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Eine Lyrik für das Leben

Von Anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus ist das Jugendzentrum Junity in Friedberg neue Wege gegangen – mit einem Poetry Slam. Bei den Slammern dabei war FNP-Mitarbeiter Dominik Rinkart.
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Friedberg. 

Es ist kalt und dunkel vorm Junity am Burgfeld, im Innern des Jugendzentrums hingegen leuchten schon Lichter. Die Zuhörer haben sich weitgehend bereits versammelt zum Poetry Slam anlässlich des 69. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz. Jakob Kielgaß, Student aus Marburg, steht noch draußen, schaut sich noch mal sein Manuskript an. „Alle Texte, die heute vorgetragen werden, haben mit Gedenken, Versöhnung und Toleranz zu tun“, erzählt der 27-jährige Poet.

 

Was zu machen ist

 

„Ich schreibe gesellschaftskritische Lyrik oder Lyrik fürs Leben. Ich hoffe, dass die Menschen durch die Kunst etwas mitnehmen können.“ An der Tür zum Saal begrüßen Andreas Balser (Antifa Bürgerinitiative) und Stadtjugendpfleger Lukas Hölzinger die Gäste der gemeinsamen Veranstaltung von Antifa BI, „Junity“ und Poetry Slammer Andreas Arnold. „Wir stellen zum dritten Mal eine Gedenkveranstaltung auf die Beine“, erläutert Hölzinger. „Wir fragten uns: Was können wir machen? Es gibt Jugendliche, die Interesse und einen Bezug zur Thematik haben, die es aber wenig anspricht, Gedenkveranstaltungen mit Politikern, Redebeiträgen und Kranzniederlegungen zu besuchen. Wir sagten uns: Wir können auch mal mutig neue Wege gehen.“ Arnold, der gekonnt durch den Abend führt, äußert: Er habe sofort Ja gesagt, als man ihn fragte, ob er teilnehmen wolle. „Es ist aber auch ein Riesenverantwortungsgefühl“, bekennt er. Normalerweise gehe es bei seinen Veranstaltungen flapsig und humorvoll zu. Würden die Gräuel des Holocausts, dessen Schrecken durch die Zahlen in den Geschichtsbüchern kaum greifbar seien, in lyrischen Texten aufgearbeitet, sei das berührend. Zwischen den Beiträgen der jungen Poeten las Arnold Gedichte vor, unter anderem „Bleibtreu“ von Mascha Kaleko, die in die USA emigrierte.

Jakob Kielgaß ist bald als erster an der Reihe, er liest „Nie“, einen stimmungsvollen wütenden Text, in dem es um Rassismus geht. Diana Tedros (16) aus Friedberg gibt den nachdenklichen Tagebucheintrag einer dunkelhäutigen Jugendlichen wider, die wegen ihrer Hautfarbe beschimpft wird und im vollen Bus allein sitzt. Das, obwohl Begriffe wie Toleranz und Respekt überall an erster Stelle stünden.

Info: Erinnerung an Befreiung

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag.

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FNP-Mitarbeiter Dominik Rinkart aus Karben erzählt, er habe sich bei der Vorbereitung zunächst gefragt, wie er als 21-jähriger auf „superklug und lebensweise machen“ solle. Dann las er Leserbriefe zum Thema „Armutseinwanderung“, was ihn zu dem pointierten Beitrag „Dumm ist, wer Dummes spricht“ inspirierte. Lena Noske aus Friedberg richtet in ihrem Poem ergreifende Worte an eine Frau namens Sulamith, die in Paul Celans „Todesfuge“ eine Rolle spielt, Mounir Jaber (Wiesbaden) ruft mit großer Bühnenpräsenz dazu auf, Gedanken zu ändern, um die Welt zu verändern.

 

Holocaust ein Thema

 

Tamasgol Sabbagh (21) appelliert, sich immer wieder die Geschichte in Erinnerung zu rufen, damit sie sich nicht wiederhole. Den Schlusspunkt setzt Benedict Hegemann. Stilles Gedenken hält er für den falschen Weg, da es das Handeln blockiere und zur irrigen Annahme führe, damit sei alles getan. Mit Gitarrenmusik und anrührendem Gesang umrahmt Sebastian Barwinek aus Büdingen die Gedichte, am Ende wählt das Publikum seinen Favoriten-Beitrag. Die meisten Stimmen fallen auf Tamasgols Gedicht. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist für junge Leute auch heute ein Thema, wie Diana (16) schildert: „Ich interessiere mich dafür, habe mich viel damit beschäftigt, nachdem wir es in der Schule durchgenommen haben.“
 

Der Befreiung von Auschwitz gedacht

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit veranstaltet in Kooperation mit der Stadt Bad Nauheim, Kirchen und der Jüdischen Gemeinde eine Gedenkveranstaltung aus Anlass der Befreiung des KZ Auschwitz im Jahr 1945.

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