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Ein Netzwerk für unbürokratische Hilfe

Von Krebs! Diese Diagnose zerstört von heute auf morgen Träume, Pläne, Existenzen. Im Rahmen einer Serie lässt die NNP Betroffene zu Wort kommen: Kranke, Geheilte und Helfer. Heute zum Abschluss der Serie im NNP-Interview: Andreas Kessler, seit März neuer Vorsitzender der Dehrner Krebsnothilfe.

Andreas Kessler arbeitet als Bankkaufmann, wohnt in der Fürstenstadt Hadamar, ist Ehemann und Vater von zwei Kindern.

Wie ist die Dehrner Krebsnothilfe entstanden?

ANDREAS KESSLER: Anlass war 1995 die Erkrankung von David Menne. Freunde gründeten den Verein als persönliche Hilfe für die Familie des todkranken Freundes. Der Vater war der erste Vorsitzende. David Menne starb, die Idee, Krebskranken und ihren Freunden zu helfen, lebte weiter.

Warum unterstützen Sie ausgerechnet die Dehrner Krebsnothilfe?

KESSLER: Ich habe damals in Dehrn gearbeitet und wurde so auf den Verein aufmerksam. Zunächst wurde ich eines von 400 fördernden Mitgliedern. Irgendwann kam die aktive Mitarbeit im Vorstand. Hier kann ich wirklich Hilfe „vor Ort“ leisten, die ankommt. Bei der Krebsnothilfe weiß ich, was wir tun und wo die Spenden landen. Alle opfern ihre freie Zeit ohne Bezahlung. Es gibt lediglich ein gemeinsames Essen im Jahr.

Wie finanzieren Sie Ihre Arbeit?

KESSLER: Wir finanzieren unsere Vereinsarbeit aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Zurzeit zählt unser Verein rund 420 Mitglieder. Viele Privatleute, Vereine oder Firmen engagieren sich für uns und stellen uns Erlöse aus Aktionen zur Verfügung, wofür wir sehr dankbar sind.

Wofür verwenden Sie das Geld?

KESSLER: In erster Linie für die psycho-onkologische Betreuung in Ausnahmesituationen. Über viele Jahre haben wir die Beratung im Limburger Krankenhaus finanziert, bis das Haus im Jahre 2008 die Finanzierung selbst übernahm. Heute vermitteln wir Kontakte zu erfahrenen Psychologen. Zwar bezahlen auch die Krankenkassen eine solche Hilfe, doch darauf müssen Betroffene oft monatelange warten, weil nicht genug Psychologen mit Kassenzulassung bereitstehen. Im vergangenen Jahr bezahlten oder unterstützten wir die Beratung von 34 Betroffenen, darunter sechs Kinder.

Darüber hinaus können wir unbürokratisch Hilfe leisten, wenn eine Familie in finanzielle Notlagen gerät. So lassen sich beispielsweise Fahrten in entferntere Kliniken oder Haarersatz bezahlen. Es klagen aber auch immer mehr Betroffene, dass sie sich die Zuzahlungen etwa zu Medikamenten oder anderen Therapien nicht mehr leisten können.

Wie treten Hilfesuchende an Sie heran?

KESSLER: Wir bieten regelmäßig Sprechstunden in unserer Limburger Kontaktstelle. Seit unserem Umzug vor einem Jahr ist die Resonanz leider deutlich abgesunken auf im vergangenen Jahr 80 Erstkontakte. Viele Nachfragen kommen aber auch per E-Mail oder erreichen uns telefonisch. Wir reagieren in der Regel taggleich. Insgesamt hatten wir im vergangenen Jahr 200 Kontakte mit Betroffenen oder deren Angehörigen. Die Menschen vertrauen uns, weil wir wissen, um was es geht.

Womit können Sie Betroffenen noch helfen außer mit Geld in finanziellen Notlagen?

KESSLER: Wir halten viele Informationen bereit. Ratgeber, Adressen und Informationsbroschüren können direkt in unserer Kontaktstelle abgeholt werden. Auch kennen wir durch unser Netzwerk viele Fachleute. Wir wissen, wer welche Art von Hilfen anbietet, welche Behörden zuständig sind oder auch, welche finanziellen Ansprüche möglicherweise bestehen. Wir sind keine Selbsthilfegruppe, vermitteln aber auf Wunsch an solche.

Mit welchen Fragen kommen die Hilfesuchenden hauptsächlich?

KESSLER: Da gibt es kein festes Raster. Etwa ein Drittel braucht psychologische Unterstützung. Manche wollen einen Rat, wie sie ihren Angehörigen oder Kindern von der schweren Erkrankung erzählen können. Auch bei der Suche nach Psychologen geht es nicht nur um die Erkrankten selbst, sondern um die Angehörigen: Partner oder Kinder befinden sich plötzlich in einer Ausnahmesituation. Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, kann es beispielsweise passieren, dass sich ein Geschwisterkind vernachlässigt fühlt. Alles dreht sich nur noch um den kranken Bruder. So fängt das andere Kind vielleicht an, ins Bett zu nässen oder in der Schule abzubauen.

Welche anderen Dienstleistungen bieten Sie?

KESSLER: Wir verfügen über eine kleine Bibliothek zu den Themen Krebs und Ernährung. Wir wollen in Zukunft auch wieder stärker Präventions- und Informationsveranstaltungen anbieten. Wie bereits schon früher, so unterstützten wir auch im letzten Jahr beispielsweise Typisierungs-Aktionen zugunsten der Knochenmark-Spenderdatei. Der Einzeltest kostet 50 Euro.
 

Rat und Hilfe

Kontaktstelle im Herzen der Limburger Altstadt, Fischmarkt 18-19 (direkt neben dem Schokoladenhaus).

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