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Heidelberger Unternehmen: Wie lange sprudelt noch hochwertiges Erdöl im Ried?

Von Seit drei Jahren fördert das Heidelberger Unternehmen Rhein Petroleum Erdöl nahe dem hessischen Riedstadt. Was es dort aus dem Boden pumpt, ist „sweet and light“.
Riedstadt. 

Auf dem Bohrfeld „Schwarzbach I“ brummt es. Erst ein tiefes Dröhnen, dann ein hohes Summen. „Der Kolben zieht Öl nach oben“, erklärt Dr. Carsten Reinhold, Geschäftsführer des Betreibers Rhein Petroleum. Zu sehen ist lediglich die sechs Meter hohe Förderpumpe. Doch viel beeindruckender ist, was unter der Erde passiert. Das Pumpgestänge reicht 1700 Meter weit in die Tiefe. Im Verlauf verengt sich das teleskopartige Rohr auf einen Durchmesser von etwa fünf Zentimetern und saugt das Erdöl aus dem porösen Sandgestein der Pechelbronner Schichten südlich von Goddelau. „Das Gestein kann man sich vorstellen wie einen Schwamm“, verdeutlicht der promovierte Geologe Reinhold. „In den mikroskopisch kleinen Hohlräumen sitzt das Öl.“

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Heidelberger Unternehmen Wie lange sprudelt noch hochwertiges Erdöl im Ried?

Seit drei Jahren fördert das Heidelberger Unternehmen Rhein Petroleum Erdöl nahe dem hessischen Riedstadt. Was es dort aus dem Boden pumpt, ist „sweet and light“.

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Komplexes Rohrsystem

Damit das geförderte Öl nicht auf dem Weg an die Oberfläche austreten kann und womöglich ins Grundwasser läuft, sind die Rohre mit Zement ummantelt und abgedichtet. „Wir fördern Nassöl, sogenanntes Rohöl“, sagt Reinhold und zeigt auf die metallenen Rohre, die mit der Aufschrift „Nassöl“ gekennzeichnet sind. „Das Nassöl beinhaltet auch Gas und Wasser, was wir später vom Erdöl trennen.“ Mit einer Temperatur von 20 bis 25 Grad Celsius strömt das Öl durch das ausgeklügelte Rohrsystem, wird erneut im Wärmetauscher erhitzt, damit es nicht gerinnt, und fließt anschließend in den fast 22 Meter langen und drei Meter hohen Trennbehälter, wo es in seine Bestandteile Erdöl, Wasser und Gas getrennt wird.

„Öl schwimmt ja bekanntlich oben, weil es leichter als Wasser ist. Das Öl läuft über, und das Wasser führen wir unten wieder ab“, erklärt Reinhold. Doch der Anteil an Wasser mache lediglich ein Prozent an der Fördermenge aus. „Genau genommen sprechen wir hier von Sole, das Tiefenwasser ist sehr salzhaltig“, erklärt er. Die geringen Mengen entsorge Rhein Petroleum getrennt. Das Gas hingegen werde verbrannt und die Wärme wieder in den Kreislauf eingespeist. Ist die Außentemperatur im Sommer zu hoch, kühlen Ventilatoren das Rohöl. Zeit für eine kurze Pause zum „Auftanken“. Reinhold öffnet eine Klappe am Trennbehälter.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (Dorothea Ittmann)

Dahinter verbirgt sich die Probeentnahmevorrichtung. Endlich ist das „schwarze Gold“ zu sehen. Es schwappt träge im Ein-Liter-Glas hin und her, als der Geschäftsführer es aus der Fassung dreht. „Darin sammeln sich etwa 30 Milliliter pro Tag. Wenn das Glas in einem Monat voll ist, bekommt es die Raffinerie, um die Qualität des Erdöls nachzuweisen.“ Wann ist ein Erdöl qualitativ hochwertig? „Wenn die Dichte gering ist, es also leicht und dünnflüssig ist; unser Öl enthält ebenfalls keinen Schwefel und keine Schwermetalle“, sagt Reinhold. „Deshalb der Name ,sweet and light’.“ Es eigne sich besonders gut für die Herstellung von Medikamenten und Waren aus Kunststoff wie Kosmetik, Möbel und Lacken.

