-Jährige in den vergangenen drei Jahrzehnten im Rhein-Main-Gebiet gehalten hat: „von Wiesbaden bis Schlüchtern, von Darmstadt bis Butzbach“.

Allein in diesem Jahr stehen wegen der zahlreichen Jubiläen 23 Auftritte in seinem Kalender, bei denen er beispielsweise über das Ende des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren spricht und über die Hanauer Union vor 200 Jahren, also über den Zusammenschluss der evangelisch-reformierten und der lutherischen Landeskirchen der Grafschaft Hanau-Münzenberg. Themen, die nicht jeden interessieren. Trotzdem haben seine Vorträge Zulauf. Was mit daran liegt, dass der studierte Historiker auf eine leicht verständliche Sprache setzt, auch Dialekt spricht, um sein Publikum zu erreichen.

Romane verschlungen

Woher sein Interesse an der Vergangenheit kommt? Er zuckt mit den Schultern: So genau könne er das gar nicht sagen. Vielleicht von den Entdeckerromanen, die er mit 12, 13 Jahren verschlang: über den Seefahrer Vasco da Gama und den Forschungsreisenden Samuel de Champlain. Vielleicht aber auch von seiner Herkunft aus Windecken, wo er beim Anblick des Schlosses, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, früh begriff, dass die Vergangenheit nicht einfach vorbei ist. Die Folgen dieses Krieges sehe man heute noch in Windecken, sagt er.

„Der Dreißigjährige Krieg war der krasseste Einschnitt in der Stadtgeschichte.“ Vorher sei der Ort ein regionales Zentrum gewesen, in dem Kaufleute und Handwerker, aber nur wenige Bauern lebten. Bei der Katastrophe zwischen 1618 und 1648 seien diese Strukturen zerstört worden. Letztlich sei aus jedem Ort etwas herauszuholen. Vorausgesetzt, man studiert die Quellen: in Staats- und Gemeindearchiven sowie Kirchenbüchern. Ein oft mühsamer, aber erkenntnisreicher Prozess, für den man Zeit braucht. Durchschnittlich anderthalb Jahre dauerten allein die Recherchen für jede seiner knapp 20 Chroniken. Bus: „Das ist keine Arbeit, die man zwischen Aufstehen und Frühstück macht.“

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