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Neues Schild erinnert an 7000 Jahre alte Skelette: Eine Tafel für die Toten in Schöneck

Es kam – zumindest in Archäologenkreisen – einer kleinen Sensation gleich: 2006 stießen die Bauarbeiter bei Erdarbeiten für die Umgehungsstraße südlich von Kilianstädten auf ein Massengrab aus der Jungsteinzeit. Nun erinnert eine Infotafel daran.
Bei der Enthüllung der Gedenktafel (von links): Arbeitskreisvorsitzender Norbert Heitzenröther und Bürgermeisterin Conny Rück. F: Jürgen W. Niehoff Bei der Enthüllung der Gedenktafel (von links): Arbeitskreisvorsitzender Norbert Heitzenröther und Bürgermeisterin Conny Rück. F: Jürgen W. Niehoff
Schöneck. 

Als im Jahr 2006 beim Bau der neuen Umgehungsstraße südlich von Kilianstädten 26 Skelette aus der Jungsteinzeit gefunden wurden, war diese Entdeckung Inhalt weltweiter Berichte in der archäologischen Fachpresse. „Die Skelette sind rund 7000 Jahre alt, aus der Zeit zwischen 5200 und 4850 vor Christus. Und sie sind Zeugnis für eine erste kriegerische Auseinandersetzung, bei denen die Menschen verstümmelt und wahrscheinlich auch gefoltert wurden. Bis dahin hatten sie, wenn überhaupt, nur einzeln gegeneinander gekämpft“, erinnert Norbert Heitzenröther bei der Enthüllung einer Gedenktafel zur Erinnerung an dieses Ereignis.

Es ist Mitglied des Arbeitskreises Ortsgeschichte Kilianstädten und kümmert sich mit seinen Vereinskollegen eigentlich um die Aufarbeitung der Ortsgeschichte von 1939 bis 1970. „Doch diesen Fund am Rande von Kilianstädten konnten wir nicht einfach links liegen lassen“, sagt Heitzenröther. Es sei doch ein Beweis dafür, dass die Menschen schon vor 7000 Jahren die Gegend um Schöneck ideal zur dauerhaften Ansiedlung empfunden hätten.

Krieg um den Boden

Der Boden unendlich fruchtbar, Wasser und Holz in unmittelbarer Nähe und vor allem der schöne Rundumblick vom Spessart bis in den Taunus. „Nicht ohne Grund wählte die Gemeinde in den 1970er-Jahren bei der Gebietsreform den Namen Schöneck. Hier ist wirklich seit jeher eine schöne Ecke“, geht Heitzenröther auf die Namensfindung ein. Die Knochen stammten von Männer, Kindern und älteren Frauen. Die gebärfähigen Frauen seien zu der Zeit von den Siegern stets mitgenommen worden, weil sie im eigenen Kral für Nachkommen sorgen konnten.

Bei der kriegerischen Auseinandersetzung sei es aller Wahrscheinlichkeit nach um den Besitz des wertvollen Bodens gegangenen. Denn die Menschen hatten gerade den Übergang von der Jagd zum Ackerbau vollzogen und suchten nach günstigen Anbaugebieten, wie die Wetterau eines war.

Vor Angreifern schützen

Die Ausgrabungen in Kilianstädten sind ein Zeugnis der frühesten bäuerlichen Gesellschaften in Mitteleuropa, der bandkeramischen Kultur. Durch die Infotafel an der durch Spaziergänger und Radfahrer stark frequentierten Freizeitroute Hohe Straße wird nun dauerhaft daran erinnert, welche Bedeutung Kilianstädten und seine Umgebung vor über 7000 Jahren in der Jungsteinzeit bereits hatte. Die Römer, die 5000 Jahre später die Gegend eroberten, bauten anschließend sogar einen Wall, den Limes, um die Wetterau, um sie vor Eindringlingen zu schützen.

Wie Heitzenröther weiter erinnert, habe die Idee der Kriege die Menschen in Europa fortan nie wieder losgelassen: „Denn in den letzten 3000 Jahren waren nur 200 Jahre ohne jeden Krieg.“ Die Arbeiten des Arbeitskreises Ortsgeschichte Kilianstädten für die Infotafel haben viel Unterstützung erfahren: Unter anderem durch die Gemeinde Schöneck und weitere Sponsoren. Darunter auch der Büdesheimer Verein „Mittelalterliches Schloss“. „Auch wir treten für den Erhalt historischer Kulturdenkmäler ein und deshalb unterstützen wir diese Aktion“, betont der Vereinsvorsitzende Björn-Magnus Becker.

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