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80. Geburtstag: Däumchendrehen ist nichts für Hassia-Seniorchef Günter Hinkel

Von Heute (14. November) feiert der Hassia-Seniorchef Günter Hinkel seinen 80. Geburtstag. Er hat nicht nur den Brunnenbetrieb in die Bundesliga der Branche geführt und in Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern neue Betriebe aufgebaut, sondern auch in der ganzen Stadt mit seinem Engagement das soziale Leben bereichert: vom Haus der Begegnung bis zum Quellenfest, vom Römerspielplatz bis zum Brunnen- und Bädermuseum. Doch Däumchendrehen ist für den Pensionär keine Option. Noch immer widmet er sich intensiv den Hassia-Immobilien und der Historie des Familienbetriebs.
Hassia-Seniorchef Günter Hinkel wird heute 80 Jahre alt. Foto/Repro: Dieter Deul Hassia-Seniorchef Günter Hinkel wird heute 80 Jahre alt. Foto/Repro: Dieter Deul
Bad Vilbel. 

Günter Hinkel ist inzwischen – und immer noch – der älteste und langjährigste Mitarbeiter des Familienunternehmens Hassia in fünfter Generation. Doch auch er hat klein angefangen. Unvermeidlich wuchs er mit dem Betrieb auf, denn sein Elternhaus am Marktplatz, in dem heute das Restaurant Centro untergebracht ist, lag direkt neben dem Betriebsgelände auf dem heutigen Marktplatzzentrum. Zwei Familien wohnten damals in dem Haus Frankfurter Straße 2: Hinkels Vater Wilhelm im Erdgeschoss, dessen Bruder Otto im ersten Stock mit dem Keller als Luftschutzbunker.

1970 übernimmt der junge Günter Hinkel von seinem Vater die Geschäftsführung. Seine Laufbahn begann 1962 als Assistent der Geschäftsleitung. Bild-Zoom
1970 übernimmt der junge Günter Hinkel von seinem Vater die Geschäftsführung. Seine Laufbahn begann 1962 als Assistent der Geschäftsleitung.

Dicht gedrängt stapelten sich auf dem Gelände die Holzkisten, für deren Reparatur er als kleiner Junge jeweils zehn Pfennig bekam. Für die Hebelverschlüsse auf den Flaschen gab es einen Pfennig, erinnert er sich. Wo es heute nur noch vollautomatisierte Abfüllanlagen gibt, waren die Füllanlagen damals umlagert von Arbeitern. Meistens Frauen, erzählt Hinkel. Damals waren zehn Mitarbeiter nötig, heute drei Beschäftigte für die sechs- bis achtfache Menge an Flaschen.

Risiko eingegangen

Aber auch das Stadtbild von Bad Vilbel stand damals ganz im Zeichen der Brunnenindustrie. Von den meist kleineren 33 Brunnenbetrieben vor dem Zweiten Weltkrieg waren in den 50er-Jahren noch 21 übrig, die sich in der Innenstadt verteilten. „Anfang der 50er war da im Sommer der Teufel los, ganz Vilbel hat Kopf gestanden.“ Denn das Wassergeschäft war ein saisonales – und es gab wenig Lagerkapazitäten.

Die Folge: Lastwagenkolonnen der Spediteure belagerten die ganze Parkstraße, Wartezeiten von 20 Stunden seien damals nicht selten gewesen. Im Winter habe sich das Geschäft dann gewandelt: die saisonal arbeitslosen Wasserhändler fuhren Kohle aus. In einem Wintermonat wurden nur drei Prozent des Jahresumsatzes gemacht. Das änderte sich in den 1960er-Jahren. Da war Günter Hinkel schon voll in der Firmenverantwortung. Direkt nach seinem Hochschulabschluss in Betriebswirtschaftslehre begann seine Laufbahn 1962 als Assistent der Geschäftsleitung. Damals hatte das Unternehmen 200 Mitarbeiter, heute sind es tausend. Mit 30 übernimmt er die Firmenleitung von seinem Vater Wilhelm. Die erste große Entscheidung fällt er 1972 mit der Verlegung des Firmensitzes in die Gießener Straße.

