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Gemeinsam gegen die Krankheit radeln

Offenheit und Verständnis für eine der hinterhältigen Krankheiten unserer Zeit zu schaffen, ist das Ziel der sogenannten Mut-Tour. Mit drei schwerbepackten Tandems kamen die Teilnehmer am Dienstag auch in der FNP-Redaktion vorbei.
Ein Zwischenhalt führte die sechs Radler der Mut-Tour vor das Bad Vilbeler Redaktionsgebäude. Ein Zwischenhalt führte die sechs Radler der Mut-Tour vor das Bad Vilbeler Redaktionsgebäude.
Bad Vilbel. 

Die Mut-Tour ist Deutschlands erstes Aktionsprogramm auf Rädern, und rollt bereits seit 2012 durch Deutschland. Dadurch will es praktisch und effektiv zur Entstigmatisierung der Depression als Erkrankung beitragen. Bis dato radelten 102 Depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen, in 23 Etappen, insgesamt 7300 Kilometer durch die gesamte Republik.

Bei den alle zwei Jahre stattfindenden großen Mut-Touren gibt es in zahlreichen Städten Infostände und Mitfahr-Aktionen, an denen lokale Vereine und Institutionen aus den Bereichen Psychosoziales und Fahrrad ihre Angebote präsentieren. Fast 1500 ermutigende Veröffentlichungen zum Thema Depression wurden so bislang erreicht.

Mehr Tote als im Verkehr

Ziel sei es, den theoretischen Leitsatz „Raus aus der Tabuzone!“ in Wirklichkeit umzusetzen. Die Mut-Tour eröffnet zugleich neue Wege in der Gesundheitsprävention, betonen die Tandemradler. Die Teilnehmer erleben dabei, wie leistungsdruckfreier Sport, Struktur, Natur und Gemeinschaft die Stimmung heben können. Ihre positiven Erfahrungen tragen sie kenntnisreich und sympathisch zugleich nach außen, suchen überall auf ihren Stationen das Gespräch und werben dabei um Verständnis für das Phänomen Depression und für offenen Umgang mit einer Erkrankung, die sich oft im Graubereich der Öffentlichkeit abspielt und mitunter tödliche Folgen hat. Sie nehmen offen das Wort „Depression“ in den Mund und leben den Menschen auf der Straße ihren unverkrampften Umgang mit der Krankheit vor.

Sie möchten damit Ängste und Vorurteile abbauen, erklären sie unisono. Die Tour wird als öffentlicher Mut-Macher begriffen, „frei über eine Erkrankung zu reden, die mehr Tote fordert als der Straßenverkehr und häufiger zur vorzeitigen Berentung führt als Rückenleiden“. Die Tandemfahrer engagieren sich mit ihrer Aufklärungsfahrt auch für über 4,5 Millionen Deutsche, die unter Depression leiden. Die bemerkenswerte Kampagne finde auch Fürsprache bei Prominenten, wie Willi Lemke und Harald Schmidt.

Dabei kamen die mutigen Radler am Dienstag auch in der FNP-Redaktion vorbei, um eine kurze Pause auf dem Weg zwischen Münster und Mainz einzulegen. In ihren Satteltaschen fand sich alles, was man für eine lange Reise auf dem Tandem benötigt: Zelte, Isomatten und Gaskocher.

Hinter Fassaden lachen

Für das Gruppenfoto zückten sie plötzlich einen Smiley aus der Fahrradtasche. Den hielt abwechselnd einer der Teilnehmer vor sein Gesicht. Der Smiley soll aber nicht nur für bessere Stimmung sorgen und Zuversicht vermitteln.

„Damit wollen wir all diejenigen Betroffenen repräsentieren, die es sich nicht erlauben können, ihre Depression öffentlich zu machen. Berufliche Benachteiligung, Mobbing . . . der Smiley als Repräsentant für die anderen. Ferner verweist er auf die Fassadenhaftigkeit. Wer lacht, kann dennoch betroffen sein“, erklären sie vor dem Redaktionsgebäude in der Straße Im Rosengarten.

Mehr Informationen und Bilder finden Interessierte unter www.mut-tour.de oder auf www.facebook/MoodTour.

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