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Fluss erobert die Natur zurück: Durch Renaturierung der Nidder bald nur noch natürliche Flussläufe

Von Ab Herbst soll die kanalisierte Nidder in Gronau wieder einen natürlichen Flusslauf erhalten. Im Ortsbeirat werden nicht nur die Pläne vorgestellt – eindrucksvolle Nidda-Impressionen aus der Luft und unter Wasser zeigen, was in der renaturierten Nidder bald entstehen wird.
Abendliches Idyll an der renaturierten Nidda bei Gronau: solch eine ursprüngliche Flusslandschaft mit Brutgebieten für Vögel soll es demnächst auch entlang der benachbarten Nidder geben. Die Pläne dafür werden im Gronauer Ortsbeirat vorgestellt. Foto: Dieter Deul Abendliches Idyll an der renaturierten Nidda bei Gronau: solch eine ursprüngliche Flusslandschaft mit Brutgebieten für Vögel soll es demnächst auch entlang der benachbarten Nidder geben. Die Pläne dafür werden im Gronauer Ortsbeirat vorgestellt.
Bad Vilbel. 

„Das ist eine Barbe!“, ruft der Gewässerökologe Gottfried Lehr in den Kolleg-Saal der Gronauer Breitwiesenhalle. Dort läuft während der Ortsbeiratssitzung ein von ihm gedrehtes Unterwasservideo von der Nidda. Die Szene wirkt wie in einem Aquarium, ständig huschen Amphibien vorbei: Elritzen, Rotaugen, Grünlinge, Bitterlinge, Barsche und Schneider.

Gleich danach geht es weiter mit großem Flusskino. Hansgeorg Jener, der mit seiner Gerty-Strohm-Stiftung die Nidda-Renaturierung maßgeblich finanziert hat, stellt deren Erfolge in einem Film vor. Der Dortelweiler Andreas Barowski liefert dafür faszinierende Luftaufnahmen von der ins Grüne mäandernden Nidda, die die frühere „Autobahn für Wasser und Schadstoffe“ ablöste. Heute gebe es 30 statt fünf Fischarten, die Renaturierung stehe der „Stadt der Quellen“ gut an.

Gut zum Laichen

„Die Gronauer haben das verdient“, sagt Jehner zum Ort der Filmpremiere. Dort habe man „in weitem Maße mitgewirkt, von den Anglern bis zu den Landwirten. Der Film wird am 1. Juli auch beim Uferfest der Gronauer Angler zu sehen sein. Die beiden Filme sollen werben für die möglicherweise ab Herbst beginnende Renaturierung der Nidder auf 1, 8 Kilometern von der Gemarkungsgrenze zu Niederdorfelden bis zur Mündung in die Nidda. Auf Luftbildern könne man noch erkennen, wie die Nidder einst in Schleifen und Altarmen verlaufen sei, sagt Gewässerökologe Lehr. In der Urzeit sei sie bis in die heutige Dortelweiler Straße geflossen. Noch heute gibt es Flächen, die überflutet werden können, wie das Naturschutzgebiet Großer See.

Info: Stiftung gestaltet die Nidda neu

Die Gerty-Strohm-Stiftung hat die Nidda-Renaturierung in Bad Vilbel maßgeblich mitgestaltet und finanziert, Ende 2012 den Flusslauf an der Neuen Mitte.

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Eine Besonderheit der Nidder sei, dass es dort wenig Kiesbänke und Sande gebe, eine Voraussetzung für Laichplätze von Fischen. Das liege auch daran, dass es dort alte Mühlgräben gebe, die trogförmig ausgehoben wurden. Was fehle, seien Flachufer. In der Ortslage Gronau sei die Nidder auch massiv mit Steinen befestigt, so Lehr. Die werden auch bleiben, denn ausgeweitet wird der Fluss nur auf der der Bebauung entgegengesetzten Seite. Dort werden die Steine entfernt, der Fluss kann sich in das Naturschutzgebiet Alter See ausbreiten.

Um drei Meter verbreitert

Die abgetragenen Steine werden im Fluss selbst als Buhnen eingebaut, um die Strömung zu verbessern und damit auch den Sauerstoffeintrag in den Fluss. Von der Nidderbrücke am Ortsausgang nach Rendel verläuft ein Damm, der um 20 Meter zurückverlegt werden soll. Das Ufer wird dort abgeflacht, erläutert Lehr. Das Bachbett der Nidder wird maximal drei Meter verbreitert, was auch den Wasserstand geringer macht.

Ein Teilbereich werde allerdings als „Denkmal, wie man mit dem Fluss nicht umgeht“ erhalten bleiben, so Lehr. Ein Bereich zwischen Spielplätzen, Bebauung und dichtem Ufergehölz sei nur mit unverhältnismäßigem Aufwand zu renaturieren. Auch an der Nidderspitze sollen Buhnen die Strömung bremsen. Das geht auch, indem einfach ein abgestorbener Baumstamm in den Flusslauf ragt, erläutert Lehr.

Los gehen soll es mit der Renaturierung möglicherweise im Herbst, vielleicht auch erst nächstes Frühjahr, erläutert Jehner, dessen Gerty-Strohm-Stiftung eine nicht genannte Summe in das Projekt investieren will. „Hauptsache, es wird gemacht“, betont Jehner.

Zudem habe die Stiftung derzeit einen Streit mit dem Bundesfinanzhof wegen Steuerbeträgen, sagt er. Auch die Gestaltung der Zugangsbereiche ist noch offen. Aussichts-türme sollen dort den Blick auf die unberührte, natürliche Landschaft ermöglichen.

Die Aussichtspunkte, so Jehner, seien an der Nidda gleich eingeplant worden – mit der Folge, dass dort die rasch wachsende Vegetation mit Bäumen den Blick verstellten. Jetzt will man erst einmal abwarten, wo sich Freiräume öffnen. Nach Beendigung der Renaturierung wird Gronau nun der erste Bad Vilbeler Stadtteil sein, in dem die großen Fließgewässer Nidda und Nidder vollständig renaturiert sein werden, freut sich Lehr.

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