Qualitätsprüfung

Von der Plattform oberhalb des Trennbehälters ist die gesamte Anlage einzusehen: Das Areal ist etwa einen Hektar groß, die Oberfläche ist mit Gussasphalt versiegelt – eine Insel inmitten der Feldgemarkung. Aus südlicher Richtung nähert sich ein Tanklastzug. „Der kommt von unserer anderen Förderstelle in Memmingen“, sagt Reinhold. Das Rohöl wird in der Riedstädter Anlage für die Verarbeitung in der Raffinerie in Karlsruhe aufbereitet. 33 000 Liter fasst der Tank des Lastwagens. Zwei Lkw-Ladungen verlassen täglich den Bohrplatz in Richtung Raffinerie „Das Entladen dauert circa eineinhalb Stunden, dann wird der Tank wieder befüllt,“ so Reinhold. Derweil parkt der Fahrer den Lastwagen in der Asphaltwanne vor der Abfüllstation. Er schließt die Pumpe an den Tank an – und das Öl fließt. Jetzt gilt es, den Prozess zu überwachen.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (Heimat- und Geschichtsverein Wol)

Überwacht wird auch die Förderanlage – und zwar rund um die Uhr. Aber nicht vor Ort, sondern vom Büro aus mit Tablet oder Smartphone. „Die Anlage läuft völlig selbstständig“, sagt Reinhold. Sollte es tatsächlich zu einer Störung kommen, schalte sich das System automatisch ab, bis der Schaden behoben ist.

Dr. Carsten Reinhold lässt seinen Blick über das Bohrfeld schweifen. Von der Suche nach Erdölvorkommen 2011 bis zur Genehmigung der Dauerförderung 2018 sind viele Jahre vergangen. Nun darf Rhein Petroleum 27 Jahre die Anlage betreiben. So lange werde es wohl dauern, bis das Gebiet ausgefördert ist, schätzt Reinhold. In den kommenden Jahren plant der Geschäftsführer eine zweite Bohrung bei Stockstadt, um die Lagerstätte weitgehend zu erschließen.

Erfolg in Speyer

Wie war Rhein Petroleum auf das Ried als Förderstätte aufmerksam geworden? Zum einen wurde von den 1950er bis 1990er Jahren dort bereits Erdöl gefördert, zum anderen sei die Technik so weit fortgeschritten, dass die Lagerstätten im Untergrund mit höherer Sicherheit bestimmt werden könnten. Großes Vorbild sei aber der Fund 2003 in Speyer. Dort stießen Experten bei einer Erdwärmebohrung zufällig auf Öl – das zweitgrößte Vorkommen Deutschlands. Daraufhin krempelten auch die Heidelberger Unternehmer die Ärmel hoch und machten sich auf die Suche.

Und so sieht es aus: Dr. Carsten Reinhold, Geschäftsführer von Rhein Petroleum, zeigt die Erdölprobe an der Entnahmevorrichtung. Bild-Zoom Foto: (Dorothea Ittmann)
Und so sieht es aus: Dr. Carsten Reinhold, Geschäftsführer von Rhein Petroleum, zeigt die Erdölprobe an der Entnahmevorrichtung.

Rhein Petroleum wirbt mit der Erdölförderung in Deutschland: „Wir haben kurze Transportwege und produzieren deshalb weniger Emissionen“, sagt Reinhold. „Deshalb sehen wir uns auch nicht in Konkurrenz zur Energiewende.“ Außerdem nutze der Betreiber so weit möglich regionale Dienstleister. „Die Gemeinden Stockstadt und Riedstadt haben uns gut aufgenommen“, resümiert Reinhold. Pressesprecher Marcus Gernsbeck nickt. An Tagen der offenen Tür sei er mit den Einwohnern ins Gespräch gekommen. „Ich habe ihnen die Anlage erklärt und sie sagten nur: Das kennen wir von früher.“

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