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Urteil: Mann bedroht Nachbarn mit Schreckschusspistole: Geldstrafe

Von Bei Streit unter Nachbarn erscheint auch schon mal die Polizei. Dass aber ein ganzes Sondereinsatzkommando zur Befriedung der verfeindeten Parteien anrückt, weil geschossen wird, dürfte eher selten vorkommen.
Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv Foto: dpa Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv
Main-Taunus. 

Das Ehepaar, das vor Jahren in ein Neubaugebiet im Main-Taunus-Kreis gezogen war, hatte dort einen normalen, nicht all zu engen, aber stets freundlichen Umgang mit den gleichzeitig eingezogenen Nachbarn. Mit der Freundlichkeit war es aber schlagartig vorbei, als eine weitere Nachbarin hinzukam. Es gab ständig Streit, bei dem man sich gegenseitig im Austausch von Nettigkeiten auch in nichts nach-stand. Dass der Fall jetzt am Königsteiner Amtsgericht verhandelt wer-den musste, hatte tragische Züge.

Der Nachbarschaftsstreit hatte im Frühsommer Züge angenommen, die jegliche Toleranzgrenze sprengten und auf seinem Höhepunkt sogar ein Sondereinsatzkommando (SEK) auf den Plan rief. Es war nämlich eine Waffe im Spiel, mit der der jetzt wegen Missbrauchs von Notrufeinrichtungen, Beleidigung und Bedrohung angeklagte Mann um sich geschossen haben soll. Zum Glück handelte es sich nur um eine Schreckschusspistole. Die hatte allerdings ausgereicht, um einen Nachbarn in Todesangst zu versetzen und einen Polizeibeamten, Schießausbilder, seine schwarzgekleideten Kollegen zu alarmieren.

Das Gericht verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 250 Tagessätzen á 50 Euro. Damit war die Richterin deutlich über den Strafantrag der Amtsanwältin hinausgegangen, die 190 Tagessätze zu 30 Euro für schuldangemessen erachtet hatte.

Psychiatrisches Gutachten

Der Verteidiger hatte in Teilen der Anklage sogar Freispruch, maximal aber geringe Geldstrafen angeregt. Im Urteil hatte sich das Gericht am Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen orientiert, der Verhaltensauffälligkeiten sowie eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit beim Angeklagten nicht ausgeschlossen hatte. Der Psychiater war hinzugezogen worden, weil im Laufe des Verfahrens der Verdacht einer Persönlichkeitsstörung beim Angeklagten aufgekommen war. Soweit wollte der Experte zwar nicht gehen, sagte aber, es lasse sich rational kaum erklären, dass ein Mann in einer Nacht „zigmal“ den Notruf erst der Kelkheimer und dann der Eschborner Polizei betätigt – sogar versetzt mit Handy und Festnetztelefon. Vermutlich habe der Alkohol, dem der damals psychisch belastete Mann stark zugesprochen hat, mitgeholfen, ihn „ausrasten“ zu lassen.

Er soll, noch relativ harmlos, einen Nachbarn zunächst derb beleidigt, bei anderer Gelegenheit aber auch die Schreckschusspistole auf ihn gerichtet und abgedrückt haben. An einem anderen Tag im Frühsommer letzten Jahres soll er in stockfinsterer Nacht ebenfalls geschossen haben, auch noch, als bereits ein Polizeibeamter auf dem Grundstück war. Der hatte dann das SEK bestellt, das den Mann überwältigte und in die Psychiatrie einwies.

Der Angeklagte räumte die Vorgänge weitgehend ein und entschuldigte sich auch bei den Polizisten für die Anrufe auf der „110“.

Während die Amtsanwältin unter Berücksichtigung der alkoholbedingt eingeschränkten Schuldfähigkeit versucht hat, die schwierige persönliche Situation, in der sich der Mann damals befunden hat – er war krank, seine Frau ebenfalls, und dann auch noch der fortwährend, wenn gegenseitig befeuerte Nachbarschaftsstreit – im Strafantrag abzubilden, hatte der Verteidiger ganz andere Vorstellungen.

Nicht die Wahrheit gesagt

Er war zu dem Schluss gekommen, dass der angeblich mit der Waffe in Todesangst versetzte Nachbar, nach seinem Eindruck „nicht die Wahrheit gesagt hat“. Weder die Beleidigung, noch die Bedrohung sei nachgewiesen. Dass er mit der Waffe nicht einfach herumballern dürfe, sei klar. Warum aber ein Polizist, noch dazu Schießausbilder, das SEK alarmiert, wo er doch gewusst habe, dass es nur eine Schreckschusswaffe war, müsse man nicht verstehen.

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