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Nahverkehr: Ab Montag fahren mehr Vilbusse

Verspätungen und eine ruppige Fahrweise: Weiterhin reißen die Beschwerden über den neuen Vilbus-Fahrplan nicht ab. Doch das hat Wirkung: Ab Montag testen die Stadtwerke ein neues System.
Kommt der Bus oder kommt er nicht? Die Stadtwerke wollen Änderungen vornehmen. Foto/Archivfoto: Degelmann/Mag Bilder > Kommt der Bus oder kommt er nicht? Die Stadtwerke wollen Änderungen vornehmen. Foto/Archivfoto: Degelmann/Mag
Bad Vilbel. 

Ratlos blickt sich die ältere Frau an der Bushaltestelle am Südbahnhof in Bad Vilbel um. „Ich weiß überhaupt nicht, wo der 61er abfährt“, sagt sie hilflos. „Vorgestern stand ich drüben in der Kasseler Straße, da fuhr er hier ab. Jetzt stehe ich hier und habe ihn gerade drüben abfahren sehen. Ich weiß gar nicht, wie ich jetzt nach Hause kommen soll.“

Kein Einzelfall. Auch andere Fahrgäste lassen an diesem Nachmittag am Südbahnhof kaum ein gutes Haar am neuen Vilbus-Konzept. Eine Katastrophe sei das, schimpft eine Frau mittleren Alters, die ihren Namen nicht nennen will. Mehrfach pro Woche sei sie mit den Fahrzeugen unterwegs, erzählt sie. Aber: „Der 61er fällt permanent aus. Oder die Busse sind zu spät. Ich sitze schon wieder eine Stunde da und weiß nicht so richtig, wann der Bus kommt. Dafür, dass die Preise so happig sind, sollte man sich eigentlich auf den Bus verlassen können.“

Auf anderen Linien sieht es offenbar kaum besser aus. Er fahre täglich mit der Linie 64 von Dortelweil und müsse dann in die Linie 30 nach Frankfurt umsteigen, berichtet ein Student. „Aber der Bus aus Dortelweil kommt immer zu spät, so zehn Minuten, da verpasse ich meistens den Anschlussbus.“

Eine Stunde warten

Claudia Weber aus Bad Vilbel hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie fährt regelmäßig per Bus nach Gronau: „Durch die neue Taktung plus weitere Verspätung des 64er-Busses von Dortelweil nach Bad Vilbel muss ich drei- bis vier Mal in der Woche eine Stunde auf den nächsten Anschlussbus nach Gronau warten, da dieser nicht mehr erreicht wird an der Friedberger Straße“, schreibt sie in einer E-Mail an diese Zeitung.

Auch mit den Fahrplänen haben einige Fahrgäste Probleme. „Die stimmen überhaupt nicht überein“, ärgert sich eine ältere Frau, die an diesem Nachmittag ebenfalls am Südbahnhof steht. Laut Fahrplanheft solle der Bus in der Friedberger Straße zwölf Minuten nach der vollen Stunde losfahren, erzählt sie: „An der Haltestelle selbst steht aber, dass er um 18 nach losfährt.“ Auch sie spricht von verspäteten Bussen. Und sie klagt über den Fahrstil mancher Buslenker: „Die fahren eher ruppig.“

Nutzer der sozialen Medien bestätigen das. „Ich bin erst heute mit der Linie 62 gefahren, es war wie eine Achterbahnfahrt“, schreibt beispielsweise Christian Ronneburger. „Man muss da zum Teil echt Angst haben.“ Kritik am Busverkehr kommt auch von Sven Ziemke: „Also für eine Kurstadt ist das schon eine Unverschämtheit! Zudem sollte man mal im Rathaus überlegen, ob man nicht ein anderes Busunternehmen einsetzen sollte.“

Die Stadtwerke Bad Vilbel räumen Probleme im Vilbus-Verkehr ein. Die Störungen hätten in den vergangenen Wochen „zu erheblichen Unannehmlichkeiten und Kundenbeschwerden geführt“, heißt es in einer am gestrigen Freitag veröffentlichten Pressemitteilung. „Seit Umstellung auf die neuen Fahrzeuge Anfang Dezember hatten die Verspätungen massiv zugenommen.“ Ursache dafür seien der Berufsverkehr und damit verbundene Verkehrsbehinderungen morgens und abends. Besonders schlimm sei es an der Kreuzung Friedberger Straße/Büdinger Straße und am Kreisel in Dortelweil, sagt Rüdiger Milke, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke: „Da fahren wir uns regelmäßig Verspätungen ein. Das hat gerade in jüngster Vergangenheit massiv zugenommen.“

Eine Folge sei, dass man den Fahrplan nicht mehr habe einhalten können, erklärt Milke. Hintergrund dafür seien wohl der steigende Pendlerverkehr nach Frankfurt sowie die Tatsache, dass viele Fahrer bei Behinderungen auf der A 5 und der B 3 auf die Route durch Bad Vilbel auswichen.

Unternehmen hat reagiert

Befürchtungen, dass der Vilbus-Betreiber Viabus, der tief in den roten Zahlen steckt (wir berichteten), kurzfristig den Betrieb einstellen könnte, weisen die Stadtwerke jedoch zurück: „Es gibt für uns keinen Anlass, von diesem Sachverhalt auszugehen. Die Probleme im Bad Vilbeler Busverkehr sind der zunehmend angespannteren Verkehrslage geschuldet“, antwortet Geschäftsführer Ralph Frank auf eine entsprechende Anfrage.

Inzwischen hat das Unternehmen auf die Beschwerden über Verspätungen reagiert. Bereits Anfang Januar habe man auf den Linien 60 und 64 testweise einen dritten Bus eingesetzt, „um die schlimmsten Verwerfungen abzufangen“, heißt es in der Pressemitteilung. Ab Montag gelte nun ein neuer Fahrplan. Zu den Hauptverkehrszeiten – also montags bis freitags zwischen 6.30 und 9.30 Uhr sowie zwischen 14.30 und 18.30 Uhr – verkehrt künftig ein dritter Bus. „Dadurch können wir Puffer einbauen, wenn wir verspätet ankommen, und schaffen es so, die Pünktlichkeit um einiges zu erhöhen“, erklärt Rüdiger Milke.

Der Nachteil: Zu diesen Zeiten enden die Busse der Linie 64 jetzt am Südbahnhof und fahren nicht sofort weiter in die Innenstadt beziehungsweise zum Heilsberg. Diese direkte Verbindung sei künftig nur noch außerhalb der Hauptverkehrszeiten und am Samstag möglich. Für manche Fahrgäste aus Dortelweil sei das natürlich ein Nachteil, bedauert Technik-Leiter Milke: „Aber wir können das nicht anders regeln.“

Laut Fahrplan ist nun vorgesehen, dass die Fahrer der 64er-Busse am Südbahnhof eine Pause von rund 20 Minuten einlegen, um dann die nächste Tour auf den Heilsberg zu übernehmen. Ist der Bus unpünktlich, fällt die Unterbrechung allerdings aus. Die Stadtwerke: „Die aktuellen Erfahrungen zeigen, dass aufgrund der verkehrsbedingten Fahrzeitverzögerung teilweise deutlich weniger bis gar keine Zeit für eine Pause verbleibt.“

Der neue Fahrplan der Linie 64 ist ab sofort im Internet unter „www.sw-bv.de“ abrufbar. Auch in der VilApp wird darauf hingewiesen, ebenso an den Haltestellen.

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