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Wählerinitiative Frankfurt-Wes: Unabhängigen auf den Zahn gefühlt

Sie wollen Oberbürgermeister von Frankfurt werden: Drei unabhängige Kandidaten und Michael Weingärtner (Freie Wähler) stellten sich den Fragen der Bürger im Höchster Schlosskeller. Schnell zeigte sich, wer bereits ein Politik-Profi ist.
Gastgeber Uwe Eisenmann (von links), parteiloser Ortsbeirat von der Initiative Frankfurt-West, begrüßte im Schlosskeller die Kandidaten Felicitas Herrschaft, Hein Gottfried Fischer, Volker Stein und Michael Weingärtner Bilder > Foto: Maik Reuß Gastgeber Uwe Eisenmann (von links), parteiloser Ortsbeirat von der Initiative Frankfurt-West, begrüßte im Schlosskeller die Kandidaten Felicitas Herrschaft, Hein Gottfried Fischer, Volker Stein und Michael Weingärtner
Höchst. 

Laut und deutlich spricht vor allem einer: Volker Stein, ehemaliger Ordnungsdezernent, Mitglied der FDP und nun unabhängiger Kandidat. Er ist auf Einladung der Wählerinitiative Frankfurt-West am Mittwochabend in den Höchster Schlosskeller gekommen. Vier von insgesamt zwölf Kandidaten für die OB-Wahl stellen sich hier vor: Neben Stein noch Felicia Herrschaft und Hein Gottfried Fischer als unabhängige Kandidaten, während Michael Weingärtner bei den Freien Wählern ist. Nach der kurzen Vorstellung auf dem Podium werden sie von etwa 50 Wissbegierigen in Gesprächsrunden „gestellt“: So entstehen Diskussionen, nach jeweils 15 Minuten wechseln die Kandidaten die Gruppe.

Was er denn für den Wohnungsbau machen wolle, fragt ein älterer Herr Stein. Der erwidert, der Mangel an Wohnraum liege vor allem an „Asylsuchenden und ihrem bevorzugten Wohnrecht.“ „Tendenziös“ sei das, empört sich eine Frau, „ich will Fakten hören.“ Eine andere sagt, den Wohnungsmangel verursachten nicht Asylanten, sondern Spekulanten. Stein sagt: „Und wer macht die Spekulanten? Die Stadt!“

Herrschaft lehnt an einem Weinfass, fünf Damen hören ihr aufmerksam zu. „Viele Schulen kennen nicht das hessische Schulgesetz“, setzt die Soziologin an, das dreigliedrige Schulsystem sei gar nicht mehr vorgeschrieben. Daher würde sie „viel mehr gemeinsamen Unterricht“ ermöglichen. Jemand fragt nach dem Zustand der Schultoiletten. „Es könnte Komposttoiletten auf dem Hof geben“, antwortet sie, möchte mehr Gärten an Schulen anlegen und den Kraftfahrzeugverkehr in der Innenstadt reduzieren.

Am Nachbartisch ist Fischer inzwischen kaum zu überhören. Ihm gehe es vor allem um Themen wie Gesundheit, also auch um saubere Luft. „Was schlagen Sie denn konkret vor?“, fragt ein Bürger. Hein verweist etwa auf alternative Kraftstoffe bei Flugzeugen. Diese seien zu fördern. „Das können Sie auch als Oberbürgermeister doch gar nicht beeinflussen“, sagt eine Frau, vielmehr seien Elektrobusse ein probates Mittel. Hein nickt, nennt den Vorschlag plötzlich seine Idee. Da wendet sich der eine oder andere Gast verzweifelt ab.

Derweil spricht Weingärtner mit zwei Besuchern. Ein Mann aus Liederbach fragt, wie er zum Thema Wohnraumverdichtung stehe. „Der städtische Wohnungsbau darf nicht gewinnorientiert sein“, erwidert der Kandidat – und überhaupt: Die Frankfurter müssten bei neuen Wohngebieten mitbestimmen dürfen, etwa in Bürgerentscheiden.

„Ich kenne das Problem, unabhängiger Kandidat zu sein“, sagt Uwe Eisenmann, der die Veranstaltung organisiert hat und die Wählerinitiative Frankfurt-West im Ortsbeirat 6 vertritt. Er sei stets froh gewesen, überhaupt zu Diskussionen eingeladen zu werden. „Wir stellen ja selbst niemanden zur Wahl und können so eine unabhängige Veranstaltung anbieten.“

Die Kandidaten finanzieren ihren Wahlkampf vor allem auf eigene Kosten, müssen nach getaner Arbeit also während der Freizeit für sich werben. Weingärtner schätzt den gesamten Zeitaufwand auf mehr als 20 Stunden pro Woche. „Ich mache das, weil ich so meine Ideen in die Öffentlichkeit tragen kann – auch wenn ich nicht Oberbürgermeister werde“, erzählt der Familienvater.

„Ich möchte die Chance nutzen, mit Kandidaten ins Gespräch zu kommen und meine Fragen zu stellen“, sagt eine Besucherin, die zum „ersten Mal in Frankfurt den OB wählt“. Erst dann entscheide sie, wer ihre Stimme bekomme.

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