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Der Ritterweiher ist ohne Schlamm – und soll es bleiben

Die im Frühjahr 2013 begonnene Entschlammung des Ritterweihers ist erfolgreich abgeschlossen. Und dies ganz ohne das übliche Verfahren des Ausbaggerns.
In ihrem Element: Die Taucher Sylvia Otto und Wolfgang Ley.	Foto: Privat In ihrem Element: Die Taucher Sylvia Otto und Wolfgang Ley. Foto: Privat
Bad Vilbel. 

Mit einer neuen Methodik wurde die dringend notwendige Entschlammung des Ritterweihers nicht nur umweltschonend durchgeführt. Es wurden auch gegenüber dem herkömmlichen Verfahren durch Ausbaggern und Entsorgung des Schlamms auch noch 40 000 Euro eingespart.

„Um einen teuren und für das Biotop schwerwiegenden Eingriff durch Ausbaggern zu vermeiden, wie es zuletzt vor 22 Jahren durchgeführt wurde, kam auf Anregung des Angelsportvereins Bad Vilbel und nach intensiver Prüfung durch unseren Fachdienst das sogenannte Drausy-System zur Anwendung. Über die Dauer von neun Monaten wurde dem Schlamm per Schlauch Sauerstoff zugeführt, der, ähnlich dem Prinzip in einer Kläranlage, für den Abbau des organischen Schlamms gesorgt und die Wasserqualität damit deutlich verbessert hat. Damit bietet der Ritterweiher für die Pflanzen- und Tierwelt eine bessere Lebensgrundlage“, freut sich Peter Büttner vom städtischen Fachdienst Tiefbau/Abwasser über das Ergebnis.

Bakterien als Helfer

Auf dem Grund des Ritterweihers wurde ein 500 Meter langer Schlauch verlegt, über den kontinuierlich und gleichmäßig der abgelagerte Schlamm belüftet wird. „Das Schlauchsystem wird von einem Kompressor und einem nachgeschalteten Druckbehälter mit Druckluft gespeist. Der Kompressor läuft in einer Stunde sechs Mal jeweils drei Minuten lang. Dadurch wird eine kontinuierliche Abgabe der Druckluft über 24 Stunden erreicht. Der organische Schlamm wird durch die feinblasige Belüftung mit Sauerstoff angereichert, und auch die Mikroorganismen in den tieferen Sedimentschichten werden dadurch angeregt, die noch vorhandenen organischen Stoffe abzubauen“, erläutert Büttner das Verfahren.

Die regelmäßigen Messungen der Firma Drausy zeigten, dass seit dem Beginn der Belüftung im April 2013 ausreichend Sauerstoff im Sediment eingelagert wurde, damit sich genügend natürliche Bakterien bilden konnten. Die mineralisierten den vorhandenen organischen Schlamm – das ist vergleichbar mit einer Kompostierung.

Die Messungen zeigten auch, dass im Verlauf der Aktion die Abnahme des Sauerstoffgehaltes immer geringer ausfiel, weil immer weniger Schlamm umgesetzt wurde. Die Bakterien bekamen immer weniger Nahrung.

Die Messungen im Dezember 2013 zeigten schließlich einen Anstieg des Sauerstoffgehaltes. „Das war der Hinweis dafür, dass die Bakterien die organischen Stoffe vollständig verwertet hatten und der organische Schlamm im Sediment durch die Mikrobiologie mineralisiert wurde“, so Büttner. Wie bereits zu Beginn der Arbeiten geplant, organisierte der Angelsportverein Bad Vilbel nun die abschließende Kontrolle der Schichtdicken des Sedimentes durch Taucher des Bad Vilbeler Tauchclubs Triton. Sylvia Otto und Wolfgang Ley, beide Tauchlehrer des Tauchclubs, hatten sich nach Ansprache durch den Angelsportverein sofort bereiterklärt, die Stadt und den Angelsportverein unentgeltlich bei dieser Aktion zu unterstützen.

Weiter belüften

„Die Taucher konnten augenscheinlich unsere Messungen bestätigen: Die vor dem Einsatz des Drausy-Systems teilweise bis zu einem dreiviertel Meter dicke Schlamm- und Sedimentschicht konnte großflächig umgewandelt und reduziert werden. In über der Hälfte des Ritterweihers ist nur noch eine Sedimentschicht von unter zehn Zentimetern übriggeblieben, ein voller Erfolg des ungewöhnlichen Verfahrens“, bilanziert Büttner das Projekt.

Um eine erneute Verschlammung nachhaltig zu verhindern, wird jetzt für die besonders betroffenen Bereiche des Ritterweihers eine kostengünstige Dauerbelüftung auf gleicher technischer Basis zum Einsatz gebracht. „Der Angelsportverein begrüßt ganz ausdrücklich diese zusätzliche Maßnahme, da damit auch im Sommer der Sauerstoffgehalt im Ritterweiher auf normalem Niveau gehalten werden kann“, so Herbert Anders, Vorsitzender des Angelsportvereins Bad Vilbel. „Ein innovatives und spannendes Verfahren, das den Ritterweiher mit all seinen Tieren und Pflanzen, sicherlich zur Freude aller Bad Vilbeler, zu einer neuen Schönheit werden lässt“, sind sich Büttner und Anders einig.

(fnp)
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