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Temperatur-Spitzenwerte: Bad Nauheim ist Deutschlands Hitzehauptstadt

Viermal holte das Städtchen in der Wetterau bislang den bundesweiten Hitze-Tagesrekord. Für die Einwohner ist das ungewohnt – sie machen aber das Beste draus. Und Abkühlung ist ja auch nicht so richtig in Sicht.
Zwei Frauen sitzen in Liegestühlen und genießen die Brise vom Gradierwerk im Gesundheitsgarten. Foto: Andreas Arnold (dpa) Zwei Frauen sitzen in Liegestühlen und genießen die Brise vom Gradierwerk im Gesundheitsgarten.
Bad Nauheim. 

Bad Nauheim war in den vergangenen Wochen mehrfach die heißeste Stadt Deutschlands. Da ist es hilfreich, dass sie als „Gesundheitsstadt“ besondere Erfrischungen im Angebot hat. Kneipp-Becken etwa, in denen sich gerade eine Gruppe Schüler abkühlt und erleichterte Stoßgebete ausruft. Einige Meter weiter ist es für eine Frau „ein Träumchen“, die frische Meeresbrise einzuatmen, die ein Gradierwerk produziert. Viermal während der nun langsam abebbenden Hitzewelle lag Bad Nauheim an der Spitze der wärmsten Orte der Republik: am 23. Juli mit 32,7 Grad, dann am 25. Juli mit 37,1 Grad, am 2. August mit 35,8 Grad und zuletzt am Samstag mit 37,1 Grad.

„Noch nie erlebt“

An ähnliche Temperaturrekorde in Folge könne man sich jedenfalls nicht erinnern, heißt es aus dem Rathaus der Wetterau-Stadt. Vielleicht ausgenommen die Super-Sommer 2003 und 2006. Ein Rentner auf dem Weg ins nahe gelegene Wellenbad sagt: „Ich bin Jahrgang ’30. Bisher haben wir solche Temperaturen noch nicht gehabt.“

Ein anderer langjähriger Bad Nauheimer weiß von heißen und schwülen Sommern schon im vergangenen Jahrtausend zu berichten. Da ist gut dran, wer am Johannisberg über der Stadt wohnt – während sich in der Talaue in Richtung der Nachbarstadt Friedberg die Hitze schon früher gerne staute. Der vierfache Hitze-Tagesrekord sei mehr als ein Zufall, sagt Meteorologe Thore Hansen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Es sei aber schwierig, den genauen Grund zu ermitteln. Die geografische Lage allein könne jedenfalls nicht den Ausschlag geben – da seien südlicher gelegene Städte eher Kandidaten für Hitze-Spitzenplätze. Vielleicht werde die Wärme an der Wetterstation nicht ganz so gut abgeführt. Auch Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung könnten Einfluss auf die Temperaturen haben.

So hatte ein DWD-Kollege bereits Ende Juli erklärt, dass die rund um die Stadt gelegenen trockenen Böden abgeernteter Getreidefelder die Hitze quasi anziehen. Bad Nauheim liegt am Fuß des Taunus und öffnet sich zur Wetterau, der Kornkammer Hessens. Der Wetterexperte betonte aber auch: „Bei diesen Tagesrekorden spielt manchmal ein Zehntel Grad die entscheidende Rolle – das liegt dann am Lokalklima oder ob es während der Messung vielleicht gerade einen Windstoß gab.“

Eine leichte Brise

Eine leichte Brise weht auch entlang der Gradierbauten, die bei den schwitzenden Bad Nauheimern dieser Tage besonders beliebt sind. Auf Bänken oder in Strandkörben atmen sie die simulierte Meeresluft ein und lassen sich von einem kühlen, salzigen Wassernebel einhüllen. Möglich macht es die Funktionsweise der großen Holzbauwerke: Salzhaltiges Wasser tröpfelt meterhohe Wände aus Reisigbündeln hinab, zerstäubt und verdunstet.

Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben derweil alle Hände voll zu tun, Parks, Straßenbäume und anderes städtisches Grün über die Trockenheit zu retten. In durchschnittlich warmen Sommermonaten würden täglich bis zu 100 000 Liter aus zwei Bewässerungsfahrzeugen verbraucht, teilte Stadtsprecherin Linda Dönges mit. „In diesem Jahr ist ein drittes Bewässerungsfahrzeug dazugekommen, um der Hitze zu begegnen.“ Auch die Feuerwehr helfe mit, den Durst von rund 700 jungen Straßenbäumen zu löschen.

Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) nimmt die Hitzerekorde „ohne Erstaunen zur Kenntnis“. Das meint er augenzwinkernd und fügt entsprechend hinzu: „Denn Bad Nauheim – und die Bad Nauheimerinnen und Bad Nauheimer wissen das – ist ja ganzjährig „heißeste“ Stadt Deutschlands. Ein Besuch ist daher immer wärmstens zu empfehlen.“

Meteorologen haben mittlerweile nachhaltige Abkühlung im Blick – nicht nur für die Hitze-Rekordler. In Hessen soll es am Mittwoch zwar wieder heiß werden. Spätestens gegen Ende der Woche werden die Temperaturen aber wohl zunächst nicht mehr auf über 30 Grad steigen.

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