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Bauprojekt: Die Stadtverordneten wollen keine Seilbahn über die Lahn

Von Die Runkeler Stadtverordneten haben sich mehrheitlich für den Bau einer Fahrrad- und Fußgängerbrücke zwischen Arfurt und Villmar ausgesprochen. Der Alternativvorschlag der Bürgerliste (BL), eine Seilbahn über die Lahn zu bauen, fand bei den anderen Fraktionen keinen Anklang.
Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer soll das andere Lahnufer von Arfurt aus ohne größere Umwege erreichbar machen. Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer soll das andere Lahnufer von Arfurt aus ohne größere Umwege erreichbar machen.
Runkel. 

Mit 17 Ja-Stimmen bei vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen vonseiten der Bürgerliste und CDU hat die Stadtverordnetenversammlung entschieden, die Vorplanungen für eine Fahrrad- und Fußgängerbrücke zwischen Arfurt und Villmar aufzunehmen.

Zunächst klang die Idee spannend

Die Politiker haben die entsprechenden Mittel im Haushalt freigegeben. Nun müssen nur noch die Villmarer Kollegen zustimmen.

Die Alternatividee zur Brücke, die Runkels BL-Fraktionsvorsitzender Erhard Becker vorschlug, hörte sich zunächst spannend an. Er hatte sich Unterlagen zu Deutschlands bisher einziger Fahrradseilbahn über die Fulda besorgt, die vor neun Jahren fertiggestellt wurde. Laut Becker ist so etwas nicht nur ein Touristenmagnet, sondern im Bau auch wesentlich günstiger und umweltverträglicher als die Brücke, da ein geringerer Eingriff in die Natur nötig sei. Zwischen Beiseförth und Binsförth können die Radfahrer in zwei Metern Höhe in einem Metallkorb mit ihren Rädern die Fulda in der Nähe von Melsungen überqueren. Die Nutzer müssen die Seilbahn per Muskelkraft über zwei Kurbeln ans andere Ufer bewegen.

Intensiv mit dem Thema beschäftigt

Michel Kremer sah den Vorschlag der Bürgerliste jedoch kritisch. Auf den ersten Blick habe er die Idee durchaus ansprechend gefunden, so der SPD-Stadtverordnete. Dann habe er sich jedoch intensiver mit der Thematik befasst und festgestellt, dass die Sache auch ihre Haken habe. Sonst wären sicherlich laut Kremer in den vergangenen zehn Jahren weitere solcher Fahrradseilbahnen gebaut worden. Kremer hält es für problematisch, dass nur jeweils vier Radfahrer in die Gondel passen. Man brauche mit der Gondel über die Fulda vier Minuten. Weitere drei Minuten würden benötigt, die Gondel zurückzuholen.

Wenn jemand mit einer Gruppe von 20 Personen unterwegs sei, bedeute das einen Zeitaufwand von 40 Minuten. Der Runkeler Ortsvorsteher Kremer bezog in seine Rechnung mit ein, dass der Weg über die Lahn kürzer sei. Doch selbst bei nur 25 Minuten könne man in derselben Zeit auch über die aktuell vorhandenen Radweg von Arfurt nach Villmar kommen. Des Weiteren sei problematisch, dass die Gondel nicht benutzt werden dürfe, wenn Verkehr auf der Lahn sei. Gerade an den Wochenenden im Sommer sei es jedoch, wie Kremer erklärte, problematisch, größere Lücken über die Lahn zu finden.

Alternative verworfen

Ebenfalls dürfe die Gondel nicht bei Gewitter, Hochwasser, Nebel, im Dunkeln und im Winter benutzt werden. Ältere Menschen, die vielleicht sogar mit E-Bikes unterwegs seien, könnten die Kraft für den Kubelbetrieb eventuell nicht aufbringen. Kremer bat bei den niedrigeren Anschaffungskosten von 120 000 Euro für die Fahrradseilbahn auch die zu erwartenden höheren Wartungskosten als bei einer Brücke zu bedenken. Michel Kremer meinte, dass sich die Arfurter einfach eine dauerhaft nutzbare Verbindung nach Villmar wünschten und deshalb sei die Seilbahn für die Bürger keine Alternative.

Erhard Becker sieht es anders. Er denkt, dass es bessere Technik für eine Fahrradseilbahn gebe als die Kurbellösung über die Fulda. Dass auf einen Schlag bei Arfurt 20 und mehr Personen mit Rädern über die Lahn wollten, hält Becker für einen sehr unwahrscheinlichen Fall.

Ragnhild Schreiber (CDU) hält es auch für wichtig, dass die Arfurter ihr Dorf künftig auch in eine zweite Richtung verlassen könnten. Bisher sei der gesamte Ortskern praktisch eine Sackgasse. Die CDU werde folglich dafür kämpfen, dass ein berechtigter Wunsch der Arfurter wahr werde.

Im Vorfeld der Stadtverordnetensitzung hatte sich der Runkeler Bauausschuss bereits einstimmig für die Mittelfreigabe für einen Brückenvorentwurf mit Kostenschätzung ausgesprochen. Jörg Holl von der Limburger Ingenieurgesellschaft Ruffert hat die Kosten hierfür auf 30 000 Euro beziffert, die von beiden Kommunen getragen werden soll.

In Villmar wird das Thema noch im Haupt- und Finanzausschuss beraten. Die Kosten für die Brücke schätzt Holl nach seinen Erfahrungswerten auf cirka 590.000 Euro. Die Brücke solle eine Gesamtlänge von 70 Metern erhalten und aus Stahlverbundträgern und Beton-Fertigteilelementen errichtet werden. Dadurch sei sie einfacher zu bauen und sei im Gegensatz zu einer Holzbrücke in den ersten Jahren praktisch wartungsfrei. Arfurts Ortsvorsteher Manfred Hastrich (CDU) weiß, dass es früher zwischen Arfurt und Villmar ein Fährboot gegeben hat, das die Verbindung unter anderem zwischen beiden Kirchengemeinden sicherstellte. Seitdem es diese nicht mehr gebe, bestehe der Wunsch der Arfurter, wieder eine Anbindung des Dorfes auf der Lahnseite ans Umland zu schaffen. Aber auch für die Seel- und Falkenbacher könne die neue Brücke eine gute Anbindung an den Premiumradweg R 7 darstellen.

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