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Heraus aus dem stillen Kämmerlein

Von Nach dem plötzlichen Tod ihres Lebensgefährten versuchte Silke Szymura, ihrem Leid Sinn zu geben. Nun ist sie ausgebildete Trauerbegleiterin und möchte den Tod aus der Tabuzone holen.
Heute ist Silke Szymura selbst ausgebildete Trauerbegleiterin, denn sie möchte dem Tod ihres Mannes einen Sinn geben. Heute ist Silke Szymura selbst ausgebildete Trauerbegleiterin, denn sie möchte dem Tod ihres Mannes einen Sinn geben.
Karben. 

Am 27. Februar wäre der Lebenspartner von Silke Szymura 33 Jahre alt geworden. Doch im März vor vier Jahren endete sein Leben in Nepal. Plötzlich und von jetzt auf gleich. „Er ist einfach umgefallen“, erinnert sich Silke Szymura noch heute an den Augenblick, in dem ihr Lebenspartner, der zuvor über Schwäche geklagt hatte, am Beginn eines gemeinsamen Ausflugs in die Berge nahe Pokhara in der Nähe der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, urplötzlich verstarb.

Am nächsten Tag wurde Julian verbrannt. „Ich bleibe einfach hier liegen, bis ich auch sterbe“, hatte Silke im Krankenhaus gedacht, in das sie unter Schock gebracht worden war. Hingebungsvolle Unterstützung erhielt sie von der Pflegefamilie in Pokhara, die sie seit 2012 mit ihrem in Deutschland gegründeten Verein „Sahaya – Hilfe für Nepal“ unterstützt (die FNP berichtete). Sie halfen ihr auch, die Urne ihres Lebenspartners für die Überführung nach Deutschland zur Botschaft zu bringen.

Jung verwitwet

All das ist fast vier Jahre her. Silke Szymura hat sich für den Geburtstag von Julian etwas ganz Besonderes ausgedacht. Denn sie hat nicht nur mit ihrer eigenen Trauer gearbeitet und gelernt, damit umzugehen. „Ich war recht bald entschlossen, dem Ganzen einen Sinn geben“, erklärt Szymura. Ihre eigene Trauerbegleitung suchte sie beim Verein „Jung verwitwet“.

Sie kündigte ihre Arbeitsstelle in Frankfurt in der IT-Branche, zog zurück in ihre Heimatstadt Karben, begann ein Psychologie-Studium in Gießen und gründete im Juli 2016 einen Internet-Blog: „In lauter Trauer“. Nun hat sie auch ein Buch verfasst. Denn sie findet: „Auf Beileidskarten steht oft der Text ’In stiller Trauer’. Mich hat diese Aussage geärgert. Wir wählen eine solche Karte, um dem Trauernden vorsichtig zu sagen: Ich denke an dich und störe dich zugleich nicht in deiner Trauer. Doch wieso nicht stören? Warum soll Trauer still sein? Weil sie unangenehm ist? Weil wir nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen? Trauernde sollen möglichst mit ihrer Trauer daheim im stillen Kämmerlein verweilen und wenn sie fertig sind, kommen sie „geheilt“ wieder heraus und nehmen wie vorher wieder am Leben teil?“

Über Trauer reden

Dass der Tod und die Trauer nach wie vor in unserer Kultur ein Tabuthema ist, empfindet Silke Szymura als zusätzliche Belastung für Trauernde. Im buddhistischen Nepal hat sie eine andere Seite des Umgangs mit dem Tod erfahren.

Auch deshalb ruft sie mit ihrem Blog deutschlandweit am 27. Februar dazu auf, über Trauer offen zu reden, laut zu trauern, zu schreiben und dem Thema Gehör zu verschaffen. Inzwischen nimmt sich Szymura, nach abgeschlossener Ausbildung zur Trauerbegleiterin, auch selbst dem Thema in Gemeinsamkeit an. Sie möchte damit dazu beitragen, dass sich der Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen ändert.

Informationen im Internet unter: www.in-lauter-trauer.de

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