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Schwer zu besetzende Ausbildungsberufe: Will keiner mehr Bäcker werden?

Von Wer ein Handwerk erlernt, hat eine gute Zukunft vor sich und kann viel Geld verdienen – diese Erkenntnis ist im Grunde noch immer gültig. Nur gibt es immer mehr Handwerksberufe, in denen es Aufträge und Lehrstellen gibt, aber die Unternehmen finden weder Mitarbeiter noch Nachwuchs. Warum ist das so?
Bei Bäckermeister Josef Arnold aus Elz wird noch alles in Handarbeit gemacht. Der 57-Jährige hat immer gerne ausgebildet, hat es aber inzwischen aufgegeben, weil er keinen zuverlässigen und wirklich interessierten Lehrling findet. Foto: Anette in Concas Bei Bäckermeister Josef Arnold aus Elz wird noch alles in Handarbeit gemacht. Der 57-Jährige hat immer gerne ausgebildet, hat es aber inzwischen aufgegeben, weil er keinen zuverlässigen und wirklich interessierten Lehrling findet.
Limburg-Weilburg. 

Als Michael Leither (29) noch zur Schule ging und seinen Mitschülern erzählte, was er beruflich machen will, war das Gelächter groß: Er hatte gesagt, er wolle später als Gebäudereiniger arbeiten.

„Der Beruf hat leider einen schlechten Ruf“, sagt Leither. Immer wieder muss er erklären, dass es sich um einen anerkannten Handwerksberuf handelt. Denn wer das falsche Reinigungsmittel für Natursteine, Teppichböden oder Parkett benutze, der verursache schnell einen großen Schaden.

Nur – diese Erkenntnis nutzt nichts. Leither, Geschäftsführer der Suboga GmbH in Mengerskirchen, sucht dringend Mitarbeiter, findet aber niemand. Dabei sei die Auftragslage sehr gut, eigentlich zu gut, denn alle Aufträge könne er nicht annehmen. Auch ausbilden möchte er – aber das Interesse von Bewerbern hält sich in Grenzen.

Dieses Schicksal trifft nicht nur auf Gebäudereiniger im Landkreis Limburg-Weilburg zu. Es gibt mehrere Berufe, deren Ausbildungsstellen als „schwierig zu besetzen“ gelten: Darunter fallen nach Angaben der Arbeitsagentur Limburg auch Lehrberufe wie Metzger und Bäcker, die Fachverkäufer in diesen Branchen, Anlagenmechaniker in Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Fachkräfte im Gastgewerbe und in der Systemgastronomie, Berufskraftfahrer und Straßenbauer.

200 Euro mehr pro Monat

In der Ende Mai veröffentlichten Liste der unbesetzten Ausbildungsstellen im Landkreis Limburg-Weilburg tauchen diese Berufe wieder auf. 21 Lehrstellen im Bereich Straßenbau sind unbesetzt, bei den Anlagenmechanikern im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind es 17 freie Lehrstellen, bei den Fachverkäuferinnen im Bäckerhandwerk 14 und bei den Bäckern zwölf. Auch andere Ausbildungsberufe sind hier gelistet, aber laut Agentur-Sprecher Ralf Fischer bleiben am Ende vor allem die Lehrstellen der oben genannten Berufe unbesetzt.

Will keiner mehr Bäcker werden? „Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, Auszubildende zu finden“, sagt Domique Huth (40), der zusammen mit seinem Bruder die Limburger Bäckerei Huth leitet. Neun Lehrstellen bieten die Brüder ab dem 1. August an – vier für den Bäckerberuf, fünf für den Verkaufsbereich. Davon sind erst fünf Stellen besetzt, zwei Bäcker und drei Fachverkäuferinnen. Jeder, der einen dieser Berufe erlernen wolle, kriege dort auch eine Lehrstelle. „Der Beruf des Bäckers stirbt aus“, sagt Dominique Huth. „Es gibt ja kaum noch Bäcker. Keiner will nachts aufstehen und nachts arbeiten.“

Von den 32 Innungsbetrieben im Landkreis seien nur noch 24 Betriebe aktiv, rechnet er vor; und davon würden nur noch acht Betriebe ausbilden. Im derzeit laufenden ersten Ausbildungsjahr gebe es im gesamten Landkreis gerade einmal noch zehn angehende Bäckergesellen, davon seien allein vier bei Huth beschäftigt.

Dabei stimme das mit dem nachts aufstehen gar nicht mehr. „Bei uns beginnt der Arbeitstag um 22 Uhr“, sagt Huth. Bis 6 oder 7 Uhr morgens werde gearbeitet, anschließend würden sich die meisten Bäcker schlafen legen und gegen Mittag aufstehen. Mit der Familie ließen sich diese Arbeitszeiten sehr gut vereinbaren. „Alle unsere Mitarbeiter haben eine Familie, Freizeit und Kinder“, sagt Huth. Um mehr junge Menschen für diesen traditionellen Handwerksberuf zu begeistern, haben sich die Brüder Huth entschieden, ihren Azubis 200 Euro im Monat mehr zu zahlen, wenn sie in der Berufsschule mindestens die Note befriedigend haben. Aber auch fertig ausgebildeten Gesellen auf dem Arbeitsmarkt zu finden, werde immer schwerer.

Auch Leither schlägt sich mit diesem Problem herum. „Ich finde keine ausgebildeten Gebäudereiniger mehr, nicht einmal Hilfsarbeiter. Ich kann keine neuen Aufträge mehr annehmen, weil ich keine Mitarbeiter finde. Das ist echt traurig“, sagt er. Sechs Wochen lang habe er Anzeigen geschaltet. Nur zwei Bewerber hätten sich daraufhin in seinem Unternehmen gemeldet. Zu dem Vorstellungstermin seien beide nicht erschienen.

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