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Erdbeben in Nepal: Okrifteler erlebte das Beben von Nepal am Mount Everest

Von Der Okrifteler Hans-Jürgen Hilscher war auf dem Weg zum Mount Everest, als in Nepal die Erde bebte. Was ihm widerfuhr, wird er sein Leben lang nicht vergessen.
Hans-Jürgen Hilscher (links) und sein Guide David Hahn. Bilder > Hans-Jürgen Hilscher (links) und sein Guide David Hahn.
Okriftel. 

Seit Montag sitzt Hans-Jürgen Hilscher wieder im Büro seines Unternehmens an der Rheinstraße. „Ich bin zwar da, aber noch lange nicht hier“, sagt der 58-Jährige. Mit seinen Gedanken ist der Okrifteler noch immer weit weg – im Himalaya. Zu sehr haben sich die Eindrücke der vergangenen zwei Wochen in seinem Kopf festgesetzt. Hans-Jürgen Hilscher war auf dem Weg zum Mount Everest, als vor zwei Wochen in Nepal die Erde bebte und eine Lawine 18 Bergsteiger in den Tod riss.

Gut vorbereitet

Vor einigen Jahren hat den Geschäftsführer einer Firma für Systemautomation das Bergsteiger-Fieber gepackt. In eine andere Welt einzutauchen, in der andere Spielregeln gelten als in seiner Firma mit 230 Mitarbeitern, und wo man interessante Leute kennenlernt – das machte für den Familienvater die Faszination der höchsten Gipfel aus. Seinem Ziel, die „Seven Summits“ zu besteigen, die höchsten Berge eines jeden Kontinents, wollte er nun mit dem 8848 Meter hohen Mount Everest als Gipfel Nummer sechs näher kommen. Monatelang hatte sich der Okrifteler darauf vorbereitet.

Am 22. März begann mit dem Flug nach Kathmandu das Abenteuer. Dort traf sich Hans-Jürgen Hilscher mit 5 anderen Bergsteigern und 20 Sherpas sowie Guides. Von seiner Familie und den Freunden hatte er sich per Mail mit den Worten verabschiedet: „Ich habe den besten Guide, die beste Ausrüstung, hart trainiert und die Erfahrungen von einigen anderen Bergen. Denke das Risiko ist überschaubar.“ Ein Erdbeben – das hatte er in dieses Kalkül nicht mit einbezogen.

Zunächst ging es zur Akklimatisierung zwei Wochen durch das bewaldete Khumbu Tal hinauf ins Everest Base Camp auf 5600 Metern. Mitte Mai, so war es kalkuliert, sollte sich ein Wetterfenster von zwei- bis drei Tagen ergeben sollte, in dem für Amateure eine Besteigung des Mount Everest möglich sein sollte. Am Samstag, 25. April, befand sich die Gruppe gerade in Camp 1 auf 5950 Metern, „da fing auf einmal alles an zu wackeln“, erzählt Hilscher, der zunächst an eine Lawine dachte. Solche in kleiner Form sind eigentlich nicht ungewöhnlich, doch diesmal sei etwas anders gewesen – „es war nichts zu hören“, sagt der Okrifteler.

Minutenlanger Spuk

Als Hans-Jürgen Hilscher den Kopf aus dem Zelt steckte, erschrak er. „Alles bewegte sich, als wollten die Berge ihre Last an Schnee und Eis loswerden. Das Ganze dauerte geschätzte 30 Sekunden und ging zig Male hin und her“, erzählt er. Und dann wurde es von allen Seiten plötzlich laut. „Das Geräusch kannte ich: Abgehende Lawinen.“ Dazu kam ein Windsturm, der das Zelt aufs Heftigste durcheinander schüttelte. Auf die Zeltwände legte sich eine Schicht aus Schnee und Eis nieder. Nach ein paar Minuten war der Spuk vorbei.

Das Camp1 lag in der Mitte eines Tals, so dass nur die heftigen Winde der hinabstürzenden Massen zu spüren waren. Wäre das ganze eine Stunde früher losgegangen, es hätte bestimmt den einen oder anderen auf der Leiter über einer Gletscherspalte erwischt – „ich habe einfach Glück gehabt“, weiß Hilscher.

Dass es die Bergsteiger im etwa fünf Kilometer entfernten Base Camp böse erwischt hatte, erfuhr die Gruppe kurz darauf über Funk. Dort waren die herab sausenden Schnee- und Eismassen so mächtige, dass die Druckwelle eine Vielzahl von Zelten mitsamt ihrer Insassen wegriss. 18 Bergsteiger und Sherpas fanden den Tod und noch mehr wurden verletzt. Für die Bergsteiger in Camp 1 war der Rückweg zu Fuß ins Base Camp durch Lawinen unpassierbar geworden, so dass sie zwei Tage später mit Hubschraubern evakuiert und zum Base Camp ausgeflogen werden mussten.

Trauer und Zerstörung

War dieses Tage zuvor noch ein Ort mit mehreren hundert Zelten und mit vielen bunten Gebetsfahnen gewesen, war es jetzt ein Schlachtfeld aus zerfetzten Zelten, „ein Ort der Trauer und Zerstörung“, beschreibt es Hans-Jürgen Hilscher.

Ein paar Tage später gelang es ihm, mit einem Hubschrauber nach Kathmandu zu kommen. Bei der Landung wurde ihm mehr und mehr das ganze Ausmaß des Erdbebens deutlich, das nach Angaben der Behörden mehr als 7700 Tote gefordert hat. Einige Stadtteile seien nicht zerstört, während von anderen, gerade den historischen, nur noch große Haufen von Backsteinen übrig geblieben seien. „Viele Plätze waren voll mit Zelten.“

Die jetzt wieder von Bergsteiger Reinhold Messner geäußerte Kritik am zunehmenden Tourismus teilt Hilscher jedoch nicht. Vielmehr gibt er zu bedenken, dass der Tourismus eine der größten Einnahmequellen des Landes ist. Viele Sherpas würden dank ihres guten Verdienstes in großzügigen Häusern leben. Müllberge, die sich auf dem Mount Everest türmen würden, die habe er nicht gesehen, sagt er. Kritisch sieht Hilscher allerdings, dass manche Organisationen gegen Geld Leute zur Expedition mitnehmen, „die von ihrer Kondition her lieber unten bleiben sollten“.

Er werde wohl nicht noch mal versuchen, den Mount Everest zu bezwingen, sagt Hans-Jürgen Hilscher. Das wolle er seiner Familie, allen voran seinen Kindern Sebastian (28) und Stefanie (23), sowie den Mitarbeitern seines Unternehmens, die sich große Sorgen gemacht haben, nicht zumuten.

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