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1968 gegründet: Die Bodelschwingh-Schule feiert 50. Jubiläum - Johannes Elbert geht in Ruhestand

Von 1968 beschloss der Kreistag, die Bodelschwingh-Schule zu gründen. Mit 28 beeinträchtigten Kindern fing es an, jetzt werden dort 120 Schüler unterrichtet.
Abschied: Nach 17 Jahren als Leiter der Bodelschwingh-Schule geht Johannes Elbert in den Ruhestand.  Foto/Repro: Maik Reuß Foto: Maik Reuß Abschied: Nach 17 Jahren als Leiter der Bodelschwingh-Schule geht Johannes Elbert in den Ruhestand. Foto/Repro: Maik Reuß
Marxheim. 

Elterninitiativen haben im Main-Taunus schon so einiges auf den Weg gebracht. Die erste Hofheimer Kindertagesstätte für Kinder vom Krabbelalter an etwa, das Spatzennest. Oder die erste Integrative Kindertagesstätte, die der Verein „Sozial therapeutischer Drehpunkt“ auf die Beine stellte. Auch die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule verdankt sich der Entschiedenheit und dem Mut einiger weniger Eltern von geistig beeinträchtigten Kindern, die vor 50 Jahren noch geistig behindert genannt wurden.

„Viele dieser Kinder blieben damals einfach zu Hause. Es gab für sie ja auch noch keine Schulpflicht“, weiß der aktuelle Leiter der Bodelschwingh-Schule, Johannes Elbert. Einige seien in die Vorklasse der Schule für Lernbehinderte in Kelkheim aufgenommen worden, wo sie fünf, sechs Jahre lang blieben „und im Grunde nur betreut wurden“, sagt Elbert. Das war jenen Eltern, die sich für eine Förderung ihrer Kinder einsetzten, zu wenig. „Sie hatten das Wissen, dass ihre Kinder lernfähig sind und ein Recht auf Bildung haben“, hat sich der Bodelschwingh-Schulleiter von einer noch lebenden Zeitzeugin, der Lehrerin Helga Schön, berichten lassen. Eine der engagiertesten im Elternkreis war Marie-Luise Trappen. Die Mitbegründerin und erste Vereinsvorsitzende der Lebenshilfe Main-Taunus setzte alles daran, dass eine Schule für die damals als „Praktisch bildbar“ eingestuften Kinder ins Leben gerufen wurde.

Ganz spartanisch sah die Marxheimer Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in den 70er-Jahren noch aus. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Ganz spartanisch sah die Marxheimer Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in den 70er-Jahren noch aus.

1968 war es soweit. Der Kreistag des Main-Taunus-Kreises habe in einer Sondersitzung anlässlich seines 40-jährigen Bestehens die Schulgründung beschlossen, hat Elbert der Schulchronik entnommen. Den Namen Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule erhielt sie aber erst 1975. Erste Schulleiterin wurde Elisabeth Stephan. In der Vincenzstraße 4 (damals Langenhainer Straße), wo heute der Abwasserverband Main-Taunus sein Domizil hat, standen Räume zur Verfügung. Allerdings nur nachmittags, denn vormittags nutzte diese die damalige „Sonderschule für Lernbehinderte“. Mit 28 Kindern ging die neue Schule am 4. September 1968 an den Start. Im Oktober, nachdem auch Helga Schön dazustieß, waren die Lehrkräfte immerhin schon zu dritt. „Es ging von Anfang an darum, den Schülerinnen und Schülern so viel wie es nur ging gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“, sieht Johannes Elbert hier ein Lernziel, dass noch heute gilt.

Am Heiligenstock

Bis Ende 1973 blieb Elisabeth Stephan Schulleiterin. Ihr Nachfolger Willi Prößer konnte schon den Umzug aus den längst zu klein gewordenen Räumen an den Heiligenstock begleiten, wo der Kreis gleich drei neue Schulen ermöglichte. Nach der Heiligenstockschule entstand zunächst die Wichernschule. In diese konnte auch die Verwaltung der Bodelschwingh-Schule einziehen. Für die Schüler wurden zunächst in Pavillons Klassenräume eingerichtet, bis der Schulneubau 1980 in Betrieb genommen wurde. „Da wurden plötzlich Dinge möglich, von denen alle vorher nur geträumt hatten“, weiß Elbert. Jede Klasse verfügte über eine Kochzeile, es gab einen Werk- und einen Kunstraum, einen Therapieraum und sogar ein Schwimmbad – und eine Trainingswohnung. Die wurde später allerdings aufgegeben, weil die Schülerzahl bis 1990 weiter stieg.

Die Stelle des Schulleiters ist ausgeschrieben

Die Bodelschwingh-Schule feiert zuerst ihr Jubiläum, dann einen Abschied. Mit den Sommerferien wird Schulleiter Johannes Elbert in den Ruhestand gehen.

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Dann kam das Modell „Gemeinsamer Unterricht“, der Vorläufer der Inklusion. Kinder mit und ohne Beeinträchtigung lernten in einigen Grundschulen im Kreis gemeinsam – was die Schülerzahl an der Bodelschwingh-Schule auf 54 sinken ließ. „Heute haben wir 120 Schüler, obwohl 40 Kinder mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in der Inklusion sind“, weiß Elbert, der auch Leiter des an die Bodelschwingh-Schule angegliederten Sonderpädagogischen Beratungs- und Förderungszentrums (BFZ) ist, das Eltern und Schulen in Sachen Inklusion berät. Ein Grund für die konstant hohen Schülerzahlen an der Förderschule sind Beeinträchtigungen wie Autismusspektrum-Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten, die heute häufiger als früher diagnostiziert werden.

Crêperie „Le Coq“

2010 hat der Main-Taunus-Kreis die Bodelschwingh-Schule mit einem Neubau erweitert. Mit der Crêperie „Le Coq“ hat die Schule ein eigenes Schülerunternehmen. Und seit Jahren einen Schwerpunkt in der Unterstützten Kommunikation: Mit Hilfe von Computern können sich Schüler äußern, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht sprechen können und früher kaum Möglichkeiten hatten, anderen ihre Bedürfnisse und Empfindungen mitzuteilen. „Der Main-Taunus-Kreis hat immer gut für uns gesorgt“, sagt Elbert mit Blick auf das Gebäude und seine gute Ausstattung. Spender, zu denen von Anfang an die Stiftung Leberecht gehört, haben manches darüber hinaus ermöglicht, Fahrten etwa oder die Durchführung von Reit-Therapie-Stunden. Viele gute Gründe, das 50-jährige Bestehen mit einem großen Schulfest am Samstag, 16. Juni, von 15.30 bis 22 Uhr zu feiern. Vorbereitet haben es Schüler und Lehrer gemeinsam. Zum krönenden Abschluss gibt’s eine Freiluftdisco mit schuleigenen DJs.

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