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Von der Entwicklung begeistert

Reintraut Meinert, Friedrich Wicht, Armando Di Camillo und Oskar Daum waren bei der Firma Resart-Ihm beschäftigt. Zwei alte Bestandsgebäude auf dem jetzt eröffneten neuen Gewerbegebiet Airport Garden erinnern noch an ihren alten Arbeitsplatz. Die vier Senioren blicken zurück.
An alter Wirkungsstätte: 

         Das ehemalige Produktionsgebäude im Rücken von Friedrich Wicht, Reintraut Meinert, Oskar Daum und Armando Di Camillo (v. l.). An alter Wirkungsstätte: Das ehemalige Produktionsgebäude im Rücken von Friedrich Wicht, Reintraut Meinert, Oskar Daum und Armando Di Camillo (v. l.).
Raunheim. 

Als vor drei Wochen die 13. Tage der Industriekultur der Kulturregion Frankfurt-Rhein-Main an ihrer alten Arbeitsstätte eröffnet wurden, befanden sich Reintraut Meinert, Friedrich Wicht, Armando Di Camillo und Oskar Daum in dem historischen Produktionsgebäude unter den geladenen Gästen.

Die vier Senioren haben zwar nicht bei der Lederfabrik Rudolf Ihm, die 1911 in Betrieb ging, ihren Lebensunterhalt verdient. Aber sie standen beim Nachfolger Kalkhoff-Rose in Lohn und Brot, der in Raunheim allerdings den Namen Resart-Ihm-AG führte.

Das Unternehmen stellte Kunststoffplatten und Granulat für die Produktion von Vinylschallplatten her. Die Mainzer Firma übernahm das Industrieareal Mitte der 1950er Jahre. 1989 folgte die BASF. Einige Mitarbeiter wurden zunächst übernommen und wechselten später nach Mainz zu Kalkhoff. Vor zwei Wochen eröffnete die Stadt nun dort das Gewerbegebiet Airport Garden.

 

„Es war dreckig und staubig“

 

Reintraut Meinert saß seit 1967 als Sekretärin direkt bei der Betriebsleitung, 1994 wechselte sie nach Mainz. Armando Di Camillo war in der Produktion beschäftigt und stellte Kunststoffplatten her. Er arbeitete von 1961 bis 1997 in Raunheim.

Oskar Daum verdiente seine Brötchen von 1958 bis 1989 in der Schlosserei, wo auch Friedrich Wicht von 1959 bis 1997 beschäftigt war. Die beiden Männer stellten zunächst mit ihren Kollegen die Produktion um und entkernten das große Produktionsgebäude, um es für die Herstellung von Kunststoff tauglich zu machen. „Es war dreckig und staubig, die Bedingungen waren schwierig“, erinnert sich der 82-jährige Wicht, der den Staub noch lebhaft vor Augen sieht. Als die Produktion der Kunststoffplatten begann, durfte allerdings kein einziges Staubkörnchen mehr durch die Luft schweben. Viele Räume mussten staubfrei sein, erzählt Oskar Daum (89 Jahre).

Reintraut Meinert denkt noch gerne an das Konferenzzimmer mit dem lederbezogenen Tisch und den lederbezogenen Stühlen zurück. Es hieß, dass das Mobiliar ein Überbleibsel aus der Ära Rudolf Ihm war, berichtet die 69-Jährige.

Aber nicht nur Tisch und Stühle, sondern auch ein paar Mitarbeiter der Ledergerberei waren übernommen worden. Zu ihren Hochzeiten beschäftigte die Firma Resart-Ihm rund 300 Arbeitskräfte.

Armando Di Camillo war einer der ersten italienischen Gastarbeiter in Raunheim. Die Männer vom Stiefel wohnten in den ersten Monaten unter dem Dach des Produktionsgebäudes. Die Kollegen hätten ihn schnell integriert und er lernte bald Deutsch, erzählt Armando Di Camillo (77 Jahre).

 

„Das passt gar nicht

 

zu dem Platz“

 

Reintraut Meinert möchte die Zeit nicht missen und lobt das gute Verhältnis unter den Kollegen. Die wirtschaftlichen Bedingungen seien mit der aktuellen Situation nicht vergleichbar gewesen. „Konkurrenzkampf gab es damals nicht, es hatte niemand Angst, dass die Firma Pleite geht“, sagt Meinert. Die Kollegen unternahmen Betriebsausflüge und kamen zu Weihnachtsfeiern zusammen. „Dann haben wir mit dem Chef auch mal ein Bier getrunken“, erzählt Oskar Daum lachend.

Die vier ehemaligen Mitarbeiter haben sich für die Entwicklung der Industriebrache stets interessiert. „Ich habe immer gedacht, dass irgendwann mal etwas mit dem Gelände passieren wird. Die Stadt hat sich immer bemüht“, erzählt Reintraut Meinert.

Friedrich Wicht hat bei seinem Abschied von der Firma auch mit den historischen Gebäuden abgeschlossen. Er war bei der Instandhaltung beschäftigt und musste später zusehen, wie die Gebäude immer mehr ein Opfer der Zeit wurden.

Von der Entwicklung des Geländes ist er nun begeistert. Dass die zerstörten Fenster der Bestandsgebäude mit Brettern zugenagelt sind, stört ihn aber gewaltig. „Das passt gar nicht zu dem Platz“, stellt er fest.

Acht ehemalige Kollegen treffen sich regelmäßig am Stammtisch und sprechen dann auch über das Gelände. Sie machten auch bereits einen Rundgang über das neue Gewerbegebiet. Alle wollen sie die Entwicklung und die Besiedlung des Geländes weiterverfolgen.

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