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Kunstpfad: Betonbank symbolisiert Fluchtweg zahlreicher Migranten über die Balkanroute

Die vierte und letzte Skulptur des Kunstpfads steht: „Where am I? As if in a dream… Did we arrive?“ ( „Wo bin ich? Als wäre es ein Traum... Sind wir angekommen?“) heißt die Bank aus Beton am Mainufer, die von den Künstlern Özlem Günyol und Mustafa Kunt errichtet wurde.
Das Künstlerduo Özlem Günyol und Mustafa Kunt vor ihrer Installation einer kurvigen Bank. Das Künstlerduo Özlem Günyol und Mustafa Kunt vor ihrer Installation einer kurvigen Bank.
Rüsselsheim. 

Seit Donnerstag hat auch das vierte Objekt des Kunstpfads im Mainvorland seinen Platz: Das ab 2016 von langer Hand geplante, 300 000 Euro teure Vorhaben ist damit komplett. Federführend sowie mit ungebrochener Begeisterung dafür verantwortlich zeichnet sich Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne).

Grieser kam mit Pressevertretern und den Künstlern Özlem Günyol und Mustafa Kunt am Uferplatz der jüngsten Installation zusammen. Sie stellt ein 9,50 Meter langes und fast zwei Meter breites Betonobjekt dar, das in kurviger Form die Etappen der Balkanroute von Syrien nach Göteborg symbolisiert, über die zigtausende Migranten 2015 die Flucht in die Freiheit wagten.

Das Kunstwerk „Heimat“ steht schon länger am Kunstpfad. Bild-Zoom
Das Kunstwerk „Heimat“ steht schon länger am Kunstpfad.

Günyol und Kunt erläuterten die berührende Inschrift des Objekts als Aussage, die einem BBC-Interview mit einer syrischen Geflüchteten entlehnt worden sei: „Where am I? As if in a dream… Did we arrive?“ („Wo bin ich? Als wäre es ein Traum... Sind wir angekommen?“). Sie erklärten: „Die Bank, die rückseitig Mauer ist, steht nicht nur für die Geschichte einer einzelnen Frau, sie steht für alle Geflüchteten und Migranten. Sie hat auch mit uns selbst zu tun, die wir beide in Ankara geboren wurden und zum Studieren nach Deutschland kamen.“ Die erste Frage jedes Ankömmlings laute: „Where am I?“ – „Wo bin ich?“ und der Standort der Installation am Fluss gebe einen guten Platz ab, um innezuhalten, so das Künstlerpaar.

21,2 Tonnen schwer

Mit Blick auf den Main wirkt das 21,2 Tonnen schwere Objekt, das in drei Teilen mit einem Kran installierte wurde, wie eine Sitzbank. „Sie führt Menschen Seite an Seite zueinander, bietet ein sich Niederlassen, ein Ankommen in tiefstem Wortsinn an“, so Günyol und Kunt. Ihre Arbeit für den Kunstpfad entstand als Teil ihres Projekts zum Thema „Flucht und Reise“ im Rahmen eines Stipendiums der Hessischen Kulturstiftung. Und während die Umstehenden anhand der halb-ellipsoiden Form des Objekts dem strapaziösen Weg der Fluchtroute nachsannen, wies Grieser auch auf die anderen drei Objekte des Kunstpfads hin. Diese hätten gemäß der Themen der Ausschreibung – Industrialisierung, Migration und Herkunft, Arbeitswelt und Strukturwandel – jeweils in individueller Weise einen Aspekt herausgegriffen.

Seit dem 12. Mai des Vorjahres steht das erste Kunstwerk, die Skulptur „Heimat“ des Rüsselsheimer Künstlers Mario Hergueta. Es folgte am 17. August die Arbeit „Shortcut/Abkürzung“ des Frankfurters Martin Feldbauer. Das automobile Objekt „Dauerparker“ von Matthias Braun aus Würzburg wurde kürzlich am 1. März auf dem Parkplatz beim Landungssteg eingeweiht.

Hunderte Kommentare im Internet gehen von Beginn an harsch mit dem Projekt um: Es hagelt Kritik. Nicht nur die komplexen Installationen selbst werden moniert, sondern vor allem die immensen Kosten in einer Stadt, die finanziell in vielen Bereichen knapsen muss.

Doch Kulturdezernent Grieser meint, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebe. „60 000 Euro pro Kunstwerk plus Installierung – Gesamtkosten 300 000 – wurden vom Parlament 2016 genehmigt, wiewohl dann die erhoffte Zweidrittelförderung angesichts des Hessentags, für den viel gespendet wurde, ausblieb. Aber 100 000 Euro trug die Stiftung Flughafen Frankfurt/Main bei“, so Grieser. Die Finanzierung sei nicht gefährdet. Am 9. Juni werde Beate Kemfert, Kuratorin der Opelvillen, zur Eröffnung des Kunstpfads sprechen. Denn neben Kritikern gebe es auch starke Verfechter.

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