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Prozess: Polizei findet Schlagring in der Vitrine

Von Normalerweise zahlt sich Ehrlichkeit ja aus, vor allem auch vor Gericht. Wenn ein Angeklagter aber so ehrlich ist und Dinge verrät, auf die Polizei und Justiz sonst gar nicht gekommen wäre, kann der Schuss durchaus jedoch auch nach hinten losgehen. Dass es in diesem Fall zudem noch um eine verbotene Schusswaffe ging, machte die Sache aber fast schon herzzerreißend…
Justitia Justitia
Bad Soden. 

Den Schlagring hatte er „wie einen alten Teller als Ausstellungsstück in der Vitrine“, die Schreckschusswaffe hätte er besitzen dürfen und von der scharfen Handfeuerwaffe hätten Polizei und Justiz vermutlich gar nichts erfahren, wenn er es nicht von sich aus freimütig verraten hätte.

So kam das Königsteiner Amtsgericht nicht umhin, den 42-jährigen Bad Sodener wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu sieben Monaten Haft auf Bewährung zu verurteilen.

Entspannte Situation

„Ohne ein so rückhaltloses Geständnis hätten wir ihn wohl nicht verurteilen können, an der Mindeststrafe von sechs Monaten wegen der scharfen Schusswaffe und einem Aufschlag wegen des Schlagrings führte dann aber kein Weg vorbei“, räumte die Amtsanwältin ein, der der Mann fast schon leid tat. Als die Richterin ihm dann auch noch mit auf den Weg gab, dass man sich hoffentlich nicht wieder sehen werde und der erleichterte Angeklagte „…schade eigentlich“ meinte, bewies das die menschlich entspannte Situation.

Der Angeklagte war von seiner Ex-Freundin wegen Stalkings und Waffenbesitzes angezeigt worden, weshalb sich die Polizei auf den Weg zu ihm machte und bei einer vom Angeklagten freiwillig genehmigten Wohnungsdurchsuchung schnell den Schlagring in der Wohnzimmervitrine und die Schreckschusswaffe fand. Bei dieser Gelegenheit berichtete er den Beamten ungefragt und ohne dass es einen konkreten Verdacht gegeben hätte, auch von der scharfen Waffe.

Diese habe er, wie er auch jetzt dem Gericht erzählte, auf der Kaiserstraße in Frankfurt von einem Schwarzhändler für 200 Euro ohne besonderen Anlass, sondern nur weil er es „cool“ fand, einmal eine Schusswaffe mit Patronen zu haben, erworben. Weil er aber Probleme habe, seine gelegentlichen Gewaltausbrüche zu kontrollieren, sei er nicht nur freiwillig in eine Therapie gegangen.

Er habe die Waffe, damit er mit ihr keinen „Blödsinn anstellt“, auch von sich aus auseinandergenommen und die Einzelteile zwischen Königstein und Ruppertshain aus dem Auto in den Wald geworfen. Die Anleitung zur Demontage habe er sich „bei Youtube runtergeladen“.

Auf Bewährung

Den Schlagring will er, gerade 18-jährig, „ganz normal“ im Waffengeschäft gekauft haben. Damals sei der Besitz noch legal gewesen. Den Zeitpunkt, auch den Schlagring rechtzeitig nach dem Verbot zu entsorgen, hat der Angeklagte offenbar verpasst. Das Gericht setzte die Strafe auf zwei Jahre zur Bewährung aus und gab dem Mann außerdem auf, 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen.

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