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Saisonackerfläche: Gartenarbeit hat etwas Meditatives

Von Seit 2010 verpachten Silke und Rainer Vogel, die den Hof Buchwald führen, sogenannte Saisongärten. Nach einer Idee der Supermarktkette Tegut, stellt das Ehepaar den Saisongärtnern parzellierte Ackerflächen zur Verfügung. Dieses Jahr sind in elf Beeten etwa 22 Kulturen, von Kartoffeln über Blumenkohl bis Zuckermais, eingesät. Die Nutzer der Parzellen kümmern sich von Mai bis Oktober um die Pflege und können alles ernten, was auf „ihrem Acker“ wächst. Und das reicht oft noch für die Nachbarn aus.
Clarissa Jüngling sät mit ihrem Sohn Clemens Saatgut für Pastinaken im Saisongarten auf Hof Buchwald. Bilder > Clarissa Jüngling sät mit ihrem Sohn Clemens Saatgut für Pastinaken im Saisongarten auf Hof Buchwald.
Nidderau. 

40 Saisongärtner sind es in diesem Jahr, denen rund 2000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Wenn die Übergabe der Parzellen bei Saisonstart stattfindet, sind die Bodenbearbeitung, die Aussaat und Bepflanzung bereits erfolgt. Zusätzlich zu den bepflanzten Reihen gibt es ein bis zwei freie Reihen zum Ausprobieren und für eigene Wünsche. Das ökologische Saatgut bezieht Hof Buchwald über die Bingenheimer Saatgut AG.

Diese Zeitung begleitet Clarissa Jüngling, Ehemann Bernd Jüngling und die drei Söhne Niklas (23), Robin (19) und Clemens (4) aus dem Nidderauer Stadtteil Eichen von der Aussaat bis zur Ernte. Die Jünglings sind seit 2017 Saisongärtner. „Silke und Rainer Vogel haben mir zum Geburtstag eine 80 Quadratmeter große Parzelle geschenkt. Wir sind seit vielen Jahren befreundet“, sagt Clarissa Jüngling.

Genug für Schwiegereltern

Im vergangenen Jahr hat sie Mangold, Spinat, Kartoffeln, Zwiebeln, Salat, Kohl, Wirsing, Fenchel, Zucchini und Rote Beete geerntet. Die Zucchiniernte fiel dermaßen gut aus, dass auch Clarissas Freundin und die Schwiegereltern davon profitierten. Ein Großteil der Mangoldernte lagert in der Gefriertruhe. „Gartenarbeit hat etwas Entspannendes und Meditatives“, sagt Clarissa, die eine Personalvermittlung für Privathaushalte betreibt. Ende April, zur Übergabe der Saisongärten bibberte sie mit Sohn Clemens bei eisigem Wind um die Wette.

Mit Hilfe des Parzellenplans hat sie die ihr zugewiesene Fläche leicht gefunden. Dort legten sie und Clemens einige Pastinakensamen in eine freie Reihe und häuften diese mit Erde an. Nach der Aussaat braucht das Saatgut etwa drei Wochen, bis es keimt. Wenn alles gut geht, kann das würzige Knollengemüse schon im September geerntet werden. Auch Erbsen, Schwarzwurzeln und Möhren möchte Clarissa dieses Jahr ernten.

Parzellen mieten

Eine 40 Quadratmeter große Kartoffelparzelle kostet 140 Euro für die Saison und eine 80 Quadratmeter große Parzelle 250 Euro. Eine Grundausstattung von Gartengeräten und Gießwasser wird vor Ort

clearing

„Viele schreckt der zeitliche Aufwand ab“, sagt Bernd Jüngling. In der Wachstumsphase sind regelmäßige Besuche, ein- bis zweimal pro Woche jedoch sehr wichtig, um einen Blick für das zarte Gemüse zu bekommen und das Unkraut zu entfernen. Die Jünglings, die selbst einen 70 Hektar großen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Grünland und Mutterkühen betreiben, nehmen die Arbeit in Kauf, weil sie die Qualität der Ernte schätzen. „Ich ernte eigenen Salat und bereite ihn frisch zu. Das ist es, was es ausmacht“, sagt Clarissa.

Da die Nachfrage nach Kartoffeln in diesem Jahr sehr groß ist, sieht der Anbauplan sechs Beete vor. Auch Karotten sind beliebt. „2016 hat es viele Kartoffelkäfer gegeben. Mein Mann und ich haben die Käfer von den Pflanzen gelesen“, sagt Clarissa. Das hat viel Zeit gekostet, doch dem Ehepaar auch Gelegenheit gegeben, Zeit miteinander zu verbringen.

Austausch mit Anderen

Im vergangenen Jahr war die gesamte Ernte derart reichlich, dass sie auf der Ladefläche eines VW-Transporters Platz gefunden hat. „Ich fahre die Ernte nach Hause und helfe beim Hacken“, erklärt Robin stolz. Die Jünglings, die selbst keinen Garten besitzen, schätzen besonders den Austausch mit anderen Saisongärtnern. „Es gibt hier nicht das Sozialgefüge wie in einem Schrebergarten“, sagt Clarissa. „Es ist zwanglos. Die Saisongärtner kommen und gehen, wie sie Lust haben.“

Nach der Ernte wird das Gemüse verarbeitet. Anfang bis Mitte Juni gibt es bereits die ersten Radieschen und Salat. Clarissa kocht gerne. Am besten schmeckt es, wenn sich die ganze Familie in der Wohnküche versammelt und die frischen Produkte gemeinsam genießt.

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