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Bei den Kleintierzüchtern ist Ruhe eingekehrt: 100 verendeten Tieren gefunden: Den Schock überwunden

Von Ein halbes Jahr ist vergangen, seit auf dem Gelände des Kleintierzüchtervereins Bad Vilbel (KTZV) über hundert verendete Tiere gefunden wurden. Der Täter wurde bereits verurteilt und aus dem Verein entlassen (wir berichteten). Nun ist wieder Normalität auf dem idyllischen Gelände eingekehrt. Den Züchtern ist bewusst, wie viel Verantwortung und Aufwand ihr Hobby und der Tierschutz fordern. Doch für die Tiere hätten heute immer weniger Menschen Interesse.
Katharina Vömel beschäftigt sich gerne mit den Tieren. Bilder > Katharina Vömel beschäftigt sich gerne mit den Tieren.
Bad Vilbel. 

Die Idylle beginnt wenige Meter hinter dem Bahndamm, wo der Kleintierzuchtverein Bad Vilbel in der Nähe des Klärwerks sein Domizil hat. Ein Eiswagen biegt vom Feldweg zum Südbahnhof ab auf das Gelände, sehr zur Freude von Katharina (10), der Tochter des Vorsitzenden Stefan Vömel. Er hat drei Kinder, aber nur eine Mietwohnung, da hat das große Vereinsgelände mit Spielplatz und fast 400 Tieren einen großen Freizeitwert.

Statt Verschlägen stehen sieben Häuser auf dem Areal, eines davon mit Briefkasten, fast wie ein Wohnhaus. Stallgeruch sucht man vergebens, friedlich scharren Hühner im Gras, ein blauer Pfau versteckt sich in den Sträuchern und weiter hinten reckt eine Ziege ihr Haupt. Seit 13 Jahren ist Vömel Vorsitzender, freut sich, dass sein Züchterverein nicht überaltert ist, sondern auch viele jüngere Mitglieder in den dreißiger Jahren hat, darunter drei Familien mit Kindern.

Die Polizei gerufen

Umso erschrockener ist er noch heute, wenn er sich an den 5. Februar dieses Jahres erinnert. Lange hatte er zuvor versucht, mit einem 53-jährigen Vereinsmitglied zu reden, „er hatte sich etwas vom Vereinsleben entfernt, war aber fast jeden Tag auf der Anlage“. Die Brennnesseln seien auf dem Grundstück hoch gewachsen, erinnert sich Vömel, doch bis Ende Januar gab es keinen Grund, näher nachzusehen.

Dann stand das Ablesen der Zähler an – doch noch immer gab es keinen Kontakt. Da beschloss Vömel, die Polizei zu holen, um die Parzelle zu öffnen. Dort bot sich ein Bild des Schreckens. Die später herbeigeholte Mitarbeiterin des Veterinäramts sah, dass der Boden 20 Zentimeter dick mit Kot und Dreck bedeckt war, trotz voller Futtersäcke lagen dort fast hundert tote Vögel, Hühner, Fasane und Tauben. „Bei jedem Schritt haben Knochen geknackt“, sagt die Tierärztin später vor Gericht aus. Der 53-Jährige wird zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt, hat aber Revision eingelegt.

Wenn sich Vömel daran erinnert, stimmt ihn das noch immer traurig, „das hat nichts mit Züchten zu tun“. Aber nach einer Pause richtet er den Blick in die Zukunft: „Für mich ist das Thema gegessen.“ Die Parzelle hat ein älteres Ehepaar übernommen, alles ist aufgeräumt.

„Warum hat er nicht einfach gesagt, ,Es geht nicht mehr’ und die Tiere abgegeben?“, fragt sich Vereinsmitglied Michael Schwarz. „Wer Verantwortung übernimmt, muss die Tiere auch anständig behandeln.“ Als seine ältere Tochter sich nach einem Jahr wegen des Studiums nicht mehr um ihr Kaninchen kümmern wollte, „da haben wir es abgeschafft“. Und auch das zweite Tier, als es der kleineren Schwester keinen Spaß mehr machte. „Aber viele Eltern meinen, dass sie das bis zum Ende durchziehen müssen.“

Dass Tiere, entgegen der Rechtslage im Bürgerlichen Gesetzbuch, keine Sachen sind, wissen die Züchter gut. Täglich zwei bis drei Stunden sei er im Sommer auf der Anlage, berichtet Vömel. Täglich frisches Wasser, füttern, einmal wöchentlich die Dreckecken säubern und alle zwei Wochen das gesamte Areal, ergänzt Schwarz. Er bedauert, dass den Menschen heute der Bezug zu den Tieren fehle. Keiner wolle wissen, wie es im Schlachthof zugeht, aber alle billiges Fleisch essen. Auf der anderen Seite würden Haustiere verhätschelt, Hunde mit veganem Futter ernährt.

Arztkosten sind hoch

Dabei erfordert die Tierzucht Feingefühl. Schwarz zeigt einige seiner Tauben, die in Käfige gesperrt sind – „aber nur zwei Tage“, damit sie sich auf den Stress bei einer Tierschau einstellen können. Danach geht es wieder ins Freigehege. Das ist beim KTZV mit Wasser und Strom versorgt und verkehrsmäßig gut zu erreichen. Aber es gebe auch Vereine, da befänden sich die Anlagen mitten auf dem Feld, ohne Wasser, da werde es, zumal im Winter, schwierig, die Tiere stets zu versorgen, befürchtet Schwarz.

Ein weiterer Aufwand ist die Gesundheitsvorsorge, „die Tierarztkosten sind enorm“, so Schwarz. Zwei Mal im Jahr impfen, zwei Mal entwurmen lässt er seine Tauben. Hühner müssen gegen die Newcastle-Krankheit, die Geflügelpest, übers Trinkwasser geimpft werden. Nur Kaninchen sind ausgenommen, weil sie aus der Nutztierordnung genommen wurden. Doch auch eine andere Entwicklung lässt sich nicht umkehren: Wegen unterschiedlichster Arbeitszeiten an der Arbeit oder in der Schule sei es schwierig geworden, sich gemeinsam zu treffen, sagt Vömel.

Nun sollen sie wenigstens am Dienstagabend zusammenkommen, hofft der Vorsitzende. Denn miteinander lässt sich nicht nur gesellig feiern, sondern auch manches Problem schon im Vorfeld vermeiden.

 

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