Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Kardiologie: EU fördert Gefäßforschung in Bad Nauheim

Der Bad Nauheimer Kardiologe Michael Potente erhält zwei Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat. Die Mittel setzen er und sein Team für die Forschung an Blutgefäßen ein.
Michael Potente und sein Team erforschen Blutgefäße. Dafür erhalten sie nun eine Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro. Michael Potente und sein Team erforschen Blutgefäße. Dafür erhalten sie nun eine Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro.
Bad Nauheim. 

Der Kardiologe Michael Potente, Leiter der Arbeitsgruppe „Angiogenese und Metabolismus“ am Bad Nauheimer Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, erhält einen der prestigeträchtigen sogenannten „Consolidator Grants“ des Europäischen Forschungsrates (ERC). Der ERC stellt dem Wissenschaftler in den kommenden fünf Jahren zwei Millionen Euro für seine Forschung an Blutgefäßen zur Verfügung. Potente ist zum zweiten Mal mit einem Projektantrag beim ERC erfolgreich: 2012 wurde er bereits ausgezeichnet.

Die Ausschreibungen des ERC sind im hohen Maße kompetitiv: Nur rund jeder Zehnte der eingereichten Anträge wurde positiv beschieden. Wie der ERC mitteilt, zielt das Programm auf „exzellente Wissenschaftler, deren eigene unabhängige Arbeitsgruppe sich in der Konsolidierungsphase befindet“.

Besonderer Stoffwechsel

Potente befasst sich vor allem mit der Zellschicht, die Blutgefäße von innen auskleidet. In den vergangenen Jahren konnte er zeigen, dass diese als Endothel bezeichneten Zellen einen besonderen Stoffwechsel besitzen, der für Wachstum und Funktion von Blutgefäßen unerlässlich ist.

Allerdings unterscheidet sich das Endothel von Organ zu Organ: „Im Gehirn beispielsweise sind Endothelzellen besonders eng miteinander verbunden und bilden die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, durch die nur bestimmte Moleküle passieren können. Im Gegensatz dazu ist das Endothel in der Leber sehr durchlässig und stellt auf diese Weise die Entgiftungsfunktion der Leber sicher“, erklärt Potente.

Dabei ist bislang ungeklärt, wie die je nach Organ unterschiedliche Arbeitsweise des Gefäßendothels festgelegt wird. Mit den nun zur Verfügung stehenden ERC-Mitteln will Potente sich dieser Fragestellung annehmen und den Einfluss des Organmilieus auf die Spezialisierung von Endothelzellen untersuchen. Sein Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Stoffwechsel, Epigenetik und der Spezialisierung von Zellen zu erhellen.

„Wir vermuten, dass es organspezifische Unterschiede beim Stoffwechselzustand der Gefäßwandzellen gibt. Durch eine veränderte Epigenetik fördern diese Unterschiede die Spezialisierung und tragen damit zur Ausbildung lokaler Unterschiede im Gefäßsystem bei “, erläutert Potente. Mit einer Kombination aus modernsten molekularbiologischen und biochemischen Verfahren sowie hochauflösender Bildgebung möchten Potente und sein Team die Rolle dieser Mechanismen für organspezifische Blutgefäßfunktionen analysieren.

Wenn das Organ versagt

Ein Schwerpunkt in Potentes Forschungsprojekt werden dabei mögliche Veränderungen in der Funktion des Gefäßendothels im Zusammenhang mit Fettleibigkeit oder zunehmendem Alter darstellen.

„Wir möchten erforschen, welche Stoffwechselprodukte die epigenetischen Programme derart verändern, dass das Endothel nicht mehr richtig funktioniert und im schlimmsten Fall das Organ versagt“, sagt Potente. Ihre Forschung könnte damit zu einem besseren Verständnis von Gefäßerkrankungen beitragen, die durch Veränderungen im Stoffwechsel hervorgerufen werden.

(red)

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse