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Stehpukt prämiert: Ein Meisterwerk als Gesellenstück

Von Dem Tischlergesellen Roman Wenzel ist gelungen, was vor ihm seit mehr als 30 Jahren niemand mehr schaffte: Für sein aufwendig gestaltetes Stehpult erhält er von der Prüfungskommission der Tischler-Innung des Wetteraukreises die Traumnote von 100 Punkten.
Für sein Gesellenstück, ein frei stehendes Stehpult, erhielt der Gronauer Schreiner Roman Wenzel 100 Punkte von der Tischler-Innung des Wetteraukreises. Foto: Christine Fauerbach Für sein Gesellenstück, ein frei stehendes Stehpult, erhielt der Gronauer Schreiner Roman Wenzel 100 Punkte von der Tischler-Innung des Wetteraukreises.
Bad Vilbel. 

„Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß, soll das Werk den Meister loben“, lautet die wohl bekannteste Zeile in Friedrich Schillers Gedicht „Lied von der Glocke“. Dieser Aussage stimmt der Gronauer Schreinergeselle Roman Wenzel seit diesem Jahr voll zu. Ist ihm doch bei der Anfertigung seines Gesellenstückes mehr als einmal der Schweiß von der Stirn gelaufen. Doch der Einsatz hat sich gelohnt, „der Segen von oben“ blieb nicht aus.

Voller Stolz präsentiert Roman Wenzel sein Gesellenstück. Lächelnd streicht er über die Oberfläche, zieht eine Schublade auf und zeigt auf den Stern im Boden der Utensilienbox. Zwei größere Sterne zieren die Abdeckplatte und die Tür seines frei stehenden Stehpultes. „Ich wollte ein ausgefallenes Gesellenstück anfertigen. Und dabei alte Handwerkskunst mit modernem Design verbinden. Nach reiflicher Überlegung bin ich auf ein Stehpult gekommen“, berichtet der Tischler-geselle.

Seine Idee nahm in sechs bis sieben Vorskizzen Gestalt an. Dann machte sich der 21-Jährige an den Aufriss. Die Fertigungszeichnung entstand von Hand mit Tusche am Zeichentisch. Anschließend stellte er ein Modell in Nussbaumfurnier ohne Einlegearbeiten her. Dann ging er optimistisch ans Werk. Bis zu 100 Arbeitsstunden gesteht die Tischler-Innung des Wetteraukreises ihren angehenden Schreinern dafür zu. Neben fachlichem Können in Theorie und Praxis gehören Fleiß, Geduld, Nervenstärke, Durchhaltevermögen und Selbstvertrauen dazu, bis das Gesellenstück fertig ist.

Wenzels Gesellenstück ist ein Schmuckstück. Sein frei stehendes Stehpult hat er mit französischem Nussbaum furniert. „Alle Furnierteile habe ich mit einem Furniermesser per Hand geschnitten. Marketerie ist der Name dieser alten Furniertechnik.“

Gronauer Betrieb in vierter Generation

Die Geschichte des Gronauer Familienbetriebes Wenzel reicht bis 1864 zurück. Damals gründete der gelernte Stellmacher Johann Kasimir Wenzel seine eigene Wagnerei.

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Dabei werden dünne Furniere zusammengefügt. Wenzel leimte die zusammengesetzten kleinen Furnierstücke auf ein nicht sichtbares Trägermaterial. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. „Nach dem Zusammensetzen der Oberfläche wird diese verklebt, gepresst, geschliffen, gewässert und getrocknet und dann nach erneutem Schleifen mit farblosem Mattlack versiegelt.“

Gründlich geplant

Die größten Herausforderungen lagen in der Furniergestaltung und der Marketerie. Hier sind Präzision und Schnelligkeit zugleich gefragt. Seine kunsthandwerklichen Fähigkeiten stellte er auch bei der Maserung seines Furniers unter Beweis.

„Die Kreuzfugen habe ich in Nussbaummaserfurnier, die Adern in Platane und die Umrandung mit schrägem Federfries in Nussbaumfurnier angefertigt. Die Sterne in Ahorn- und Platanenholz auf der Abdeckplatte, Tür und Utensilienbox sind mittig zentriert.“ Kombiniert hat er die edlen Hölzer mit modernen Verbindungsstelen aus geschliffenem, matten Edelstahl.

Perfekte Ausführung

Die sechs Mitglieder der Prüfungskommission untersuchten das Gesellenstück von Roman Wenzel mehrmals akribisch auf Fehler. Sie verglichen die Maßangaben der Fertigungszeichnung mit dem Stehpult. Sie fanden keine Fehler. Alles stimmte genau überein, war sauber und perfekt ausgeführt. Und so wurde Romans Stehpult von ihnen mit 100 Punkten bewertet. Diese Traumnote haben die Prüfer der Tischler-Innung des Wetteraukreises seit über 30 Jahren nicht mehr vergeben.

Im Rahmen ihrer Gesellenprüfung nahmen von den 28 angehenden Schreinern der Tischler-Innung des Wetteraukreises 16 am Wettbewerb die „Gute Form“ teil. Bei diesem Wettbewerb werden die gefertigten Gesellenstücke nach den Kriterien eigenschöpferische Idee, ausgeprägte Gestaltung, Gebrauchsfähigkeit, Materialauswahl, -einsatz und -kombination bewertet. Die fünf Mitglieder dieser Jury sprachen Roman Wenzel für sein Stehpult den zweiten Platz zu. Mit 89,45 Punkten wurde er zudem Dritter bei den Innungssiegern.

„Wir sind ein leistungsstarker Gesellenjahrgang. Doch nur mein Gesellenstück wurde mit 100 Punkten bewertet“, freut sich Wenzel. Nach dem Abitur 2013 lernte er im Betrieb seines Vaters Holder Wenzel zwei statt drei Jahre das Schreinerhandwerk. Jetzt will er erst einmal Berufserfahrung sammeln.

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