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Busbetreiber stark in der Kritik: Für Viabus wird Luft immer dünner

Von Noch mehr Gegenwind: Während die Vergabe von Buslinien im Raum Nidderau und Langenselbold aktuell gestoppt ist, muss der geplante Betreiber Viabus aus Speyer auch an anderer Stelle in Deutschland plötzlich um einen weiteren Auftrag kämpfen.
Um zukünftig noch mehr Viabusse in Nidderau und Umgebung fahren, ist noch unklar. Um zukünftig noch mehr Viabusse in Nidderau und Umgebung fahren, ist noch unklar.
Nidderau. 

31 Linien im Kreis Diepholz bei Bremen sollte Viabus aus Speyer künftig betreiben – bis der örtliche Busunternehmer Leo Wilmering der Vergabe an das Tochterunternehmer britischer Finanzinvestoren widersprach. Mit Erfolg: Die zuständige Nahverkehrsgesellschaft schloss nach erneuter Prüfung Viabus nun aus dem Verfahren aus.

Inzwischen wehrt sich Viabus gegen diese Entscheidung, berichtet die „Syker Kreiszeitung“. Doch der Fall ähnelt frappant jenem im Main-Kinzig-Kreis: Auch hier hat die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) der Viabus als günstigstem Bieter den Zuschlag für den Betrieb des Stadtbusses Nidderau sowie der Buslinien im Raum Langenselbold/Gelnhausen erteilen wollen. Derzeit läuft jedoch eine Überprüfung und das Land hat die Vergabe gestoppt. Die örtlichen Unternehmer Heuser aus Langenselbold und Stroh aus Altenstadt wehren sich gegen den Mitbewerber. Stroh-Prokurist Rolf Heuser wirft Viabus Preisdumping vor.

Darauf weisen auch die von Viabus selbst vorgelegten Finanzzahlen des Unternehmens hin: Es wirtschaftet seit Jahren stark in den Miesen und kann nur durch millionenschwere Finanzspritzen aus dem Konzern am Leben erhalten werden. Auch für das Finanzjahr 2017 hatte Viabus bereits im jüngsten Finanzbericht für 2016 die Investoren auf neuerliche, erhebliche Verluste vorbereitet.

Viabus-Geschäftsführer Heiko Schütte hatte allerdings jüngst in dieser Zeitung den Dumping-Vorwurf zurückgewiesen. Vor allem durch die Größe könne sein Unternehmen bessere Margen erwirtschaften als mittelständische Mitbewerber.

Genau bei diesen stoßen Schüttes Darstellungen erneut auf Widerspruch: „Auch durch mehrfache Wiederholung wird dies nicht wahr“, sagt Heuser.

Finanzielle Schieflage

Er hat sich inzwischen noch tiefer in den Viabus-Finanzbericht eingearbeitet – was vermutlich derzeit auch im Darmstädter Regierungspräsidium bei der Prüfung der Vergabe geschieht. Heusers Recherche zufolge habe Viabus seit 2012 Verluste von zusammengerechnet 7,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Unternehmen befinde sich „seit Jahren in einer wirtschaftlichen und finanziellen Schieflage“, so Heuser. „Jedes Privatunternehmen müsste mit solchen Zahlen Insolvenz beantragen.“

Allerdings: Immer wieder habe die Muttergesellschaft der Speyerer auf Forderungen verzichtet oder Geld in die Firma geschossen. Laut eigener Darstellung will die Muttergesellschaft Marwyn European Transport (MET) im deutschen Markt stark wachsen. Auch die Übernahme von mittelständischen Betrieben, bei denen es keine Nachfolgeregelungen gibt, ist ausdrücklicher Bestandteil dieser Strategie. Das bestätigt Dirk Schütte im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Mit solchen Marktteilnehmern können wir nicht konkurrieren, da wir vom Drauflegen nicht leben können“, erklärt Heuser. Er sieht die Verantwortung für diese Entwicklung bei der Politik, die diese Art der Auftragsvergaben festgelegt hat. Wenn die Politik es zulasse, dass Geldgeber derart den Markt verzerren könnten, indem sie reale Verluste ausgleichen, „dann können alle privatwirtschaftlichen Unternehmen einpacken.“ Mit dem Thema befasst man sich – nachdem die Berichterstattung in dieser Zeitung die Vorgänge publik gemacht hatte – inzwischen auch im Wiesbadener Wirtschaftsministerium. Landtagsabgeordneter Heiko Kasseckert (CDU) aus Langenselbold hatte sich dorthin mit der Bitte um Prüfung gewendet.

Zukunft ungewiss

Angesichts der millionenschweren Finanzspritzen warnt Heuser zugleich vor finanziellen Gefahren für die öffentliche Hand und den Steuerzahler. Denn wie lange die Konzernmutter die Viabus noch durchfüttere, sei nicht klar. Auf Nachfrage hatte Viabus-Geschäftsführer Schütte dieser Zeitung dazu keine Angaben machen können.

„Ein nicht unerhebliches Risiko“, findet Stroh-Prokurist Heuser. Zöge MET die Reißleine, könnte der Viabus-Betrieb womöglich eingestellt werden – vielleicht sogar kurzfristig.

Ähnliche Fälle hatte es bereist in den vergangenen Jahren mit anderen Busanbietern in Hessen gegeben. Dabei gab es unter anderem ganz in der Nähe im Raum Friedberg Probleme gegeben.

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