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Neue NNP-Serie: Schicksals-Diagnosen: Brustkrebs: Heil und Leid aus der Infusion

Krebs! Diese Diagnose zerstört von heute auf morgen Träume, Pläne, Existenzen. Im Rahmen einer Serie lässt die NNP Betroffene zu Wort kommen: Kranke, Geheilte und Helfer. Zum Auftakt der Serie hat sich NNP-Mitarbeiterin Edith Egger-Mertin auf der Chemo-Ambulanz des St.-Vincenz-Krankenhauses umgeschaut, wo Frauen mit Brustkrebs behandelt werden.
Limburg. 

Jede neunte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Von keiner anderen Krebsart sind erwachsene Frauen so häufig betroffen. Wie es nach der Diagnose weitergeht, ist allgemein bekannt: Operation, Chemotherapie, Bestrahlung. Unter einer Operation und Bestrahlung kann sich jeder etwas vorstellen, aber Chemotherapie?

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Die gynäkologisch-onkologische Ambulanz – kurz: Chemo-Ambulanz – ist ein kleiner, in sich geschlossener Bereich innerhalb der Frauenklinik des St.-Vincenz-Krankenhauses. Hinter Holz und Glas sieht man einige Schreibtische und Aktenschränke; der Blick nach hinten, in das winzige Arztzimmer und in die beiden Behandlungsräume, ist verwehrt. Dort stehen acht elegante, grüne Liegesessel, jeder mit einem Infusomat an der Seite, einem Ständer, an dem die Infusionen aufgehängt und computergesteuert überwacht werden. Zwischen zwei und sieben Stunden dauert jede einzelne Therapiesitzung.

Die drei Patientinnen Helga Buchholz, Soja Scholz und Corinna Opel (von links). Bild-Zoom
Die drei Patientinnen Helga Buchholz, Soja Scholz und Corinna Opel (von links).

Alle Plätze sind täglich vom frühen Morgen an besetzt. Die Stimmung der Patientinnen ist entspannt, sie stricken, lesen oder unterhalten sich. „Die Krankheit tritt in den Hintergrund“, sagt Schwester Brigitte Theobald (49), seit vier Jahren in der Ambulanz, „es wird viel gelacht, Rezepte und sogar Büttenreden werden getauscht, Pläne werden gemacht“. Die Patientinnen sehen hier nur freundliche Gesichter, das prägt die Atmosphäre. Jede Einzelne wird fürsorglich und sorgfältig betreut, Wünsche, zum Beispiel nach Essen und Getränken oder nach einer Decke, werden erfüllt. Patientin Helga Buchholz (61) aus Offheim betont, wie gut sie sich aufgehoben fühlt. Ihr Lob ist eines von vielen.

Die Krankenschwestern Nadine Petry (links) und Brigitte Theobald. Bild-Zoom
Die Krankenschwestern Nadine Petry (links) und Brigitte Theobald.

Angelika Ober (40), seit 2009 Oberärztin der Ambulanz, ist Chefin von sechs Krankenschwestern, einer Arzthelferin und mehrerer Assistenzärztinnen, mit denen die Abteilung besetzt ist. Am Beginn einer Therapiesitzung steht immer die Öffnung des Ports jeder Patientin durch eine Ärztin. Der Port, eine kleine runde Kammer mit einer dicken Membran und einem dünnen Schlauch, der direkt in eine Vene mündet, wurde in einer separaten Operation vor Therapiebeginn unter die Haut zwischen Schulter und Schlüsselbein implantiert.

 

Liebevolle Fürsorge erleben

 

Die Ärztin sticht mit einer Kanüle durch Haut und Membran und stellt damit einen unmittelbaren Venenzugang her. Jetzt können die Medikamente in den Blutstrom eingeleitet werden. Die Infusionen werden jeweils morgens individuell für jede Patientin, auch abhängig von ihrem Gewicht und ihrer Größe, in der Zentralapotheke des St. Vincenz im ICE-Gebiet angemischt. Mehrere Liter Flüssigkeiten werden in den nächsten Stunden verabreicht, neben einer Kombination von wirksamen Krebsmitteln auch Kochsalzlösung und Mittel zum Schutz der Blase und gegen Übelkeit.

Oberärztin Angelika Ober öffnet den Port von Corinna Opel und leitet die erste Infusion ein.	Fotos: Egger-Mertin Bild-Zoom
Oberärztin Angelika Ober öffnet den Port von Corinna Opel und leitet die erste Infusion ein. Fotos: Egger-Mertin

Weil die Krebsmedikamente, die Zytostatika, nicht nur auf die Krebszellen, sondern auch auf andere, gesunde Körperzellen einwirken, kommt es zu den gefürchteten Nebenwirkungen. Bald nach der ersten Therapiesitzung fallen die Haare aus. Für viele Patientinnen ist es ein besonders emotionaler Moment, wenn sie die ersten Haarbüschel in Händen halten. Von wochenlangem Erbrechen, Bauch- und Gliederschmerzen, Entzündungen in Mund und Rachen, Schwäche und Schwindel berichtet Leonor da Silva (48) aus Dauborn. „Es ging mir grottenschlecht, ich war depressiv und fing ständig an zu weinen.“ Ähnliches erzählt Susanne Bertram (60) aus Elz. Aber sie erlebt jetzt auch dankbar die liebevolle Fürsorge ihrer Familie. „Mein toller Mann cremt mir abends meine Füße ein und bürstet mir jeden Abend meine Glatze mit einer Babybürste.“ Nicht alle Patientinnen müssen unter gravierenden Nebenwirkungen leiden. Simone Schäfer (48) aus Rennerod beispielsweise zeigt nur ein paar dunkle Flecken auf den Nägeln und spricht über Kribbeln in den Füßen.

 

Harmonisches Team

 

Insgesamt sechs Mal, jeweils im Abstand von drei Wochen, kommen die Patientinnen zur ambulanten Chemobehandlung, außerdem wöchentlich zur Blutkontrolle. Der Port kann fünf Jahre lang an Ort und Stelle bleiben.

Kommt der Krebs zurück – was etwa bei jeder fünften Frau der Fall ist –, kann er sofort wieder für eine Chemotherapie benutzt werden, auch ein drittes oder viertes Mal. Wenn diese Möglichkeit ein klein wenig von ihrem Schrecken verliert, dann ist das ganz eindeutig ein Verdienst der Krankenschwestern und Ärztinnen und ihrer liebevollen Fürsorge.

Krankenschwester Nadine Petry, mit 34 Jahren die Jüngste in der Ambulanz, bestätigt den positiven Eindruck: „Ich war noch nie vorher in einem Team, das so harmonisch arbeitet.“

Patientin Corinna Opel (45) aus Altendiez findet sogar, in der Ambulanz sei es „super, wie zu Hause, noch besser, hier wird man bewirtet und bedient“.
 

Früherkennung kann OP ersparen

Das Brustzentrum St. Vincenz ist das elfte zertifizierte Brustzentrum Hessens: Im Jahr 2007 hatten Gutachter der unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft Onkozert das Team des St.

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Info: Zahlen und Daten

Jährlich erkranken in Deutschland rund 75 200 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe ist

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