Seit 2007 Ehrenbürger

Günter Hinkels Engagement prägt das soziale Leben in der Stadt mit der Nidda-Renaturierung (seit 1989), dem historischen Ziehbrunnen am Alten Rathaus und dem Granitkegel vor der Volksbank

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„Das hat in einem Jahr zehn Millionen D-Mark gekostet, das war auch unser damaliger Jahresumsatz“, sagt er. Eine riskante Entscheidung, aber die richtige. „Ich hatte unser altes Grundstück verkauft – das wäre nicht nötig gewesen.“

Denn damals, in den frühen 70er-Jahren, zieht der Mineralwasserkonsum plötzlich an – befördert durch die entstehende Gesundheitswelle und den Alkoholverzicht beim Autofahren, vermutet er. Doch der Umsatzzuwachs ist nur ein Teil des Hassia-Erfolgskonzepts. Der andere sind die Zukäufe: In Bad Vilbel, wo es weiterhin noch 30 Quellvorkommen im Stadtgebiet gibt, bestehen nur noch die 1982 fusionierten Hassia & Luisen-Brunnen, 17 Betriebe wurden sukzessive übernommen. Aber stets durch freundschaftliche Kontakte, „wir mussten niemand überreden“, betont Hinkel.

Leidenschaft für Architektur

Als größte Herausforderung hat er Anfang der 1990er den Aufbau in Ostdeutschland erlebt. Die Neugründung des Lichtenauer Brunnens in Sachsen, das war „zwei Jahre wilder Osten, wir waren manchmal zwölf Stunden auf der Autobahn unterwegs“, so Hinkel, dessen zweite Leidenschaft neben dem Wasser die Architektur ist.

Er hat den neuen Brunnenbetrieb, halb so groß wie der Stammsitz, maßgeblich konzipiert und in nur acht Monaten bauen lassen. Ähnlich schnell ging es beim 2009 eröffneten Haus der Begegnung (HdB). Das Haus steht für Hinkels soziales Engagement, die Hassia gibt jährlich eine sechsstellige Summe für Kultur- und Vereinsförderung aus. Damals klopfte Ehrenbürgermeister Günther Biwer an die Tür, er suchte seit Jahren vergeblich ein Domizil für eine Begegnungsstätte.

Ob es drei oder vier Jahre dauere, bis die Spenden zusammenkommen, fragte Biwer. Am Ende war es bloß ein Jahr – und das HdB steht dort, wo früher Glasflaschen klirrend über Förderbänder ratterten. Doch es gibt noch viel mehr Attraktionen, die dank Hinkels Initiative entstanden sind: Römermosaik, Quellenfest, das Brunnen- und Bädermuseum, ein Lieblingsprojekt des Jubilars.

Der möchte eigentlich gar nicht viel darüber reden, lieber handeln. Dass überhaupt zu seinem Geburtstag groß berichtet wird, „muss das sein?“, fragt er ohne Koketterie. Denn er hat die großen Linien im Blick, spürt die Verpflichtung der Geschichte, „weil unser Stammbaum in Bad Vilbel bis 1550 zurückgeht“ – 20 Generationen. Auch Hassia ist nach 153 Jahren noch in der fünften Generation ein Familienunternehmen. Das motiviert Hinkel: „Däumchendrehen ist nichts für mich“, sagt er und findet, Arbeit und Engagement halten auch im Alter fit. Dass er sich weiter um die Immobilien von Hassia kümmert, die Strategie des Unternehmens und nicht zuletzt eine akribisch angesammelte Firmen-Historie – das lässt wenig Freizeit übrig.

Schmunzelnd erinnert sich Hinkel an seine Verabschiedung vor 15 Jahren, als er die Geschäfte an Sohn Dirk übergab. Ein Mainzer Fastnachtsredner lobte den Ruhestand als eine Kutschfahrt in die Dauerfreizeit – „aber am Montag war ich wieder da“ – im Büro. Es gebe seit kurzem eine Verabredung mit seiner Frau Monika: „Den Freitagnachmittag halte ich mir frei“, sagt er.

Die damals passionierte Tennisspielerin war auch der Grund, weswegen Hinkel 1959 mit 22 Jahren den Tennisclub Bad Vilbel gründete, damals mit 20, heute 800 Sportlern. Sohn Dirk übernahm 2000 die Leitung des Clubs, brachte ihn in die Hessenliga. Bis 2016 stand Günter Hinkel selbst noch auf dem Court. Anstelle von Tennis geht er gelegentlich golfen – und auch in das firmeneigene Fitnesscenter.

Und wenn dann noch Zeit bleibt, gibt es Spaziergänge mit seiner Frau und Erholung im Ferienhaus auf der Nordseeinsel Langeoog. Seine bescheidenen Wünsche: „Eine gesunde, harmonische Familie und eine erfolgreiche Firma. Aber ich werde nichts Neues anfangen, das hat mir meine Frau verboten.“ Und statt Geschenke sollen seine Geburtstagsgäste für soziale Einrichtungen in Bad Vilbel und die Kinder von Tschernobyl spenden, „da ist die Nahrung immer noch verseucht“.

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