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Geplante Wohngebiet Brunnenstraße: Hessische Landgesellschaft diskutiert Bauen der Zukunft

Ob beim Gewerbegebiet, im Sauerborn in Kloppenheim oder beim geplanten Neubaugebiet an der Brunnenstraße – die Hessische Landgesellschaft (HLG) hat in Karben bei vielen Bauprojekten die Finger im Spiel. Im Ballungsraum Rhein-Main steht sie aber vor vielen Herausforderungen. Lösungsansätze sollte ein Forum in Karben liefern.
Auch diese Freifläche im Karbener Stadtzentrum wird einmal bebaut – und zwar möglichst energieeffizient, so jedenfalls die Idee der Hessischen Landgesellschaft. Die HLG und die Stadt kaufen hier den Boden zusammen für das Neubaugebiet Brunnenstraße. Auch diese Freifläche im Karbener Stadtzentrum wird einmal bebaut – und zwar möglichst energieeffizient, so jedenfalls die Idee der Hessischen Landgesellschaft. Die HLG und die Stadt kaufen hier den Boden zusammen für das Neubaugebiet Brunnenstraße.
Karben. 

Es ist üblich, dass der Gastgeber bei großen Veranstaltungen ein paar nette Grußworte spricht. Was Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU) am Mittwoch zum Auftakt des Themen-Forums der Hessischen Landesgesellschaft (HLG) im Bürgerzentrum sagte, klang aber eher wie ein Appell.

„Wir haben bei der Stadt 300 Anfragen nach Bauland“, klagte Rahn. Die Preise würde jedoch aktuell „durch die Decke schießen“. Es gebe „dringenden Handlungsbedarf“. Denn, so der Rathauschef, es stelle sich die Frage: „Wie kommen wir schnell an gutes Bauland?“ Er bemängelte eine Flut von Vorschriften für Kommunen und Bauherren. Es dürften noch etliche mehr werden, sollte die HLG den beim Karbener Forum diskutierten Leitfaden umsetzen. In dem geht es nämlich um „nachhaltige Baulandentwicklung“. Darunter stellt sich die HLG vor, dass künftig Plus-Energie-Siedlungen gebaut werden. Sprich: In neuen Baugebieten werde die Energie ausschließlich erneuerbar erzeugt.

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Kommentar

Überall, wo eine Kommune bauen will, bedient sie sich der Dienste der HLG. Im Endeffekt bedeutet das die Versiegelung wertvoller Flächen.

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Die Grundidee: Die Siedlungsstrukturen seien so zu planen, dass große Frei- und Dachflächen entstünden. Mit den entsprechenden technischen Vorrichtungen könne mehr Energie erzeugt werden, als die Bewohner verbrauchen.

Auf schwarz-grüner Linie

Die HLG, die staatliche Treuhandstelle für ländliche Bodenordnung, die hessenweit zahlreiche Großprojekte verantwortet, folgt damit einer Linie der schwarz-grünen Landesregierung. Die hat vorgegeben, dass Hessen seinen Energiebedarf bis zum Jahr 2050 ausschließlich aus erneuerbaren Quellen decken dürfe. Dies gelinge nur, wenn man mit der Energie deutlich effizienter umgehe als bisher, schrieb Staatssekretär Mathias Samson (Grüne) in einem Vorwort zum Forum.

Karl-Christian Schelzke, Direktor des hessischen Städte und Gemeindebundes. Bild-Zoom Foto: Olaf Deneberger
Karl-Christian Schelzke, Direktor des hessischen Städte und Gemeindebundes.

Neben der Energie wurde bei der Veranstaltung auch der Zuzug in die Städte und die „Entleerung des ländlichen Raums“ diskutiert. Samson sagte, die Landesregierung prognostiziere bis 2030 durch Zuzug einen Bevölkerungsanstieg von 4,4 Prozent. „Das bedeutet eine Viertelmillion Menschen mehr.“ Und die ziehen in erster Linie in die Städte.

Das beschäftigte somit auch den Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, Karl-Christian Schelzke. Wenn der Ballungsraum immer mehr verdichtet werde, „schaffen wir neuen Wohnraum, aber auch mögliche soziale Probleme“. Schelzke warnte vor der Bildung von Parallelgesellschaften in den Städten, da Migranten dort hinzögen, wo bereits Landsleute wohnten.

Wie auf Mount Everest

Er kritisierte, dass die hessische Regierung im Landesentwicklungsplan „nichts sagt zur Ertüchtigung des ländlichen Raumes“. Das müsse aber geschehen „zur Entlastung der Ballungsräume“. Der Direktor forderte zudem einen besseren Ausbau der digitalen Netzstruktur.

Es könne nicht angehen, dass er in vielen Gebieten des Landes keinen Internetempfang habe. „Auf dem Mount Everest ist die Funkverbindung besser“, so Schelzke.

Ins Nachdenken brachte die rund 170 Teilnehmer des Forums Professor Harald Kegler von der Uni Kassel. Er hält den Landverbrauch beim Bauen heutzutage „für eine verhängnisvolle Entwicklung“. So habe jede Person in Deutschland durchschnittlich mittlerweile 46,5 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. In Tokio (Japan) seien es gerade einmal 15 Quadratmeter.

In Deutschland würden pro Sekunde 5,96 Quadratmeter für Siedlungs- und Verkehrsflächen verbaut. Kegler warnte vor einem Raubbau an der Natur. Häufig gehe sehr wertvoller Boden unwiederbringlich verloren. Gerade in der Region nördlich von Frankfurt sei das der Fall. Das Gebiet, das der Kasseler Professor meinte, ist die Wetterau.

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