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Neubau der Sortierhalle: Kaum Anwohnerkritik: Das Müll-Projekt stinkt nur wenigen

Von Die neue Sortierhalle für Sperr- und Gewerbemüll im Gewerbegebiet wirbelt weniger Staub auf als erwartet. Kein Wunder: Es wird vermutlich weniger Beeinträchtigungen geben als bisher.
Derzeit trennt die Firma Kilb den Müll in einer Halle am Zeilsheimer Weg. Dort sollen künftig vor allem gelbe Säcke zwischengelagert werden. Derzeit trennt die Firma Kilb den Müll in einer Halle am Zeilsheimer Weg. Dort sollen künftig vor allem gelbe Säcke zwischengelagert werden.
Münster. 

„Ihr baut eine Müllumladestation.“ Kommentare wie diese hat Jochen Kilb zuletzt immer wieder gehört. Doch der Chef der Kilb Entsorgung GmbH, selbst ein Bub aus dem Ort, hat gar kein Interesse daran, etwas zu verheimlichen. „Als Münsterer ist es mir wichtig, dass es von Anfang an kommuniziert wird.“ Und da hat das Unternehmen einiges getan. Erst wurden die Stadtverordneten in den Betrieb im Gewerbegebiet eingeladen. Geschäftsführer Stefan Hofmann und Betriebsleiter Dirk Schäfer erläuterten die Pläne (wir berichteten) und demonstrierten den laufenden Betrieb. Wenige Tage später erläuterte Hofmann die Pläne der Politik erneut an Grafiken. Und jetzt hatte die Stadt die Bürger zur Informationsveranstaltung eingeladen, die bei diesem Projekt nicht vorgeschrieben ist, der aber rund 40 Anwohner oder Interessenten ins Rathaus gefolgt waren.

Bis zu 12,30 Meter hoch

„Wir haben gar keine Lust auf Beschwerden, wollen keinen Ärger“, sagte Hofmann. „Wir nehmen viel Geld in die Hand. Das Ding ist besser als alles, was wir vorher hatten.“ Mit dem Ding meint er eine große Halle, 50 Meter breit, 70 Meter lang, am First 12,30 Meter hoch, an den Seiten 7 Meter, in der Müll (Sperrmüll, Gewerbeabfall, Mischabfälle) sortiert, gelagert und weiter transportiert werden soll. Nötig macht dies die neue Gewerbeabfallverordnung zum 1. Januar 2019 mit der Pflicht zur Vorbehandlung von 85 Prozent des Mülls. Daraus müssen Entsorger wie Kilb 30 Prozent als Sekundärrohstoff – Kunststoff, Holz, Metall, Papier . . . – filtern

Ärger wird Kilb wegen dieses 6,5-Millionen-Projektes kaum bekommen. Zwar hatten einzelne Anwohner Kritikpunkte, ein Protest sieht anders aus. Zumal die Nachbarn das Vorhaben ohnehin nicht verhindern können. Das Regierungspräsidium Darmstadt muss grünes Licht geben. Laut Bebauungsplan ist das Gewerbe auf dem Grundstück an der Ecke Zeilsheimer Weh/Paul-Ehrlich-Straße zulässig. Laut der drei Experten-Gutachten für Schall, Staub und Geruch werten sind Werte nicht überschritten – selbst bei offener Halle nicht. Die ist aber komplett geschlossen, innen zudem mit einzelnen Abteilungen nochmals separat geschützt.

Die Stadt ist vom RP ebenfalls zu einer Stellungnahme aufgefordert. Ein Veto kann sie allerdings nicht einlegen, zumal der von der Stadt vor Jahren aufgestellte Bebauungsplan eingehalten wird. Der Magistrat wird laut Bürgermeister Albrecht Kündiger aber noch einmal drauf hinweisen, dass die Vorsorge bei Themen wie Lärm, Geruch und Dreck „ausreichend berücksichtigt“ wird und es „keine zusätzliche Belastung“ gebe. „Der Zustand ist im Moment alles andere als befriedigend“, wies er in der Versammlung ebenso wie Anwohner auf Lkw-Verkehr auf der Straße, mitunter Lärm, Gerüche, im Gewerbegebiet herumliegenden Abfall und scharenweise Raben im Müll hin. Aber Kündiger betonte auch: Die neue Halle sei „eine deutliche Verbesserung als alles bisher“. Kein Müll mehr, der offen lagert. Leisere Maschinen durch Elektromotoren. Die Lastwagen warten auf dem Gelände der neuen Halle, wo zwei zusätzlichen Waagen für die Lieferungen installiert werden – das alles hat Kilb geplant.

Und so hält sich der Unmut in Grenzen. Eine Nachbarin will jetzt ein Lärmprotokoll schreiben, weil ihrer Meinung nach noch nach Schichtende um 21 Uhr Maschinen laufen. Der künftige Zwei-Schicht-Betrieb von Montag bis Freitag ist von 6 bis 22 Uhr möglich, die Geräte laufen aber maximal elf Stunden, so Hofmann, bis höchstens 21 Uhr. Eine andere Nachbarin stört der Geruch, der bei Südwind bis nach Liederbach ziehe. Das RP habe nach solchen Beschwerden Begehungen gemacht und festgestellt, dass Kilb hier nicht nur die Quelle sei, betonte Hofmann. Dennoch werde die geschlossene Halle hier zur Verbesserung beitragen – es gebe dort nur zwei Tore. Zudem soll es in der Halle Befeuchtungsanlagen geben.

Ein weiterer Bürger störte sich an der Optik. „Es gibt kein idyllisches Bauernhaus“, weiß auch Kündiger. Es sei nun mal das „Entree von einem Gewerbegebiet.“ Doch die Metallkonstruktion soll grün verkleidet sein, zudem an zwei Seiten mit Pflanzen und zum Teil Bäumen verdeckt werden.

Verspäteter Baubeginn?

Auch deutlich mehr Verkehr gibt es nicht. 85 000 Tonnen Müll können pro Jahr derzeit maximal verarbeitet werden – das sind 17 an- und 17 abfahrende Lastwagen am Tag, die aber auf den beiden Betriebsgeländen stehen sollen. Sie fahren zwischen 6.30 und 18 Uhr. Heute werden schon knapp 60 Tonnen bewegt. Unter dem Strich sieht Jochen Kilb die Variante als „optimale Lösung“. Nicht optimal ist hingegen der Zeitplan: Eigentlich sollte ab Mai gebaut werden. Doch zunächst muss die dort gesichtete Zauneidechse umgesiedelt werden. Danach aber sei es zu spät für Rodungsarbeiten, so Hofmann. Das könne frühestens im November passieren. An einen Start am 1. Januar 2019 glaubt der Geschäftsführer derzeit nicht. Noch laufen Gespräche des RP mit der Unteren Naturschutzbehörde.

Klar ist allerdings: Kilb wird 10 bis 12 neue Jobs schaffen, derzeit sind es hier 115 Arbeitsplätze. Deshalb ist es Kündiger auch wichtig, „eine alteingesessene Firma mit gewachsener Struktur“ in Kelkheim zu halten. Und gesellschaftlich sei das Recycling sowieso sinnvoll.

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