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Vereinsjubiläum: Spanische Club Los Caballeros: Als die Kavaliere zu Opel kamen

Der spanische Verein Los Caballeros ist einer der ältesten Vereine von Mitbürgern ausländischer Herkunft. Im Echo ziehen zwei Mitglieder Bilanz.
Arbeitsmigranten Opel 1965 Stadtmuseum Arbeitsmigranten Opel 1965 Stadtmuseum

Ein Samstagabend in den 60ern. Tuckernd fährt ein Bus vor einem Wohnheim vor. Hier warten die spanischen Frauen, die bei Neckermann arbeiten, auf ihre Kavaliere. Und die kommen zahlreich aus Rüsselsheim, um die Damen zum Tanz auszuführen. Die Caballeros machen ihrem Namen also alle Ehre.

Der 53-Jährige aus dem Vorstand des spanischen Vereins Los Caballeros (Como El Cid) kann sich natürlich nicht selbst erinnern. Aber viele der jetzigen 87 Vereinsmitglieder seien aus diesen Verbindungen hervorgegangen, erzählt er. „Meine Eltern haben sich dort kennengelernt“, sagt Schatzmeister Carlos Ramirez. Jeden Samstag hätte es ab etwa 1971 in Rüsselsheim und Bischofsheim Feiern und Tanz gegeben.

Die beiden Vorstandsmitglieder sitzen an der Bar in den Vereinsräumlichkeiten in der Eisenstraße. „Nicht nur Spanier sind bei uns Mitglied“, so Jesus Sanmiguel Poisa. „Da wir Flamenco-Kurse anbieten, sind auch andere Nationen vertreten.“

Fußball als Kernelement

Der Flamenco mache den Hauptgrund vieler Mitgliedschaften aus, obwohl der Verein noch zahlreiche andere Aktivitäten bietet. Spanische Feste würden oft mit den entsprechenden kulinarischen Spezialitäten gefeiert, außerdem kämen viele Mitglieder zum Kartenspielen und natürlich zum gemeinsamen Fußballschauen. „Die meisten kommen für den ,Clásico’, wenn Barcelona gegen Real Madrid spielt“, weiß Ramirez.

Stolz auf den Verein: Die Vorstandsmitglieder Jesus Sanmiguel Poisa (links) und Carlos Ramirez. Bild-Zoom
Stolz auf den Verein: Die Vorstandsmitglieder Jesus Sanmiguel Poisa (links) und Carlos Ramirez.

Zwischen 1976 und 1991 spielte die vereinseigene Fußballmannschaft sogar in der Spanischen Liga Hessen, bis diese sich auflöste. Mittlerweile gibt es nur noch selten Turniere. „Es gibt ja auch nur noch drei Mannschaften in der Region“, seufzt Jesus Sanmiguel Poisa. Schade sei das schon. Wie fast jeder Verein hätten auch die Caballeros mittlerweile Nachwuchsprobleme.

„Ich bin 1973 mit acht Jahren hergekommen, konnte kein Wort deutsch“, erinnert sich Sanmiguel Poisa. Der Verein sei da noch ein Stück Heimat gewesen. „Die meisten spanischstämmigen Kinder werden ja hier geboren, haben hier ihre Cliquen.“ Die beiden Vorstandsmitglieder sehen es realistisch: „Es kommt langfristig keiner mehr nach.“

Trotzdem wolle man natürlich das große Jubiläum jetzt ausgelassen feiern. 1968 wurden Los Caballeros von der ersten Generation spanischer Emigranten, die bei Opel arbeiteten, gegründet. Damit ist der Verein einer der ältesten Vereine von Mitbürgern mit ausländischen Wurzeln. 75 Männer seien es am Anfang gewesen, alle hätten sie im Wohnheim im Grundweg gewohnt.

Auch heute sind noch etwa 50 Vereinsmitglieder bei Opel tätig. Von den ursprünglichen Gründungsmitgliedern sei noch ein Spanier im Verein, der 2006 in sein Heimatland zurückkehrte. „Wir versuchen, an unserer Jubiläumsfeier eine Live-Schaltung herzustellen“, sagt Sanmiguel Poisa.

Gesang und leckeres Essen

Der Opel-Vorstand habe leider aus terminlichen Gründen absagen müssen, nun warte man auf die Rückmeldungen seitens des Betriebsrats, des Oberbürgermeisters und des spanischen Generalkonsuls aus Frankfurt.

Was die Gäste erwartet, könne sich allemal sehen lassen: Der über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets bekannte spanische Sänger und Gitarrist Roberto Moreno soll für die musikalische Unterhaltung sorgen, auch eine Band aus den eigenen Reihen wird sich beteiligen. „Außerdem gibt es leckeres Essen und eine Tombola.“

Die beiden Spanier, Ramirez und Sanmiguel Poisa freuen sich auf eine würdige Feier. In den Vereinsräumen hängt bereits das Schild mit dem Wappen, darüber steht „50. Aniversario“. Man ist stolz auf seine Wurzeln. Im Vereinskühlschrank ist aber trotzdem kein spanisches Bier zu finden. „Das will ja auch keiner haben“, lacht Ramirez. „Viele deutsche Biere schmecken einfach besser.“

 

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